26/04/2026
Presseerklärung der
Wähler*innengemeinschaft Göttingen
Die Wählerinnengemeinschaft Göttingen solidarisiert sich ausdrücklich mit den streikenden Kolleg*innen der GöVB und unterstützt ihren Arbeitskampf für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Streiks sind ein legitimes und notwendiges Mittel im Arbeitskampf und ein unverzichtbares Instrument, um kollektive Interessen gegenüber wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnissen durchzusetzen.
„Wer sich über einen Streik ärgert, sollte sich fragen, warum Beschäftigte überhaupt zu diesem Mittel greifen müssen. Schlechte Arbeitsbedingungen entstehen nicht zufällig, sondern politisch. Genau dort muss angesetzt werden“, erklärt Fraktionsvorsitzender Jost Leßmann.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Situation aus Sicht der Wählerinnengemeinschaft, wie zentral ein funktionierender ÖPNV für Göttingen ist. Schülerinnen, Beschäftigte, Studierende, ältere Menschen und Menschen ohne eigenes Auto sind tagtäglich auf Busverbindungen angewiesen. Dass die Einschränkungen für viele Menschen erhebliche Belastungen bedeuten, ist offensichtlich. Für viele Göttinger*innen sind ausgefallene oder eingeschränkte Busverbindungen keine bloße Unannehmlichkeit, sondern ein unmittelbarer Eingriff in den Alltag. Wege zur Arbeit, zur Schule, zur Universität, zu Arztterminen oder zur Betreuung von Angehörigen werden erschwert oder unmöglich gemacht. Besonders betroffen sind Menschen ohne eigenes Auto, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung sowie all jene, die auf einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr existenziell angewiesen sind. Gerade darin wird aber auch sichtbar, welche gesellschaftliche Bedeutung die Arbeit der Beschäftigten bei der GöVB hat und welchen Stellenwert Mobilität für soziale Teilhabe besitzt.
„Gerade die Probleme, die jetzt sichtbar werden, zeigen doch nicht, dass beim Nahverkehr gespart werden muss, sondern wie dringend er gestärkt werden muss“, betont Torsten Wucherpfennig. „Ein funktionierender ÖPNV ist soziale Infrastruktur und gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge.“
Für die Wähler*innengemeinschaft liegt die Ursache der aktuellen Lage nicht bei den streikenden Beschäftigten, sondern in jahrelanger Unterfinanzierung und unzureichender Personalpolitik. Ein funktionierender Nahverkehr dürfe nicht von Sparlogiken abhängig sein. Vielmehr brauche es bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne bei der GöVB, eine langfristig auskömmliche Finanzierung des Nahverkehrs, den Ausbau des Angebots statt Kürzungen und perspektivisch einen ticketfreien beziehungsweise kostenlosen ÖPNV.
Zugleich kritisiert die Wähler*innengemeinschaft die mangelhafte Informationslage rund um den laufenden Arbeitskampf und die Fahrplaneinschränkungen. Selbst über einfache Netzrecherche seien kaum aktuelle, verlässliche und niedrigschwellige Informationen zu finden.
„Es ist schwer nachvollziehbar, dass Bürger*innen sich Informationen teilweise mühsam zusammensuchen müssen. Mehr und bessere Informationen würden nicht nur für mehr Verständnis sorgen, sondern auch Solidarität mit den Streikenden stärken“, so Jost Leßmann.
Hier sieht die Wähler*innengemeinschaft sowohl die Gewerkschaft, vor allem aber die Stadt Göttingen und die GöVB in der Pflicht, transparent, aktuell und offensiv über Hintergründe, Auswirkungen und Perspektiven des Arbeitskampfes zu informieren.
Aus Sicht der Wähler*innengemeinschaft ist die aktuelle Situation auch ein politisches Signal: Es fehlt nicht an Ressourcen, sondern an politischen Prioritäten, diese entsprechend zu verteilen. Das Stadtparlament hat sehr wohl die Möglichkeit, der Tochtergesellschaft mehr Mittel zur Verfügung zu stellen und damit sowohl Arbeitsbedingungen als auch Angebot nachhaltig zu stärken. Genau dafür setzt sich die Fraktion ein. Zugleich zeigt sich im Rat, dass andere Parteien bislang nicht bereit sind, diese Prioritäten zu setzen und die nötigen finanziellen Konsequenzen zu ziehen.
Gerade im Wahlkampf wird damit sichtbar, wer bereit ist, einen starken öffentlichen Nahverkehr tatsächlich politisch zu unterstützen und wer bei wohlklingenden Bekenntnissen stehen bleibt.
„Wir leben in einer reichen Gesellschaft. Die Frage ist nicht, ob Geld für einen starken Nahverkehr da ist, sondern wofür politische Mehrheiten es einsetzen wollen“, erklärt Jost Leßmann.
Für die Wähler*innengemeinschaft zeigt der Arbeitskampf gerade vor allem eines: Ein starker öffentlicher Nahverkehr ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern Grundvoraussetzung für eine
soziale, gerechte und ökologische Stadt.