28/01/2026
Könizbergwald – ein Wald stirbt in Raten, Medienmitteilung vom 27.01.25
Einmal mehr massive Holzschläge im Könizbergwald. In immer heisseren Zeiten werden unzählige gesunde Bäume gefällt, um Licht in den Wald zu bringen. Das erwärmt und schwächt den Wald und zerstört seine für uns lebenswichtigen Funktionen. Waldbesitzer stehen deshalb in Verantwortung. Geht es so weiter, wird der Könizbergwald in Raten zum Sterben gebracht.
Einmal mehr sind im Könizbergwald unzählige Bäume zum Fällen angezeichnet. Der Könizbergwald wird immer mehr zum Industriewald. Er wird – wie das vor vielen Jahren Horst Stern formulierte – immer mehr zu einem «maschinenfreundlichen Wald mit flurbereinigten Holzäcker zwischen Rückegassen.»
Unter dem Deckmantel von Klimaschutz und Biodiversitätsförderung wird im Könizbergwald, massiv geholzt. Alle 20 Meter werden 4 Meter breite Schneisen von 40t schweren Maschinen in den Wald geschlagen, um bis zu 120 Bäume pro Tag zu ernten. Alte wunderschöne gesunde Buchen, aber auch unzählige weitere gesunde Bäume werden geopfert, um angeblich Licht in den Wald zu bringen, lichtliebende und klimafitte Baumarten zu fördern. Die Leistungen all dieser Bäume aber sind für immer weg. Es wird immer heisser in der Schweiz und mit diesen erneuten grossflächigen Holzschlägen auch im Könizbergwald.
Man muss nicht vom Fach sein, um zu begreifen was hier falsch läuft. In Zeiten einer globalen Erderwärmung so viele Bäume abzuholzen und mit schweren Maschinen den Waldboden zu verdichten kann nie nachhaltig sein. Denn wo Licht ist, kommt auch Wärme in den Wald. Das Innenklima des Waldes wird verändert und der verdichtete Boden kann kaum mehr Wasser speichern.
Unsere Wälder sind nicht eine zufällige «Ansammlung von Bäumen», sondern sie sind Teil eines Ökosystems in dem Pflanzen, Pilze, Tiere und Mikroorganismen ein Netzwerk bilden. Der Wald funktioniert über das Zusammenspiel dieses Netzwerkes. Die Verantwortlichen zerstören mit ihren massiven Eingriffen dieses Netzwerk für Jahrzehnte, das Zuhause unzähliger Tiere und Lebewesen und damit auch die für uns lebenswichtigen Funktionen des Waldes. Wir brauchen dringend ein gesundes Ökosystem «Wald». Der Wald ist unsere Klimaanlage, er kühlt, er ist unser Sauerstoffproduzent, unser Feinstaubfilter, unser Wasserspeicher (40% unseres Trinkwassers kommt aus den Wäldern), unser Erholungsraum, der Spielplatz unserer Kinder und ganz wichtig unser Gesundmacher. Und das alles gratis – ohne, dass er dafür Rechnung stellt. Der Wald mag zwar der Burgergemeinde Bern und dem Kanton gehören, aber auf die Leistungen des Waldes sind wir alle mehr denn je angewiesen.
Die Forstwirtschaft behauptet, sie müsse den Wald «fit» für die Zukunft machen. Das kann aber ein gesunder Wald selbst, schliesslich gibt es Wälder viel länger als uns Menschen. Aber natürlich nur, wenn die Forstwirtschaft, das Ökosystem Wald lassen würde. Stattdessen schlägt die Forstindustrie aus wirtschaftlichen Gründen immer mehr Holz, denn die grossen Investitionen in Forstmaschinen müssen amortisiert werden und die Energieanlagen rund um Bern brauchen Holz. Mehr als die Hälfte dieser gesunden Bäume werden verbrannt. Die für unsere Kinder und uns alle so wichtige Ressource «Wald» landet zum grössten Teil im Brennofen.
Waldbesitzer sind nicht einfach Holzbesitzer, sondern sie stehen mit diesem fantastischen Ökosystem mit seinen überlebenswichtigen Funktionen für uns alle, in einer riesigen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Trotz warnenden Stimmen lässt die Holzwirtschaft mit ihren übermässigen Schlägen den Wald in Raten sterben.