Hauptfriedhof Dortmund

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[HEISSE TAGE AUF DEM HAUPTFRIEDHOF]  Die KI sagt, aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung bei wolkenlosem Himmel wurd...
24/06/2026

[HEISSE TAGE AUF DEM HAUPTFRIEDHOF] Die KI sagt, aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung bei wolkenlosem Himmel wurden in Dortmund am Nachmittag des 24.06.2026 fast überall Höchsttemperaturen von 34 °C bis 35 °C gemessen.

Wie erfrischend ist der Aufenthalt auf dem Hauptfriedhof? Nun, in großen Parks mit viele Bäumen (7000 auf dem Huptfriedhof) ist es an heißen Tagen deutlich kühler und die Luftqualität spürbar besser. Durch den Schattenwurf der Baumkronen und die Verdunstungskälte ist die Luft in großen Parks immer etwas kühler als in dicht bebauten, asphaltierten Innenstädten. Im Gegensatz zu heißen, trockenen Straßen oder Gehwegen geben Parks durch die Pflanzenwelt Feuchtigkeit an die Umgebung ab. Das macht die Hitze für den menschlichen Körper deutlich erträglicher.

An verschiedenen Stellen des Areals gemessen und tief Luft geholt war hier zweifelsfrei angenehmer als in der City. Die Temperatur hingegen war faktisch gemessen kaum geringer, gefühlt aber deutlich. Schön vor allem, das der Begegnungsort mit Schaukeln und Spielgeräten für Kinder und Erwachsene von sehr hohen Bäumen umgeben ist.

Messung und Gefühl zu dieser Bildstrecke sind natürlich nicht repräsentativ und nicht wissenschaftlich ;-) sondern einfach nur mal so...

[HAUPTFRIEDHOF DORTMUND - LANDSCHAFTSTREPPEN] Wandert man heute über den Hauptfriedhof und begibt sich abseits der große...
04/06/2026

[HAUPTFRIEDHOF DORTMUND - LANDSCHAFTSTREPPEN] Wandert man heute über den Hauptfriedhof und begibt sich abseits der großen Wege und wagt sich auf die terassierten Bereiche im bewegten Relief des Geländes, hat das oft schon eine LostPlace Anmutung.

Das heutige Bild des Hauptfriedhofs entspricht vom Konzept her weitgehend noch dem Ausführungsentwurf aus der Panungs- und Bauzeit, wobei das bewegte Relief des Geländes gekonnt in die gärtnerische Gestaltung einbezogen wurde. Als landschaftsarchitektonische Elemente sorgen, oder sorgten, die Treppen und Treppchen für den sicheren Zugang zu den Grabfeldern. Nicht wenige sind inzwischen moosbewachsen, führen in dichtes Gestrüpp und wirken wie verwitterte Skulpturen. Die Felder zu denen sie führen sind kaum mehr belegt und macherorts findet man mehr teils überwachsene, umgekippte und vergessen anmutenden Grabsteine als solche, die ab und an noch Besuch bekommen. Das hat morbiden Charme und lädt zu spannenden Fotos ein, auch wenn der dieser Friedhof überwiegend nicht der Ort der monumentalen Grabmäler der Begüterten war. Hier war man zurückhaltender, sparsamer - die Gründe liegen in der Historie.

Kaum jemand der sich nicht intensiv mit dem Gelände beschäftigt hat, findet sich sofort zurecht. Viele Wege folgen dem historischen Terrain, denn das Gelände wurde entgegen vielfacher Meinung nicht "modelliert". Dazu die angefügte Grafik um die Höhen zu verdeutlichen, denn vom tiefsten Punkt am Eingang in Brackel bis zum höchsten an der B1 beträgt der Höhenunterschied 35 Meter - etwa de Höhe eines 10-stöckigen Bürogebäudes.

Das Werk Wege * Wanderungen * Wissenswertes zum Hauptfriedhof zeigt die Steigungen durch Pfeile >>> und in ihr findet man auch die vielen Treppen und Treppchen IIIIII die gerne mal Fotomotiv sein können oder auch mal Sitzgelegenheit an Orten, an denen friedhofstypisch nichts mehr los ist und man in fast verwunschener Stimmung darüber sinnieren kann wie das wohl war, als all diese Grabfelder mal voll belegt waren und viele Besucher hier auf- und ab liefen.

