02/05/2021
😍
„Inklusion ist meine Mission“
Ali Molas (29) will Menschen mit Handicaps im Stadtrat vertreten.
Als er den Kandidatenaufruf „seiner“ SPD Cloppenburg zur Kommunalwahl 2021 im Herbst letzten Jahres gesehen hatte, zögerte Ali Molas nicht lang und reichte dem örtlichen Parteivorstand umgehend seine eigene Bewerbung ein. „Für mich stand sofort fest, dass ich dabei sein will“, erzählt der 29-jährige Rollstuhlfahrer rückblickend. Der in Cloppenburg geborene Ali Molas ist bereits seit 2013 Mitglied der SPD und will in diesem Jahr erstmals für den Cloppenburger Stadtrat kandidieren. Dass Molas aufgrund seiner körperlichen Behinderung auf den Rollstuhl angewiesen ist, sei für ihn dabei kein Hinderungsgrund, sondern zusätzliche Motivation.
„Ich bin die Stimme von denen, die sonst nicht so gehört werden. Meine Person ist hierbei unbedeutend, wichtig ist nur die Community, für die mich politisch stark machen möchte“, erklärt Molas uneigennützig. „Wenn der Stadtrat ein Spiegelbild der Gesellschaft sein soll, dann müssen auch Menschen mit Handicaps in den Rat einziehen. Inklusion ist meine Mission.“
Ali Molas, der sich selbst als „leidenschaftlicher Basketballfan“ bezeichnet, hatte schon immer ein gesteigertes Interesse daran, sich für seine Mitmenschen stark zu machen. Viele Jahre hat er sich daher bereits in der Interessenvertretung für die Beschäftigten der Caritas Behindertenwerkstatt engagiert. „Jetzt möchte ich mich auch außerhalb des Betriebes für Verbesserungen stark machen. Man kann sich nicht über die ‚große Politik‘ beklagen, wenn man selbst nichts macht. Echte Inklusion gelingt nur durch gemeinschaftliches Engagement.“ Als Beispiel nennt Molas „barrierefreie Straßenschilder“, denn Menschen mit Sehbehinderungen hätten oft Schwierigkeiten, den Straßennamen richtig zu lesen. „Andere Kommunen haben bereits positive Erfahrungen gemacht mit ergänzenden Straßenschildern auf Augenhöhe, die mit der üblichen Schwarzschrift als auch mit Blindenschrift versehen sind.“ Molas beklagt aber auch fehlende Behindertentoiletten in der Innenstadt. „An Sonn- und Feiertagen, aber auch in Zeiten des Lockdowns wird deutlich, dass es keine durchgehend zugängliche Behindertentoilette in der Fußgängerzone gibt. Das hindert Menschen mit Behinderungen, längerfristig in der Innenstadt zu verweilen.“ Sofern er am 12. September in den Stadtrat gewählt würde, wolle er solchen Themen Beachtung schenken.
Wenn man Molas übrigens fragt, wer sein „Lieblingspolitiker“ sei, nennt er sofort Frank-Walter Steinmeier. „Unser Bundespräsident ist einfach ein cooler Typ. Er war mit seiner ruhigen und konsequenten Art schon immer eine Inspiration für mich“, betont Molas. Er selbst wolle aber politisch keinesfalls so hoch hinaus. Die Kandidatur für den Stadtrat sei aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen bereits eine „große Herausforderung“. „Ich will sowieso nicht weg aus Cloppenburg. Ich will hier etwas bewegen. Denn im Kleinen verändert man die Welt“, so Molas abschließend.