18/07/2026
Die aktuellen Berichte über Jens Spahn veranlassen uns dazu, eine Einschätzung öffentlich auszusprechen, die wir bereits seit längerer Zeit vertreten. Für uns war Jens Spahn nie die richtige Besetzung für den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Dabei war das nicht immer unsere Sicht auf ihn. Gerade zu Beginn der Corona-Pandemie haben wir ihn als Gesundheitsminister als entschlossen und handlungsfähig wahrgenommen. In einer außergewöhnlichen Krisensituation hat er Verantwortung übernommen und zunächst einen guten Eindruck hinterlassen. Umso bedauerlicher finden wir die Entwicklung, die seine politische Laufbahn anschließend genommen hat.
Schon vor seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden galt Jens Spahn als Politiker, der polarisiert. Er wurde häufig als ehrgeizig und machtbewusst wahrgenommen. Das allein ist für uns noch kein Vorwurf. Politische Führung braucht Gestaltungswillen. Doch Führung bedeutet ebenso, Menschen zusammenzuführen, Vertrauen zu schaffen und durch persönliches Vorbild Orientierung zu geben.
Genau dieses Vertrauen ist bei uns in den vergangenen Monaten zunehmend verloren gegangen. Die anhaltenden Diskussionen um die Maskenbeschaffung, der holprige Start der neuen Bundesregierung mit der erst im zweiten Wahlgang erfolgreichen Kanzlerwahl, die Auseinandersetzungen um die Besetzung des Bundesverfassungsgerichts und zuletzt die öffentliche Debatte um die Leihmutterschaft ergeben für uns kein Bild einzelner unglücklicher Ereignisse. Vielmehr entsteht der Eindruck eines Politikstils, der immer wieder Zweifel an Urteilsvermögen, Führungsstärke und Glaubwürdigkeit aufkommen lässt.
Besonders problematisch finden wir dabei nicht einzelne persönliche Entscheidungen, sondern den Maßstab, den Politiker bei sich selbst anlegen müssen. Wer von den Menschen erwartet, politische Entscheidungen mitzutragen und Vertrauen in staatliches Handeln zu haben, muss sich selbst an diesen Maßstäben messen lassen. Glaubwürdigkeit entsteht nur, wenn politisches Handeln und persönliches Verhalten zusammenpassen.
Uns ärgert dabei der Schaden, der unserer Partei zugefügt wird. Wir weigern uns, die CDU auf einzelne Personen reduzieren zu lassen. Loyalität bedeutet, Schaden von der Partei abzuwenden.
Für uns verkörpert die CDU etwas Großartiges und Historisches. Sie ist die Partei Konrad Adenauers, der die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion erreichte. Sie ist die Partei Helmut Kohls, der die deutsche Wiedervereinigung vollendete. Dieses politische Erbe verpflichtet und genau deshalb dürfen und wollen wir Fehlentwicklungen in den eigenen Reihen nicht schweigend hinnehmen.