15/05/2024
Am 7. Mai war Andreas Winter, Stadtrat und Spitzenkandidat der Stuttgarter Liste als langjähriger kulturpolitischer Sprecher zu der Veranstaltung der Sachkundigen Bürger*innen aus dem Ausschuss für Kultur und Medien zur Kommunalwahl 2024 eingeladen. Vielen Dank für die Einladung und Durchführung einer wichtigen Veranstaltung, hier stellvertretend an Petra Bewer.
Im Vorfeld wurden 2 Fragen zugeschickt. Seine unten stehenden Antworten wurden zu Beginn der Veranstaltung verlesen. Hier zum Nachlesen:
Frage 1: "Wofür wollen Sie sich besonders in Stuttgart für die Kultur einsetzen? Nennen Sie drei Schwerpunkte."
Antworten:
a) Wir unterstützen die Vielfalt und Breite der kulturellen Einrichtungen in der ganzen Stadt. Der Einstieg in eine Dynamisierung der Zuschüsse bei personalintensiven Privattheatern ist vor zwei Jahren gelungen. Das Ziel, den Einstieg jetzt zu einer flächendeckenden Dynamisierung der Zuschüsse und damit der Gehälter der Kulturschaffenden in Stuttgart auszubauen.
b) Kulturelle Bildung ist nach wie vor ein gesamtgesellschaftliches Thema. Gut, dass wir mit Kulturgutscheinen (Bund und Stadt) einen niederschwelligen Zugang haben. Das reicht aber nicht. Wir setzen uns für einen Ausbau der begleitenden Bildungsarbeit ein.
c) Sichtbarkeit von Kultur ist eine zentrale Aufgabe der Stadt. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass auf den Werbeträgern im öffentlichen Raum die Stadt 50 % eigenen (auch kulturellen) Inhalt ausspielen kann. Das wir bisher noch nicht in dem möglichen Umfang wahrgenommen. Hier fehlt es an einer ämterübergreifenden Zusammenarbeit.
Frage 2: "Was fehlt Ihnen kulturell in Stuttgart?"
Antwort: Kunst im öffentlichen Raum wurde durch einen Antrag in den vorletzten Haushaltsberatungen mit einer Million pro Jahr gefördert und in einer noch nie dagewesenen Summe ermöglicht. Und trotzdem fehlt es an allen Ecken. Wir haben in der Stadtplanung große Zielsetzungen wie z.B. Flächen im Rosenstein für Kultur. Auf der anderen Seite geht es mit vielen Vorhaben nicht weiter. Die Opernsanierung wird seit Jahren so hin und hergeschoben wie es mit dem Lindenmuseum, dem Haus der Kulturen oder mit dem Konzerthaus geschieht. Es fehlt in Stuttgart in der Breite ein Bewusstsein, wie sehr Kultur die Stadt erst zur Stadt macht und dass Stuttgart durchaus mit Freude über die eigene Kulturlandschaft eine andere Identität schaffen könnte. Dass immer noch die Kultur mit ihren 6% des Haushaltsbetrages einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt ist, merken die Stadträt*innen, wenn sie die Bubble im Ausschuss für Kultur und Medien verlassen.
Darüber hinaus wurde eine Frage an die Kandidat*innen gestellt, die er gerne spontan aufgegriffen hatte:
“Welche Veranstaltungen / welche Kulturereignisse in den letzten zwei Jahren waren für Sie ganz besonders / haben Sie besonders berührt?“
Da vorher über Kriterien gesprochen wurde, hat Winter in die Antwort auch gleich ein Kriterium eingebaut.
„Ich will drei Veranstaltungen erwähnen, die mir unter dem Kriterium Neue Zielgruppen anzusprechen, einfallen und die mich inhaltlich und künstlerische berührt haben.
1.) Istanbul, eine Produktion der Schauspielbühnen, ein berührendes Stück über die Geschichte der Einwanderung, großartig geschrieben, inszeniert und gespielt und berührend der Frage von Fremdsein, Heimat auf den Grund gegangen ist. Viele Menschen im Publikum waren zu ersten Mal in Deutschland im Theater. Es wurde gelacht und geweint und im Nachgespräch blieben zahlreiche Menschen da, um das, was sie gesehen haben. Zu sprechen und Fragen zu stellen.
2.) Jan Lisiecki, ein junger und großartiger Pianist, der in der (nicht von der Stadt geförderten) Reihe Meisterpianisten im Beethovensaal mit einer klugen und außergewöhnlichen Programmgestaltung einen Klavierabend mit Préludes gegeben hatte. Jan, der auch viel auf Social Media präsent ist, lockte ein sehr junges Publikum in den Saal, die teilweise auch zum ersten Mal einen Klavierabend erleben konnten, und by the way einen großartigen dazu.
3.) Der Stuttgarter Liederkranz, der dieses Jahr 200sten Geburtstag feiert, hat mit Sebastian Kunz einen jungen, sehr engagierten Chorleiter. Als besonderes Konzert stand das großartige Requiem von Giuseppe Verdi auf dem Programm. Durch die große Zahl von Mitsingenden Menschen aus Stuttgart kamen Freunde, Verwandte in großen Scharen zum Konzert, die sonst auch eher nicht in den Beethovensaal gehen. Frenetischer Beifall, Begeisterung. Ein glücklicher Sebastian Kunz, der dieses Werk an diesem Abend zum ersten Mal dirigieren durfte.
Mit solchen Beispielen, von denen es so viele in Stuttgart gibt, können wir zeigen, wie es gehen kann. Die Aufgabe der Stadt, hier mit der notwendigen begleitenden Öffentlichkeitsarbeit noch mehr Publikum in die Häuser zu holen.
Mehr Thesen zur Kulturpolitik wie immer unter www.stuttgarter-liste.de