[PLATANE HAUPTFRIEDHOF DORTMUND - E7°32.1248' / N51°30.6351'] Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt. ...
29/05/2026

[PLATANE HAUPTFRIEDHOF DORTMUND - E7°32.1248' / N51°30.6351'] Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt. Diese Aussage vom Dichter, Philosophen und Maler Khalil Gibran passt wohl so gut wie kein anderer auf die Platene vor der großen Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof in Dortmund.

Die Äste der extrem markanten Erscheinung dieser ahornblättrigen Platane reichen bis auf den Boden. Ihre Art toleriert durch Abgase verschmutzte Luft, reinigt diese und gilt als unempfindlich gegenüber verdichteten Böden. All dies beweist dieser Baum auch an dieser Stelle. Setzen wir uns also, atmen tief und schauen von der runden um den Stamm gebauten Bank in das Dach der weit über 30 Meter ausladende Baumkrone. Die Stützen und Seile in der Krone dienen der Verkehrssicherheit und dem Baumschutz. Die Krone und die schweren Äste sind so ausladend, das die Konstruktion verhindert das Teile des Baumes unter ihrem eigenen Gewicht abbrechen. Die Sicherungen aus Stahlseilen und Bändern sorgen auch dafür, dass die Ruhebank gefahrlos genutzt werden kann. Als Naturdenkmal wird der Baum auf diese Weise besonders geschützt und erhalten.

Das Alter dieser Platane wird jedoch oft verklärt wiedergegeben. Manche sagen, das die Platane schon drei Jahrunderte gesehen hat. Andere sprechen ihr das Alter von knapp 200 Jahren zu. Wikipedia nennt das Pflanzjahr 1832 und einen Link als Quelle, der aber im Web-Nirvana landet.

Faktisch gibt es Bilder die belegen, das zur Bauzeit der Friedhofsgebäude 1922/1923 an dieser Stelle kein Baum stand. Erst in der 1924 von Stadtbaudirektor Hans Strobel herausgegebenen Denkschrift findet sich ein Bild, in dem hier ein herauslesbar um die 20 Jahre alter Baum steht.

Aber wie kommt man zum Beispiel auf knapp 200 Jahre? Die Zahl beruht vermutlich auf Rückrechnungen aus dem Stammumfang, ergibt aber nur zweifelsfreie Werte für den nachgewiesenen Fall der Einstämmigkeit. Platanen neigen aber gerne dazu, wenn die Zweistämmigkeit nicht baumpflegerisch korrigiert wird, das ihre zwei Stämme zusammewachsen. Dann klapps nicht mehr mit der Rückrechnung aus dem Umfang. Eine wissenschaftliche Betrachtung dazu wurde für diesen Baum nie gefertigt.

Da die fotografischen Indizien eindeutig sind, wird dieser Baum in Bezug auf sein biologisches Alter um die 120 Jahre alt sein. Das Pflanzjahr an seinem heutigen Standort war definitiv 1923. Und wäre die Platane um die 200 Jahre alt, dann wäre sie zur Pflanzung an dieser Stelle bereits 90 Jahre alt gewesen. Man bedenke wie groß sie dann schon gewesen wäre. Und wie wäre sie dann vor die Trauerhalle gekommen? Dokumente über die Herkunft und Aufzuchtsort sowie Liefer- und Pflanzdatum sind bis dato nicht erkundbar.

Fotografien gibt es aus den frühen Jahren als die Platane dann dort stand wo sie jetzt steht... und dann war sie irgendwie nie mehr ein Motiv das man heute noch findet. Zum beeindruckenden Fotomotiv wurde der Baum dann wohl erst ab der Jahrtausendwende. Und da war er schon riesig. Wer also noch irgendwo was findet aus der Zeit der 1950er bis 1990er möge der Platane ihr Bildnis oder Quellen dazu senden an: [email protected] ... Danke!

Aber egal wie alt, die imposante Erscheinung lohnt einen Besuch. Und auf dem Hauptfriedhof findet man noch mehr Naturdenkmale, Denkmale und auch das eine oder andere Denk-Mal. Den Weg zu alledem auf dem riesigen Gelände zeigt das Werk HAUPTFRIEDHOF DORTMUND - Wege * Wanderungen * Wissenswertes. Gibts überall wo es Bücher gibt.

