15/08/2026
Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit …
heute-Nachrichten vom 10.08.2026
Barbara Hahlweg: „Jetzt ist es amtlich was wir schon ahnten – Rekordhitze in Westeuropa: Juni und Juli waren so heiß wie nie […] Temperaturen zwischen 35 und 45 Grad, zehntausende hitzebedingte Tote, Dürre, Waldbrände und niedrige Pegelstände. An Sommer wie diesen werden wir uns gewöhnen müssen.“
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
seitens der Medien, dass dies eine unvollständige und irreführende, weil verharmlosende Berichterstattung ist? Ich wäre heilfroh, wenn wir tatsächlich so „glimpflich“ davonkommen würden ... mit viel zu warmen Sommern, an die man sich dann eben mit Klimaanlagen in Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen und mit Wassersprühbögen in Fußgängerzonen "anpassen" muss. Aber man kann die Klimakatastrophe nicht einfach "wegkühlen", sie bedeutet weit mehr.
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
dass es eben nicht bei dem bleiben wird, was wir gerade erleben? Dass dies eben noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist mit „Temperaturen zwischen 35 und 45 Grad“ - dass es schlimmer wird, viel schlimmer. Erst recht, wenn Kaskadeneffekte, respektive irreversible Kipppunkte eintreten, vor denen uns die Wissenschaft seit Jahrzehnten unermüdlich warnt, die u.a. nie dagewesene Flüchtlingsströme antreiben werden, die die Grundfesten unserer Zivilisation gefährden?
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
dass der gerade inflationär gebrauchte Begriff „Klimaanpassung“ noch während der Lebensspanne bereits heute lebender junger Menschen zur inhaltslosen Phrase werden wird, weil man sich an das, was da in erdhistorischen Dimensionen rasend schnell auf uns zukommt, nur sehr begrenzt anpassen kann?
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
dass das immer häufiger erzählte Märchen einer nahezu unbegrenzt möglichen „Klimaanpassung“ nichts weiter ist als ein politischer Wunschtraum - auch benutzt um jahrzehntelanges unzureichendes Handeln seitens der Regierung zu kaschieren? Anpassung ist notwendig – aber sie hat Grenzen. Und je weiter die Erderhitzung fortschreitet, desto häufiger werden diese Grenzen überschritten.
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
dass zwar jede vermiedene Tonne CO₂ zählt – dass sich die Klimakatastrophe aber nicht durch die Addition freiwilliger sehr begrenzter individueller Kleinmaßnahmen aufhalten lässt?
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
dass wir Lösungen brauchen, die der Größenordnung des Problems entsprechen? Dass es mit ein paar mehr Balkonkraftwerken, ein bisschen Flächenentsiegelung hier und da, öfter mal das Auto stehen lassen und stattdessen das Fahrrad nehmen, oder eher mal mit dem Zug im Schwarzwald Urlaub machen und auf die Fernreise mit dem Flugzeug zu verzichten, eben bei Weitem nicht getan ist, um die Katastrophe aufzuhalten?
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
dass es eines radikalen Paradigmenwechsels unserer kompletten Wirtschaftsweise bedarf, um die bevorstehende Katastrophe noch einigermaßen zu begrenzen und, dass dies nicht aufwands- bzw. kostenneutral zu haben ist?
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit, speziell von Kanzler Merz ...?
Wann endet endlich das stoische bis störrische Schweigen des Kanzlers und weiter Teile der Bundesregierung? Gerade die aktuelle Hitzephase und ihre Folgen – auch für die Wirtschaft – wären Anlass genug, über die großen Zusammenhänge zu sprechen, der Bevölkerung den Ernst der Lage ungeschminkt zu erklären und darzulegen, warum wir jetzt entschlossener gegen die Erderhitzung kämpfen müssen. Wir sollten uns ehrlich auf die enormen, aber unabdingbaren Anstrengungen einstellen: whatever it takes!
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
dass sich unsere Wirtschaftspolitik nicht von den unverhandelbaren physikalischen Grenzen des Erdsystems entkoppeln lässt?
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit darüber ...
warum im gegenwärtigen System nicht der Krise entsprechend schnell und wirkungsvoll gehandelt wird, weil die tatsächliche Ursache der Klimakrise aus einem Teufelskreis aus der Diffusion von Verantwortung, nationalen Interessen und globalen Notwendigkeiten besteht?
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
dass wir nicht länger in einem viel zu engen Lösungsraum denken sollten und, dass das übliche Klein-Klein-Denken und die Fixierung auf "low-hanging-fruits" eine ausreichend schnelle Transformation verhindert?
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit seitens der EU ...
dass auch der Emissionshandel an politische und gesellschaftliche Grenzen stößt? Je stärker seine Lenkungswirkung über steigende CO₂-Preise erzeugt werden soll, desto größer werden Verteilungs-, Akzeptanz- und Wettbewerbsprobleme – sofern nicht gleichzeitig bezahlbare emissionsfreie Alternativen in ausreichendem Umfang verfügbar sind.
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
dass eine Klimapolitik, die den Menschen vor allem Einschränkung, Verteuerung und individuellen Verzicht abverlangt, dauerhaft Akzeptanzprobleme erzeugen wird? Die Aufgabe der Politik muss vielmehr darin bestehen geeignete Werkzeuge zu etablieren, die das Potenzial haben, Produktions- und Infrastruktursysteme wesentlich schneller zu defossilisieren, sodass klimaverträglicher Konsum und klimaverträgliche Mobilität für alle zum einfach verfügbaren Normalfall werden – ohne staatliche Bevormundung oder Einschränkungs- und Verzichtsappelle.
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit ...
dass wir seit Jahren auf klimapolitische Werkzeuge setzen, die angesichts der Dimension und Dringlichkeit der Krise nicht ausreichend wirken und aufgrund ihrer Nebenwirkungen zunehmend Akzeptanzprobleme erzeugen?
🔹 Wann kommt endlich die große Ehrlichkeit von Seiten der Medien ...
ihrer journalistischen Verantwortung gerecht zu werden und das Thema Klimakrise wieder ganz nach oben auf die Agenda von Nachrichten, Talkshows und Reportagen zu setzen? Wann kommt endlich die gesellschaftlich-mediale Verdrängungsmaschinerie zur Einsicht, dass das „Vogel-Strauß-Prinzip“ mittelfristig nicht funktionieren kann?
➡️ Wenn die bisherigen Instrumente nicht ausreichend skalieren folgt daraus, dass wir über andere Instrumente reden müssen – beispielsweise über persönliche Emissionsbudgets (siehe das Modell "Cap, Personalize and Trade". Über eine Lösung, die die physikalisch notwendige Emissionsbegrenzung verlässlich und sozial-gerecht gewährleistet, ohne Klimaschutz primär über immer höhere Preise, ordnungsrechtliche Verbote und individuelle Verzichtsappelle gestalten zu müssen.
Die Erderhitzung zu stoppen ist die größte Gemeinschaftsaufgabe der Menschheit. Wir wissen längst, dass WIR das Klima maßgeblich verändern – durch unsere Art zu wirtschaften und durch das fortgesetzte Verbrennen von Kohle, Öl und Gas. Der entscheidende Schritt ist jetzt, aus diesem Wissen endlich Konsequenzen zu ziehen, die der Dimension des Problems entsprechen.
EHRLICHKEIT JETZT!
Text: Jens Hanson (Gründer & Vorstand SaveClimate.Earth)
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