03/07/2023
(English below)
Am 30.06. wurde Muhiddin Fidan nach 27 Jahren in Deutschland bei einer Verkehrskontrolle festgenommen und in Abschiebehaft gebracht. Seine Aufenthaltsgenehmigung wurde 2021 nicht verlängert, weswegen er nun in die Türkei abgeschoben werden soll. Muhiddin ist Vater von fünf Kindern, 4 bis 16 Jahre alt. Der Grund dafür, dass seine Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert wurde, ist sein Engagement für Demokratie und Freiheit im Gesellschaftszentrum Kurdistan Kassel. Die Ausländerbehörde Kassel wertet dieses Engagement als Terrorismus und folgt damit der Propaganda des türkischen Regimes. In der Türkei drohem Muhiddin als politisch aktiver Kurde im Falle der Abschiebung Haft und Folter.
Die Inhaftierung von Muhiddin bleibt nicht ohne Widerstand: Gestern kamen in Kassel mehrere hunderte Menschen mit der Familie Fidan zusammen, um gegen die drohende Abschiebung zu demonstrieren. Muhiddin selbst ist mittlerweile im unbefristeten Hungerstreik und fordert seine Entlassung und ein dauerhaftes Bleiberecht. Er weist außerdem darauf hin, dass seine Situation kein Einzelfall sei, sondern ein repräsentatives Beispiel für die Erfahrungen vieler Kurd*innen. Das Leben in ständiger Gefahr der Abschiebung beschreibt Kathleen Effinger, eine Unterstützerin der Familie, in der Presse so: „Es gibt keinen Tag, an dem die drohende Abschiebung nicht präsent im Leben der Familie ist. Seine Kinder müssen jeden Tag zur Schule gehen, ohne zu wissen, ob sie ihren Vater wiedersehen.“
Wir verurteilen die institutionelle Diskriminierung von Kurd_innen in Deutschland! Denn zum einen werden Asylanträge von Kurdinnen trotz der Gefahr in der Türkei oft abgelehnt und jedes Jahr zahlreihe Kurd*_innen in die Türkei abgeschoben! Und zum anderen werden kurdische Aktivist innen immer wieder kriminalisert und Opfer von staatlicher Repression.
Wir sind entsetzt von der drohenden Abschiebung und unterstützen Muhiddins Forderungen! Muhhidin muss bleiben- und zwar auf Dauer.
On June 30, Muhiddin Fidan was arrested during a traffic control after 27 years in Germany and taken into deportation custody. His residence permit was not extended in 2021, which is why he is now to be deported to Turkey. Muhiddin is the father of five children, 4 to 16 years old. The reason why his residence permit was not extended is his commitment to democracy and freedom in the Kurdistan Kassel Society Centre. The foreigners office in Kassel considers this commitment to be terrorism and thus follows the propaganda of the Turkish regime. In Turkey, Muhiddin, as a politically active Kurd, faces imprisonment and torture in case of deportation.
The imprisonment of Muhiddin is not without resistance: Yesterday, several hundred people came together with the Fidan family in Kassel to demonstrate against the threat of deportation. Muhiddin himself is now on an indefinite hunger strike, demanding his release and a permanent right to stay. He also points out that his situation is not an isolated case, but a representative example of the experiences of many Kurds. Kathleen Effinger, a supporter of the family, describes life in constant danger of deportation in the press as follows: "There is not a day when the threat of deportation is not present in the family's life. His children have to go to school every day not knowing if they will see their father again."
We condemn the institutional discrimination against Kurds in Germany! On the one hand, asylum applications from Kurds are often rejected despite the danger in Turkey and every year numerous Kurds are deported to Turkey! And on the other hand Kurdish activists are criminalized again and again and become victims of state repression.
We are appalled by the threat of deportation and support Muhiddin's demands! Muhhidin must stay - permanently.