[HOTELIER THEUNISSEN] Hubert Theunissen und sein Geschäftspartner Michel Klein, die zuvor das Bahnhofshotel in Gelsenkir...
26/05/2026

[HOTELIER THEUNISSEN] Hubert Theunissen und sein Geschäftspartner Michel Klein, die zuvor das Bahnhofshotel in Gelsenkirchen bewirtschafteten, erwarben 1913 das Hotel Lindenhof von seinem Erbauer Heinrich Bömcke. Kaum Besitzer des Objekts, wurden beide eingezogen zum Militärdienst und die Verwaltung des Hotels lag jahrelang in Händen des Personals. 1920 zurück aus dem WKI heiratete Hubert Theunissen. Er verstarb 1941 mit 63 Jahren und an seiner Stelle übernahm seine Frau Else die Geschäftsleitung und führte den Betrieb durch die schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahre des WKII.

[DIE GRABSTÄTTE] Ein schlichter rötlicher Stein mit gut lesbaren Inschriften und nur wenigen Namen. Vielleicht gab es mal Kissensteine zu den anderen Personen. Markant sind auf der Deckplatte vorhandene Vertiefungen die einst als Halterungen für einen Aufsatz gedient haben könnten. Belegt wurde die Grabstätte zuerst 1922 und zuletzt 1970. Insgesamt fanden hier 10 Personen ihre letzte Ruhe, darunter auch die Gattin und die Schwiegermutter des Architekten Heinrich Strunck, Freunde der Familie Theunissen. Heinrich Strunck selbst, einer der Architekten des Hauptfriedhofs, verstarb Ende 1945 in einer Klinik in Körbecke im Sauerland und wurde dort bestattet.

[DAS HOTEL LINDENHOF] Vor dem Hotel siedelte hier seit ca.1870 die Privatbrauerei Heinrich Bömcke; ihr gehörten mehrere Fachwerkhäuser. 1889 fusionierte man mit anderen Brauereien, woraus 1905 nach Umbenennung die Dortmunder Ritterbrauerei AG entstand. Heinrich Bömcke, durch den Verkauf zu Kapital gekommen, plante alsdann seine Besitzungen durch einen chicken zeitgemäßen Neubau zu ersetzen, dem Hotel „Lindenhof“. Das Hotel wurde 1894/95 errichtet, hatte 120 Zimmer, mehreren Hallen, eine Weinstube, ein Bierrestaurant, Sitzungs- und Ausstellungszimmer sowie Festsääle. Der Lindenhof wurde von Anbeginn konzipiert als Haus für gehobene Ansprüche und warb damit, das das ganze Haus über ein Zentralheizungssystem verfügt. Das Objekt am nördlichen Ende der Brückstraße/Ecke Burgwall war zu der Zeit das größte und modernste Hotel Westfalens. Die Gebäude hatten zu Kriegsende zwar deutliche Schäden, konnte den Betrieb aber noch einige Zeit aufrecht erhalten. Im Rahmen des Ausbaus des Walls zu einem mehrspurigen Stadtring wurde das Hotel abgerissen und eine neue Straßenflucht gezogen.

[RICHARD NOSE - GARTEN- UND FRIEDHOFSDIREKTOR DORTMUND]  Geboren am 16.04.1881 in Rathenow a.d.Havel besuchte er nach de...
10/05/2026

[RICHARD NOSE - GARTEN- UND FRIEDHOFSDIREKTOR DORTMUND] Geboren am 16.04.1881 in Rathenow a.d.Havel besuchte er nach der Schul- und dreijähriger Lehrzei die königliche Lehranstalt in Wildpark bei Potsdam und legte 1907 in Berlin-Dahlem sein Examen als königlich preußischer Obergärtner im Fach Gartenkunst ab. Als berufliche Stationen folgten erst Magdeburg und ab 1910 Krefeld. Kurz vor seinem Wechsel in den Dienst der Stadt Dortmund im Jahr 1920 heiratet er seine aus Witten stammende Frau Elfriede. Die ersten Jahre wohnten sie in Witten und bezogen 1924 ein Haus der Dortmunder Siedlungsgesellschaft im Apfelbaumweg amTorplatz in DO-Wambel.

