29/07/2026
"Den schwersten Gang hast Du geschafft. Jetzt kommen die Erinnerungen und das Lächeln zurück."
Diesen Kommentar habe ich kürzlich unter einem Beitrag gelesen, in dem die Verfasserin schrieb, dass an diesem Tag die Beerdigung ihrer Mutter stattgefunden hätte.
Als meine Mutter vor 9 Jahren starb, dachte ich ähnlich. Und so etwas hätte ich früher auch zu Trauernden gesagt. Weil ich dachte, dass es genauso sei. Für mich war das allerdings nicht so. Das Schlimmste kam, als ich rund ein Jahr danach wirklich begriffen hatte, was es bedeutete das meine Mutter nicht mehr lebte.
Die Verfasserin schrieb in dem Beitrag unter anderem, wie sehr sie es vermissen würde, dass ihre Mutter ihr zum Abschied zuwinkt.
Genau das ist es. Diese ganzen Kleinigkeiten. Der leere Stuhl am Tisch. Die ungenutzte Bettseite. Kein "Hallo", beim nach Hause kommen und kein "Tschüss" und winken beim weggehen. Kein gemeinsames Essen. Kein "Stell Dir vor, was heute passiert ist!"
Und in der ersten Zeit nach dem Tod des Herzensmenschen stehen Trauernde zum einen oft noch unter Schock und zum anderen beginnt ein Strudel an Erledigungen. Die Beerdigung muss geplant werden, Behördengänge, Familie und Freund*innen informiert... Wenn dann der Alltag wieder einkehrt, stellen Trauernde fest, dass es ein anderer Alltag ist bzw. dass erst einmal das Leben neu sortiert werden muss.
Die Sätze in diesem Kommentar sind bestimmt total lieb gemeint. Doch leider hat die Gesellschaft nach wie vor auch oft genau diesen Anspruch an Trauernde, das es nach der Beerdigung doch auch mal wieder gut sein muss mit dem trauern. Und doch nach vorne geschaut werden muss. Ihr kennt diese Sätze sicherlich.
Für mich ist es wichtig Trauernden das Gefühl zu geben, dass sie in ihrem eigenen Tempo gehen können. Einen Schritt nach dem anderen. Damit sie merken, was in diesem Danach-Leben trägt. Und was nicht.