20/07/2026
Zum Hi**er Attentat am 20. Juli 1944 durch Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg, gerät viel zu sehr in Vergessenheit, dass es angesichts der drohenden Niederlage ja auch weniger militärischer Widerstand, als die Sicherung der eigenen Positionen in Vorbereitung auf die Zeit danach war, mit der wir bei Gelingen eine Militärregierung bekommen hätten.
Die Glorifizierung ist ebenso fragwürdig, als das totale Vergessen anderer Personen, wie bsw. Heinrich Berger!
1905 in Berlin geboren, lernte er bereits als Schüler Stenographie und wurde 1926 während seines Jura-Studiums Protokollant im Preußischen Landtag. Nach Wechselin den Reichstag protokollierte er nach der Machtübernahme der N***s die Sitzungen des Gremiums, das nach der gewaltsamen Entfernung der kommunistischen und sozialdemokratischen Opposition und dem Verbot anderer Parteien nicht einmal mehr ein Scheinparlament war.
1943 zog Familie Berger nach Cottbus und blieb dort auch nach Heinrich Bergers Tod und Kriegsende.
1942 war Berger als Hilfskraft berufen worden, bei Besprechungen in Hi**ers Hauptquartier mitzuschreiben.
Stadtarchivar Steffen Krestin sieht Bergers Biographie als Leiter der Städtischen Sammlungen Cottbus kritisch und meint, dass diese Funktion als Mitarbeiter im direkten Umfeld von Hi**er von großer Systemtreue zeuge. Ohne diese wäre dort zu sein nicht möglich gewesen, wie auch durch Teilnahme an Hi**ers Lagebesprechungen zwangsläufig großes Wissen darüber entstand, was in dieser Zeit passiert ist. Das schließt neben den Kriegshandlungen auch die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit Nazi-Deutschlands ein.
Es gibt in Heinrich Bergers Biographie sehr wohl Aspekte, die für seinen Charakter sprechen! So hatte er während seiner Arbeit in Hi**ers Hauptquartier keinen militärischen Rang inne und war nicht Mitglied in der NSDAP. Als entlastendes Indiz im Werdegang wird immer wieder angeführt, dass das Thema von dessen Doktorarbeit wegen alttestamentlichen Bezügen nicht zur antisemitischen Ideologie der Nationalsozialisten gepasst habe.
Nach Bergers Tod wurde Gerhard Hergesell aus Frankfurt an der Oder sein Nachfolger: ebenfalls Stenograph und Jurist. Im Gegensatz zu Berger verschrieb dieser sich dem Nazi-Regime. Was seiner Karriere nach dessen Untergang aber keinen Abbruch tat. Wie Detlef Peitz in einem Beitrag der Zeitschrift für Parlamentsfragen schreibt, trat Hergesell 1935 in die SS und zwei Jahre später in die NSDAP ein, schrieb 1936 in einem Lebenslauf, schon Jahre vor der Machtübernahme der faschistischen Diktatur deren Ideologie angehangen zu haben.
Bevor die N***s den Krieg beginnen, wird Hergesell als Richter befördert. Während des Krieges macht Hergesell eine SS-Karriere, inspiziert unter anderem Konzentrationslager und ist schließlich in der Vernichtungsorganisation als Richter tätig. Seine Karriere erfährt Förderung von Rudolf Brandt, einem weiteren Stenograph und Jurist aus Frankfurt, der zur SS-Führung gehörte und den Hergesell aus seiner dortigen Schulzeit kannte. Für seine Beteiligung an Menschenversuchen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Tötungen von KZ-Häftlingen wurde Brandt 1947 im Rahmen der Nürnberger Prozesse zum Tod verurteilt und 1948 hingerichtet.
Nach der Befreiung Deutschlands im Mai 1945 gelang es Hergesell, sich von seiner SS-Tätigkeit und seinem Vertrauten Brandt zu distanzieren. Als Mitläufer eingestuft, wird er schon während Sitzungen des Parlamentarischen Rates, der das Grundgesetz erarbeitete, wieder als Stenograph eingesetzt. Später war Herrgesell von 1968 bis 1972 Leiter des Stenographischen Dienstes des Bundestags!
So also Parallelen in Lebensläufen anderer Stenographen in der Nazi-Zeit und danach!
Tochter Dorothea Johst zufolge verweigerte ihre Mutter, Hertha Berger, ein Staatsbegräbnis für ihren Ehemann. Er wurde in Cottbus begraben, wo heute ein gemeinsamer Grabstein auf Heinrich und Hertha Berger, die 1993 verstarb, verweist.
Die Stadt Cottbus sicherte Dorothea Johst 2013 zu, das Grab zu erhalten, dessen Nutzungsrecht damals vor Ablauf stand. Die Stadt Cottbus hat den Unterhalt des Grabes nicht übernommen und lt. Stadt-Sprecher Jan Gloßmann auch nie einen Entschluss dazu gefasst. Stattdessen pflegt der Ströbitzer Bürgerverein das weiterhin existierende Grab.
© Foto: Daniel Roßbach/LR – CC