Eine Art Fügung war sein Zusammentreffen mit Stadtbaurat Hans Strobel, denn sie teilten die gleichen Visionen für eine Grüne Industriestadt. Nose war ein großer Baumfreund und hervorragender Dendrologe. Ihre gemeinsamen Projekte waren der Hauptfriedhof mit dem ersten Krematorium in dieser Region, der Volkspark, das Stadion Rote Erde, das Schwimmstadion mit dem parkartigen Licht- und Luftbad (heute BVB Parkplatz) und mehrere Dauer-Kleingartenanlagen. Im Mai 1924 stieg Nose auf in den Rang des "Garten- und Friedhofsdirektors" auf. Als die Stadt Dortmund 1926 das Anwesen des Schlosses der Familie von Romberg mit Schlosspark und Landwirtschaft kaufte, gestaltete Nose den Schloßpark bis 1938 in mehreren Schitten um. In seine Dienstzeit fiel zudem 1926/27 auch die Verlegung des alten Botanischen Schulgartens aus der Beuerhausstraße in den Romberg´schen Schlosspark. Ab 1930 plante er maßgeblich das Arboretum.

1838 wurde Nose mit 57 Jahren durch die NSDAP des Amtes enthoben. Er zog daraufhin mit Frau und Tochter nach Witten a.d.Ruhr zu seinen Schwiegereltern und lebte fortan als Privatier. Ein Schisalsschlag war 1941 der Tod der erst 21-jährigen Tochter im Jahr des Abschlußes der Ausbildung zur Krankenpflegerin auf dem Weg zur Medizinerin.

Der Zweite Weltkrieg zerstörte auch massiv die Dortmunder Grünanlagen. Die englische Militärregierung wurde auf Nose aufmerksam gemacht und setzte ihn wieder als Gartdendirektor der Stadt Dortmund ein. Zusammen mit Wilhelm Hansmann, Oberstadtdirektor in Dortmund von 1946 bis 1954, begann er mit dem gärtnerischen Aufbau und der Entwicklung der grünen Gartenstadt. Nose holte Gerd Krüssmann aus Viersen nach Dortmund und verfasste, inzwischen wieder in Ruhestand, einen Bericht zur Entwicklung der Dortmunder Friedhöfe. Richard Nose wird 1962 das Bundesverdienstkreuz I.Klasse verliehen; er verstarb am 14.12.1965 in Witten. Die Grabstelle von Richard Nose und den Seinen auf dem Dortmunder Hauptfriedhof liegt neben der von Stadtbaurat Strobel, außen am Turmbau am Ende des Arkadengangs. Seine Grabstätte hat heute den Status eines Ehrengrabs.

[HAUPTFRIEDHOF - MERKBLATT FÜR DIE HINTERBLIEBENEN DER VERSTORBENEN] Bei einem Sterbefall wissen die wenigsten was genau...
22/04/2026

[HAUPTFRIEDHOF - MERKBLATT FÜR DIE HINTERBLIEBENEN DER VERSTORBENEN] Bei einem Sterbefall wissen die wenigsten was genau wie wann wo zu tun ist, damals wie heute. Um so spannender ist es in dieses im Januar 1935 vom Dortmunder Garten- und Friedhofsamt herausgegebenen Merkblattes zu lesen.

Erst ab den 1900er Jahren wurden zunehmend ordnungsbehördliche Verordnungen über das Leichenwesen erlassen mit strengen hygienischen Vorschriften. Es galt den Übergang von kirchlich geprägten Traditionen hin zu professionellen Bestattungsunternehmen zu regeln, so auch den Transport der Leichen zu den neuen großen und meist weit vor der Stadt gelegenen Friedhöfen zu professionalisieren.

Die Pfedeställe und Kutschenunterstände die bei der Planung des Dortmunder Hauptfriedhofs an der Kreuzung Rennweg / Am Gottesacker vorgesehen waren, entfielen erstazlos zugunsten von Garagen und Batterieladeräumen im Kellergeschoß des Hauptgebäudes. Bereits 1924 wurden zwei leise Elektro-LKW beschafft. Dazu und zum Aufgabenbereich des amtlichen Begräbniskommnissars gab es ja vor kurzem schon mal Berichte auf der facebook-Seite HAUPTFRIEDHOF DORTMUND ( Verweis > http://www.facebook.com/profile.php?id=61561588354498 )

[HÜLLSTRUNGS KOFFERECKE - EIN GRABSTEIN - EINE TRAGISCHE GESCHICHTE] Ein friedlicher Familiengrabstein eben, denkt man e...
12/04/2026

