25/08/2026
PLASTIK "ZWISCHENMENSCHLICHE BEZIEHUNG" VON ERICH SAUER AM AUFGANG ZUR WILLY-BRANDT-ANLAGE
Erich Sauer hat an in der Stadt an exponieren Stellen einige Großplastiken hinterlassen - so auch die "Zwischenmenschliche Beziehung" am Zugang zur Willy-Brandt-Anlage am Rathaus.
Sie stammt aus dem Jahr 1999, eine Bronze-Tafel, die am Rand des kleinen Platzes eingelassen ist, erläutert den Hintergund. Sauer schenkte die Großplastik der Adolf-Metzner-Stiftung "zum Gedenken an die jüdischen Mitbrger", zum Gedenken an das Datum 9. November.
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten Synagogen und weitere jüdische Einrichtungen im gesamten "Deutschen Reich" - auch in Frankenthal. Menschen wurden getötet, gedemütigt, verhaftet, misshandelt und vergewaltigt, Geschäfte und Wohnungen demoliert und zerstört. Diesen Taten waren mehrere Gewaltausbrüche sowie eine Verschärfung der antisemitischen Politik im selben Jahr vorausgegangen.
Adolf Metzner, 1910 in Frankenthal geboren, war einer der erfolgreichsten Sportler seiner Heimatstadt, Arzt und Mäzen. Während seiner aktiven Zeit als Leichtathlet wurde er mehrere Male Deutscher Meister und Europameister und war zweimal Olympiateilnehmer. Nach seinem Tod wurde aus einem Großteil
seines Vermögens eine Stiftung eingerichtet, deren Erträge für kulturelle und soziale Projekte in Frankenthal verwendet werden sollten.
Sein Name geriet jedoch in die Schlagzeilen, als durch Nachfor-
schungen des Fördervereins für jüdisches Gedenken bekannt wurde, dass er während der NS-Zeit Mitglied der SS und der NSDAP war. Eine umfängliche Recherche des ehemaligen Leiters des Stadtarchivs, Gerhard Nestler, hat versucht, die Biografie des Sportlers und seine Nähe zum Nationalsozialismus aufzuarbeiten.
DER KÜNSTLER
Bevor Erich Sauer (geb. 17. Februar 1931 in Frankenthal, gestorben am 9. April 2026 ebenda) den Bronzeguss für sich entdeckte, hat er sein Handwerk von der Pike auf gelernt und zunächst als Holzbildhauer gearbeitet. Er war 33 Jahre alt, als er die ehemalige elterliche Schreinerei in Frankenthal zur Werkstatt mit Atelier ausbaute. Dort, im Nachtweidewag, sind mehr als 400 Unikate entstanden, wobei der Künstler stets selbst Hand an seine zum Teil bis zu drei Meter hohen Plastiken anlegte. Gerne auch vor Publikum. Die Gusstermine wurden stets zu einem kulturellen Ereignis.
Studiert hat Erich Sauer zuerst in Mannheim, dann in Salzburg, war Meisterschüler von Marcello Macherini und bekam ein Stipendium des österreichischen Staates. Lange Zeit unterrichtete er als Kunstlehrer am Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation in Frankenthal. Seit dem Jahr 2000 fungiert er als künstlerischer Leiter der Brandenburgischen Sommerakademie in Strausberg. 2010 wurde die Veranstaltung nach Oberbayern verlegt.