03/06/2026
Unsere Demokratie hat verloren!
Deutschland wollte in den UN-Sicherheitsrat. Deutschland warb weltweit um Stimmen. Deutschland erklärte der Welt, wie internationale Zusammenarbeit, Verantwortung und regelbasierte Ordnung funktionieren. Am Ende bekam Deutschland 104 Stimmen, nötig gewesen wären 127. Gewählt wurden stattdessen die großen europäischen Staaten Portugal und Österreich.
Das ist bemerkenswert. Nicht weil Deutschland verloren hat, das kann passieren. Sondern weil uns seit Jahren erklärt wird, Deutschland genieße weltweit höchstes Ansehen, sei moralischer Kompass, Vorbild und unverzichtbare Führungsmacht. Wenn das alles stimmt, stellt sich die Frage, warum ausgerechnet bei einer geheimen Abstimmung unter 193 Staaten so viele Länder anderer Meinung waren.
Besonders pikant: Deutschland gehört zu den größten Geldgebern der Vereinten Nationen und war in der Vergangenheit bei Sicherheitsratswahlen praktisch immer erfolgreich. Diesmal reichte es nicht einmal für die erforderliche Mehrheit.
Vielleicht liegt das Problem darin, dass man sich zu lange für den Lehrer der Welt gehalten hat. Wer anderen ständig erklärt, wie sie zu leben, zu wirtschaften und zu regieren haben, sollte sich nicht wundern, wenn die Begeisterung über die eigene Kandidatur begrenzt bleibt.
Portugal und Österreich müssen nun die Interessen Westeuropas im Sicherheitsrat vertreten. Deutschland hingegen darf die Niederlage analysieren. Vielleicht beginnt dort eine Erkenntnis, die in Berlin längst überfällig ist:
Internationale Anerkennung bekommt man nicht durch Selbstlob, Pressekonferenzen und moralische Belehrungen. Man bekommt sie, wenn andere Staaten freiwillig hinter einem stehen.
104 Stimmen sprechen eine ziemlich deutliche Sprache.
https://x.com/i/status/2062209753149743239