[HÜLLSTRUNGS KOFFERECKE - EIN GRABSTEIN - EINE TRAGISCHE GESCHICHTE] Ein friedlicher Familiengrabstein eben, denkt man erst... 160cm x 220 cm inklusiv Sockel, vor hundert Jahren hier aufgestellt am Südweg des Hauptfriedhofs. Ein Stein von eher unscheinbarer Gestalt, im Sommer eingewachsen von grünen Sträuchern und überragt von dickem knorrigen Totholz, ein inzwischen tief verwitternder Stein aus Muschelkalk. Aber ein Stein, der ob seiner Inschriften irgendwie bewog die Geschichten seiner Menschen zu erkunden. Grabsteine berichten viel, wenn man lernt sie zu lesen und das Besondere zu erkennen. Der Giebel des Steins zeigt ein kleines Abbild einer Frau in Trauerhaltung, gekleidet in ein wallendes Gewand. Die Buchstaben und Zahlen sind in einigen Zeilen nur noch rudimentär erhalten und zeigen teils andere Namen der hier Ruhenden, als die zur Grabstelle zugehörigen alten Kateikarten der Friedhofsverwaltung.

Ernst und Franziska Hüllstrung, Kaufleute aus Remscheid, verheiratet seit Anfang der 1890er, ziehen erst nach Bochum und dann 1910 weiter. Sie wollen sich im Handel versuchen, in einem Ort auf rasantem Weg zur Großstadt - Dortmund. Am Westenhellweg gründen sie HÜLLSTRUNGS KOFFERECKE und bieten Lederwaren und Reiseartikel an. Das Geschäft mit 5 Schufenstern, damals ein herausragendes Merkmal, wird in kurzer Zeit zur Institution. Ihre Ehe jedoch scheitert; die Zeitungen sprechen seinerzeit von "peinlichen Auseinandersetzungen". 1915 scheidet Ernst aus dem Unternehmen aus und arbeitet fortan als reisender Handelsvertreter. Franziska macht weiter und es kommt ein zweites Geschäft hinzu. Dieses übergibt sie nach wenigen Jahren an Tochter Irmgard und den Schwiegersohn Gustav Weustenhagen, allerdings gehen auch die beiden alsbald getrennte Wege; Scheidung > ihr Geschäft wird aufgelöst.

Aus der Beziehung von Irmgard und Gustav gehen zwei Kinder hervor. Der Junge verstirbt 1923 mit nur 7 Monaten, das Mädchen mit Kosename IRMELEIN 1925 mit nur 6 Jahren. Ernst Hüllstrung der Opa kümmert sich, und richtet eine Familiengrabstätte ein. Beide Kinder bekommen auf dem Grabstein jedoch seinen Familiennamen und nicht ihren Geburtsnamen Weustenhagen.

Die privaten und geschäftlichen Schicksalsschläge hinterlassen Spuren, so das Franziska und Irmgard ihren gemeinsamen Freitod beschließen. Am Abend des 21.12.1927 stellen sie ein Sofa in die Küche der gemeinsamen Wohnung, verkleben Fenster und Türen, dichten das Schlüsselloch und die Abflüsse ab, kleiden sich in "reiner Nachtwäsche" - und fluten den Raum mit Leuchtgas. So berichtet es Tags drauf die Dortmunder Zeitung in der Abendausgabe. Ernst Hüllstrung verkraftete die "traurige Familiensituation" nicht; man spricht später von Schwermut die ihn wohl schon lange plagte. Seine Haushälterin findet ihn eines Tages tot in seiner Wohnung liegend. Er hat sich fünf Jahre nach dem Freitod von Frau und Tochter in der dunklen Jahreszeit Anfang Januar 1931 erschossen. Die drei Generationen der "zerrissenen" Familie Hüllstrung ruhen hier jedoch gemeinsam.

Die erfolgreiche Idee von HÜLLSTRUNGS KOFFERECKE jedoch lebte noch Jahhrzehnte unter diesem Namen weiter, zeitweise unter den jüdischen Besitzern Heinrich und Elfriede Weiß. 1935 berichtete eine Dortmunder Zeitung, das unter der Kundschaft auch solche "aus nationalsozialistischen Gliederungen und welche aus der Wehrmacht" seien. Man versuchte in dem Artikel aber noch die Entschuldigung zu finden, das der Name HÜLLSTRUNG des Geschäfts dies ja nicht erkennen ließe. 1939 erscheint eine Zeitungsanzeige mit dem Hinweis, das dieses Traditionsgeschäft nun wieder arisch geführt werde. In den Adressbüchern Dortmunds ist das Geschäft bis Ende der 1950er Jahre nachweisbar.
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[Gedenkveranstaltung auf dem Hauptfriedhof Dortmund]  Am Karfreitag den 3. April 2026 um10.30 Uhr fand auf dem Internati...
03/04/2026

