05/02/2026
Ein fragwürdiges Signal
Russisches Staatsballett in Weimar nicht länger hofieren, so lautet ein Antrag, mit
dem sich der Stadtrat und insbesondere der Kulturausschuss demnächst befassen
muss. Tatsächlich geht es hier um das „Grand Classic Ballet“. Dieser Antrag wirft aus
unserer Sicht grundlegende Fragen zur Verhältnismäßigkeit, zur Rolle öffentlicher
Kulturinstitutionen und zur Freiheit der Kunst auf.
Zunächst fällt auf, dass der Antrag auf Verdachtsmomenten und pauschalen
Annahmen beruht. Gerade im Kulturbereich sollte Zurückhaltung gelten, wenn
Entscheidungen getroffen werden sollen, die den Ruf eines Ensembles und die
berufliche Existenz von Künstlerinnen und Künstlern unmittelbar betreffen.
Problematisch ist zudem die Signalwirkung für den internationalen Kulturaustausch.
Gastspiele aus dem Ausland sind ein zentraler Bestandteil einer lebendigen
Kulturlandschaft. Weimar riskiert damit, nicht als weltoffener Kulturort
wahrgenommen zu werden, sondern als Standort mit schwer kalkulierbaren
politischen und administrativen Hürden. Auch aus Sicht der Kunstfreiheit ist dieser
Antrag kritisch zu betrachten. Kultur lebt vom Dialog, von Vielfalt und vom offenen
Raum für unterschiedliche Ausdrucksformen. Der vorliegende Antrag verschiebt den
Fokus von der künstlerischen Leistung hin zu mutmaßlichen strukturellen Problemen,
für die oft gerade die auftretenden Tänzerinnen und Tänzer nicht verantwortlich sind.
Wenn Kulturpolitik glaubwürdig bleiben will, muss sie transparent, differenziert und
fair agieren. Andernfalls droht die Gefahr, dass aus berechtigter Sorge um Standards
ein Klima des Misstrauens entsteht – und am Ende die Kunst selbst den Preis zahlt.
Wir als AfD-Fraktion positionieren uns daher ganz eindeutig gegen dieses Ansinnen.
Auch in schwierigen politischen Zeiten sollte Kunst zur Völkerverständigung und nicht
zur Spaltung beitragen.
AfD-Fraktion im Stadtrat Weimar
Brigitte Stahl