12/05/2026
Gedenken statt Siegeswahn: 8. und 9. Mai in Düsseldorf, Köln und Berlin
Der 8. und 9. Mai liegen hinter uns. Für uns waren das keine Tage militärischer Hysterie, sondern Tage des Gedenkens an Millionen Tote: an Soldaten, Zivilisten, an Menschen, deren Leben durch Krieg, Diktaturen und totalitäre Regime zerstört wurden.
Am 8. Mai legten Mitglieder von Freies Russland NRW Blumen auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof Am Gallberg in Düsseldorf-Ludenberg nieder. Dort ruhen anderthalbtausend Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs fern ihrer Heimat ums Leben kamen. Am selben Tag fand auch in Köln auf dem Westfriedhof, an den Gräbern sowjetischer Kriegsgefangener, eine Blumenniederlegung statt.
Am 9. Mai setzte ein Teil unserer Aktivisten diese Linie in Köln fort. Zunächst nahmen wir an der Protestaktion von Omas Gegen Rechts Köln und Köln gegen Rechts teil, gemeinsam mit freien Belarussen sowie Vertretern der ukrainischen Diaspora. Wir stellten uns gegen die imperiale und militaristische Vereinnahmung dieses Datums. Für uns war es wichtig, erneut deutlich zu machen: Freie Russen haben nichts mit Putins Kriegskult, seiner Aggression und dem sogenannten „Siegesrausch“ zu tun.
Anschließend beteiligten wir uns an der Blumenniederlegung am Mahnmal für die ermordeten Häftlinge des Arbeitslagers im Gremberger Wäldchen, organisiert von der Arbeitsgruppe Bodendenkmal. Dort fand auch eine Führung über das Gelände statt. Sie erinnerte noch einmal daran, dass solche Orte keine Lieder über „Birkenbäumchen“ bei Wodka brauchen, sondern Faktenwissen, ein Verständnis historischer Zusammenhänge und ein Gefühl für historische Verantwortung.
Ein anderer Teil unserer Aktivisten war an diesem Tag in Berlin, im Treptower Park. Dort unterstützten wir die Organisatoren der zweitägigen Aktion Gedenken gegen den Krieg, unsere Kolleg:innen von Demokrati-JA! gemeinsam mit Memorial Deutschland. Die Aktion fand praktisch im Epizentrum des „Siegeswahns“ in der deutschen Hauptstadt statt, am sowjetischen Ehrenmal, wo Tausende Soldaten begraben sind, die beim Sturm auf Berlin gefallen sind. Gerade dort ist es heute besonders wichtig, nicht nur über die Vergangenheit zu sprechen, sondern auch darüber, wie die Erinnerung an den Krieg in ein Werkzeug neuer Aggression verwandelt wurde.
In Berlin gingen unsere Aktivisten mit Plakaten und unterstützten diejenigen, die diesem Ort wieder den Sinn von Trauer und Verantwortung zurückgeben wollen, statt ihn einem Kult der Stärke zu überlassen. Neben weiteren Rednern aus Politik und Zivilgesellschaft hielt Yuri Nikitin, Vorstandsvorsitzender von Freies Russland NRW, eine Rede über seine persönliche Wahrnehmung dieses Datums, über seine Eindrücke aus Berlin in diesem Jahr und über die gemeinsame Aktion vor fünf Jahren.
In diesen Tagen haben wir erneut gesehen, wie wichtig es ist, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs nicht den von imperialer Propaganda verblendeten Randfiguren zu überlassen, die auf deutschem Boden in einer virtuellen Sowjetunion leben. Das russische Regime hat den 9. Mai erfolgreich in ein Instrument neuer Aggression verwandelt: Aus Trauer wurde ein Kult der Stärke, aus der Erinnerung an die Opfer eine Rechtfertigung für einen neuen Krieg.
Gut ist immerhin, dass in Berlin, anders als in Köln, seit dem vergangenen Jahr die meisten Symbole des russischen Chauvinismus des 21. Jahrhunderts offiziell verboten sind: russische Trikoloren, Sankt-Georgs-Bänder, sowjetische Fahnen und Stalin-Porträts. Menschen selbst kann man aber nicht verbieten. Damit wird man leben müssen, so wie Deutschland über viele Jahre hinweg auch mit den Verehrern seines Führers leben musste, die bis in die 1980er-Jahre hinein an besonderen Tagen ihre nazistischen Zusammenkünfte veranstalteten.
Wir gedenken der Opfer des Zweiten Weltkriegs und verstehen seine Ursachen. Wir erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, des Holocaust, stalinistischer Verbrechen, von Deportationen, Hunger, Gefangenschaft und Gewalt. Genau deshalb können wir nicht schweigen, wenn heute im Namen dieser Erinnerung wieder Krieg gerechtfertigt wird.
Wir werden weiter beharrlich darauf bestehen, dass der 8. und 9. Mai keine Demonstration der Stärke und kein kriegerischer Karneval sind, sondern Verantwortung gegenüber den Toten und den Lebenden.
Danke an alle, denen das nicht egal ist und die am 8. und 9. Mai in Düsseldorf, Köln und Berlin mit uns waren.
Gedenken heißt: Nie wieder. Nicht: „Wir können es wiederholen.“
Cityofhope cologne e.V. Klare Kante e.V.