[Gedenkveranstaltung auf dem Hauptfriedhof Dortmund] Am Karfreitag den 3. April 2026 um10.30 Uhr fand auf dem Internationalen Teil des Hauptfriedhofs in Brackel am Rennweg eine Gedenkveranstaltung satt. Auf diesem Teil des Hauptfriedhofs erinnern drei Ehrenmale an über 6.000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen aus ehemaligen Sowjetrepubliken, Polen und dem ehemaligen Jugoslawien, die in Dortmund durch unmenschliche Lebens- und Arbeitsbedingungen in den 1940er Jahren zu Tode kamen. Man hatte sie in Massengräbern auf diesem Friedhofsteil verscharrt.

Seit Jahrzehnten erinnert diese Veranstaltung an all diese Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Worte des gedenkens sprachen der Bezirksbürgermeister sowie Vertreter*innen des Förderverein Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee e.V.

Die Veranstaltung am Vormittag steht bewusst neben der großen offiziellen Gedenkfeier um 15 Uhr im Mahnmal Bittermark, die an die Gestapo-Massenexekutionen im Frühjahr 1945 erinnert. Gemeinsam spiegeln beide Termine die vielfältige Erinnerungskultur in Dortmund wider und setzen ein Zeichen gegen das Vergessen.

[DER BEGRÄBNISKOMMISSAR] Auf Feld 6 mit dem Rücken zum Eschenweg steht auf dem historischen Teil des Hauptfriedhofs ein ...
27/03/2026

[DER BEGRÄBNISKOMMISSAR] Auf Feld 6 mit dem Rücken zum Eschenweg steht auf dem historischen Teil des Hauptfriedhofs ein Grabstein aus stark verwittertem Muschelkalk im "Lost Place Style". Buchstaben und Zahlen sind nur noch abschnittsweise zu lesen und vom Relief nur noch die Blumen mit hängendem Kopf erkennbar. Es bedurfte etwas Mühe, die ganze Inschrift des Steins zu entschlüsseln, aber irgendwann war er da, der BEGRÄBNISKOMMISSAR. Und so gut wie niemand mehr kennt diese Amtsbezeichnung.

Hier ruhen MAX GRAPER *1859 +1924, seine Gattin Johanna *1861 +1941 und zwei ihrer vier Kinder; Helene *1887 +1963 (die Lehrerin wurde) und Johanna Graper jun., *1893 +1986. Ungewöhnlich, das beide Inschriften zu den Töchtern deren Geburtsnamen zeigen, aber auch erklärbar. Durch den Tod von über zwei Millionen deutschen Soldaten im I. Weltkrieg entstand ein historisches demografisches Ungleichgewicht. Vor allem in der Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen war das Geschlechterverhältnis W/M 1,5 : 1. Viele junge Frauen, die zu Kriegsbeginn in ihren Zwanzigern waren, blieben daher ledig. Die Geschwister Helene und Johanna wohnten dann auch zeitlebens in ihrem Elternhaus in der Gartenstadt. Für die zuletzt bestattete Johanna fand sich noch nicht mal mehr jemand, der die Inschrift zu ihrem Todesdatum auf dem Stein ergänzen ließ.

Max Graper war als Bürovorsteher des Garten- und Friedhofsdirektors RICHARD NOSE (Planer vieler Dortmunder Grünanlagen) im Rang eines Stadtoberinspektors beim Friedhofsamt der Stadt Dortmund DER BEGRÄBNISKOMMISSAR. Vergleicht man Grapers Aufgabenfeld einst und jetzt, so ist dies ein Aufgabenmix der heutezutage von den Ordnungsbehörden, den Friedhöfen Dortmund, dem Standesamt, den Bestattungsunternehmen und von Beschäftigten im Gesundheitswesen wahrgenommen wird. Max Graper ist einer der wenigen die von HANS STROBEL, dem ehemaligen Dortmunder Stadtbaudirektor, in dessen Denkschrift "Anlässlich der Einweihung der neuen Hauptfriedhofsgebäude im Mai 1924" namentlich genannt wird.

