05/09/2026
Zehn Gramm Brot haben in dieser Woche weit über das bayerische Pfaffenhofen hinaus für Aufregung gesorgt. Ein Kunde hatte in einer Bäckerei ein halbes Brot gekauft und zu Hause festgestellt, dass seine Hälfte zehn Gramm weniger wog als erwartet. Er beschwerte sich daraufhin über die Abweichung; kurze Zeit später wurde die Bäckerei vom Eichamt kontrolliert. Für den Bäcker hatte das Folgen: Er musste mehrere eichfähige Waagen anschaffen – Kosten laut SWR3: rund 15.000 Euro. SWR3-Redakteurin Anja von Hübbenet griff den Fall daraufhin in ihrem „Posting der Woche“ auf und richtete sich an den unbekannten Kunden.
„Lieber Herr Maier,
weil Ihr Name nicht bekannt ist, musste ich mir einen ausdenken.
Seit etwa 60 Jahren gibts die Bäckerei in Pfaffenhofen. Ein Familienbetrieb mit sechs Filialen, der sich bis jetzt gehalten hat. Der es geschafft hat, gegen Großbäckereien und Discounter und deren Dumpingpreise zu bestehen.
Wer hier kauft, tut das sehr bewusst. Die Kunden mögen das Persönliche und sie mögen es, dass alles in der eigenen Backstube in Handarbeit hergestellt wird.
Natürlich wird der Teig beim Backen abgewogen, aber wenn vorne im Laden beim Teilen eines Laibes eine Brothälfte ein Mü schwerer oder leichter ist als die andere: geschenkt.
Tja. So WAR das.
Bis zu dem Tag, an dem Sie die Bäckerei betraten.
Als Sie beklagt haben, dass Ihre Brothälfte aber 10 Gramm zu wenig habe, hat der Bäcker lapidar gesagt: ‚Ja mei, beim nächsten Mal sinds vielleicht 20 Gramm mehr.‘ Weil er gar nicht auf die Idee gekommen ist, dass Sie das tatsächlich ernst meinen könnten.
Ich mein, wir reden von 10 Gramm. Das ist nicht mal ein Esslöffel Mehl.
Wir beklagen uns doch ständig, dass immer mehr reglementiert wird. Über Absurditäten wie die ‚EU-Gurkenkrümmungsverordnung‘. Oder immer noch mehr Bürokratie im Alltag.
Und dann machen wir wegen 10 Gramm Brot ein Fass auf?
Herr Maier, wenn Sie maschinelle Perfektion wollen, dann kaufen Sie Ihr Brot künftig vielleicht doch besser im Discounter. Da hat garantiert kein Bäckermeister ’ne Chance, sich ein bisschen zu verschätzen, weil das Brot gar keinen Bäckermeister sieht.
Ihre Anja von Hübbenet“
Quelle: SWR3, „Posting der Woche“ von Anja von Hübbenet, 30. August 2026