12/11/2025
Schon heute wird händeringend Personal für Pflegeeinrichtungen gesucht. Die Empörung ist immer groß, wenn vor Ort eine Pflegekraft abgeschoben wird. Diejenigen, die heute "abschieben'" rufen, könnten sich Morgen in einer ähnlichen Situation befinden.
Einmal kurz nachgedacht.
Und bitte nicht falsch verstehen: Wer nach Syrien zurück will und das Land neu aufbauen will, soll das gerne machen. Wenn Deutschland das sinnvoll unterstützt: sehr gut. Denn auch ein stabiles Syrien mit guten Kontakten nach Deutschland ist in unserem Interesse (das muss kein Widerspruch dazu sein, dass syrische Fachkräfte wichtig für uns sind – die Welt ist einfach komplex).
Es ließe sich übrigens über noch viel mehr nachdenken. Zum Beispiel: Inwiefern ist Syrien jetzt ein sicheres Land? Das ist überhaupt nicht so und schon gar nicht so eindeutig, wie manche gerade behaupten. Der Hammer ist ja: Der Außenminister – von der CDU! – war in Syrien und sagt: „Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben.“ Und jetzt wird er von Parteikollegen rund gemacht, die abschieben wollen, die aber eben nie in Syrien waren und denen jetzt die unliebsame Realität in ihre Pläne grätscht.
Und das ist mein Kritikpunkt: Es wird wieder einfach einer rausgehauen. Weil es gut klingt. Nicht, weil es irgendwie funktionieren würde. Und hier richtet man eben auch noch Schaden an. Es wird oft so getan, als wären Abschiebungen einfach immer ein Plus-Geschäft für den Staat. Dabei geht es hier zum einen um Menschen. Und zum anderen ist es ein dickes Minusgeschäft, wenn wir plötzlich noch mehr Arztpraxen dicht machen und Verkehrsprojekte streichen müssen, weil uns die Leute fehlen, die wir rausgeekelt (oder abgeschoben) haben, weil wir sie in Sippenhaft mit all ihren Landsleuten stecken, von denen manche – Überraschung, es sind Menschen – manchen von uns nicht in den Kram passen.