Zurück in die Vergangenheit: DER BEGRÄBNISKOMMISSAR hatte eine wichtige Rolle bei der Überwachung des Bestattungswesens. Zu den Hauptaufgaben gehörten die Überwachung der Einhaltung von Bestattungsvorschriften, also das alle gesetzlichen Regelungen und polizeilichen Vorschriften zur Beerdigung eingehalten wurden. Darunter fiel zeitweise auch die Feststellung des Todes, also den tatsächlichen Eintritt des Todes zu verifizieren, bevor eine Leiche beigesetzt werden durfte. Dies diente auch der Vorbeugung von verfrühten Bestattungen. Er protokollierte die Todesfälle und sorgte dafür, dass die ordnungsgemäße Registrierung erfolgte, überwachte die Einhaltung von Fristen für die Aufbahrung und Beerdigung, besonders bei ansteckenden Krankheiten. Weiterhin war es seine Aufgabe den Ablauf des Trauerzuges von der Wohnung zur Grabstätte zu regeln. Zu der Zeit der Begräbniskommissare war der Leichentransport noch eine rein städtische Aufgabe; Bestattungsunternehmen im heutige Sinne gab es noch nicht. Natürlich war der Begräbniskommissar in diesem Amt nicht alleine sondern stand mit der immer größer werdenden Stadt einem ganzen Team vor. Es handelte sich um eine hoheitliche Aufgabe zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung im Trauerfall. Anfangs hatte er sein Büro im Stadthaus an der Olpe; mit Einweihung der Friedhofsgebäude 1924 bezog man die neuen Büros Am Gottesacker 25.

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Quellen: Nachruf Dortmunder Zeitung - Morgen Ausgabe 12.08.1924 / Hinweise zu Text-Fundstellen: 1.) Chr. Berndt, Friedhöfe Dortmund. 2.) Betriebsleiter a.D. des Eigenbetriebs Friedhöfe Dortmund Ralf Dallmann / Fotos & Grafik: Rolf Drewes. Karte Hauptfriedhof Dortmund - Wanderungen - Wege - Wissenwertes, Verlag kartenwerk ISBN 9783926137579.

[GRABMAL LENTZE, HAUPTFRIEDHOF EINGANG RADWEG WEST] An diesem, dem jüngsten Zugang zum Hauptfriedhof, steht eine über 3m...
16/03/2026

[GRABMAL LENTZE, HAUPTFRIEDHOF EINGANG RADWEG WEST] An diesem, dem jüngsten Zugang zum Hauptfriedhof, steht eine über 3m hohe Stele mit der Inschrift "FAMILIE LENTZE". Die Stele ist das einzige Grabmal, das im Zuge des Ausbaus des Radweges über den historischen Friedhofsteil um ein paar Meter versetzt werden musste. Das Grabmal nennt keine einzelnen Namen und keine Daten, zeigt aber als Relief das Ensamble von drei Fachwerkhäusern, die der "Altdeutschen Bierstuben Haus Lentze" die sich ehemals an der Kuckelke 28-32 befanden.

[DIE GASTWIRTSCHAFT ALS ZOLLSTELLE] Am Kuckelke-Tor der Stadtmauer entwicklete sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Bebauung mit Fachwerkhäusern. Johann Caspar Cristian WENCKER (*1794 +1857) etablierte hier eine Schankwirtschaft mit Brauerei. Er verkaufte sein Anwesen 1824 an die Familie BENNEKÄMPER, die ganz in der Nähe auch eine Landwirtschaft betrieb. Das Kuckelketor selbst galt schon seit 1742 als baufällig und als nicht mehr geeignet als Kontrollposten. Die Bennekämpers erhielten ihre Konzession zur Gastronomie daher nur mit der Verpflichtung, eine Zollstelle zu betreiben und Steuern zu erheben auf bestimmte Waren, die in die Stadt kamen. Das mittlere Haus erhielt dazu den volksmundlich "Lugaus" benannten Vorbau zur Beobachtung des eingehenden Verkehrs durch den Zolleintreiber. Für die Bennekämpers zahlte sich die Zollstelle aus, denn auf dem Weg zum Markt staute sich der "Verkehr" und ließ damit auch die Zahl der einkehrenden Gäste ansteigen.

[ÄRA LENTZE I] Hermann Lentze I. kam mit seinen Eltern aus Warstein nach Dortmund. Nach der Schulzeit wurde er Schlosser, diente drei Jahre in einem Garderegiment und arbeitete danach bei Hoesch. Nach der Heirat von Hermann I. mit Auguste Bennekämper im Jahre 1880 übernahm das Paar immer mehr Aufgaben in der Wirtschaft. 1887 ging das Eigentum an dem Anwesen auf die beiden über, aber an der Ausrichtung des Betriebes änderten sie nichts. Überliefert ist, das Auguste begnadete Köchin war und für bestimmte Gerichte weithin bekannt, vor allem für ihre Sülze. Auguste verstarb 1912, Hermann I. 1939. Zu ihm berichteten die zeitungen, das er begnadeter Erzähler von Geschcihten run um das Leben an der Kuckelke war. Die beiden haben ihre Grabstätte zusammen mit weiteren Angehörigen auf dem Dortmunder Ostfriedhof auf Feld 13. Stand 2026 bestehen Grab und Grabstein noch.

[ÄRA LENTZE II] Etwa 200 Jahre sind die Häuser schon alt als das junge Ehepaar Hermann II. und Anna die Wirtschaft übernehmen. Man plant einen Um- und Ausbau und unterzeichnet dazu 1920 bei der Stadt einen Vertrag um die Genehmigung zum Umbau und Anbau zu erhalten. Der Vertrag sah aber auch vor, das die Häuser 1935 abreißen seien um eine neue Straßenflucht zu schaffen. Gleichsam versicherte die Stadt, so schreibt es die Presse, das dies "nur proforma in dem Vertrag stehen würde" und "man nie auf die Erfüllung bestehen würde". Lentzes unterschreiben und beginnen mit behutsamer Sanierung und Ausbau unter Leitung der Dortmunder Architekten Schulze & Schulze, die schon zu dieser Zeit einen großen Namen hatten. Ein Schicksalschlag kommt 1925 als der zwei Jahre alte Sohn Otto nach Krankheit stirbt. Er wird als erstes Mitglied der Familie Hermann I. auf dem Hauptfriedhof bestattet. In der Westfälischen Allgemeinen Volkszeitung Januar 1927 findet man einen Artikel in dem die sanierten und gut gepflegten drei Häuser hervorgehoben werden. Sogar die Führung der Stadt Dortmund, Bürgermeister Eichhoff und Stadtbaumeister Strobel haben den Wirtsleuten ihre Anerkennung für die Erhaltung der Häuser ausgesprochen.

[ZEITENWENDE] Die 1930er; die Lentzes erwarben über die Jahrzente sogar einige weitere Nachbarhäuser. Dann bekommen die Lentzes ein Schreiben und die Wogen schlagen auch in der Presse hoch. Die Stadt Dortmund fordert den Abriss ein. Der Oberbürgermeister spricht von einer möglichen Vertragsverlängerung bis 1940, aber dann müsse der Abriss erfolgen. Ganz anders hat zuvor noch die Fachwelt reagiert. Lentzes Erhalt der Häuser mit ihrem charakteristischen altwestfälischem Stil wurde als kulturhistorisch bedeutsam beschrieben. Man sah darin eine kulturelle und historischen Sehenswürdigkeit Dortmunds. Lentze schafft es, den Landeskonservator einzuschalten und die Gebäude bleiben erst einmal stehen.

[NEUE PULSADERN DES VERKEHRS] Es ist eine Zeit in der die Weichen auf mehr Verkehr in der Stadt stehen und man vom sich änderndem Rhythmus der Heimatstadt und wieder von der Erfordernis neuer Straßenfluchten spricht. Die Westfälischen Nachrichten berichten im Januar 1943 zwar noch von der Dortmunder Kleinstadt-Idylle in der Kuckelke und das diese Fachwerk-Häuserzeile so auch in Nürnberg oder Rothenburg stehen könnte. Die Nachkriegszeit spricht aber eine andere Sprache. Drei der fünf Lentze Häuser sind kriegsbedingt "zerstört", die Gastronomie geschrumpft und ein paar Räume an eine Krankenversicherung vermietet. Das Adressbuch 1955 weist als Eigentümerin der Häsuer Anna Lentze aus. Hermann II. und III. (ihr Sohn) verstarben 1954 kurz nacheinander. In den 1960ern wurden die Häuser des gesamten Bereichs abgebrochen und das Areal neu bebaut. Anna Lentze erlebt den Umbruch des ganzen Viertels vom Fenster ihres Wohnzimmers aus im Haus in der benachbarten Stubengasse Nr 9. Sie verstirbt 1979, ein Vierteljahrhundert nach ihrem Mann und ihrem Sohn.

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