19/09/2017
Nützliche Einrichtungen auf dem Campingplatz
1. Die Rezeption
Die Anmeldung, die wohl schwerste Hürde zum Campingvergnügen. Nachdem man den Seitenstreifen vor der Rezeption mit seinem Fahrzeug samt Caravan geflissentlich ignoriert hat, parkt man direkt vor der Schranke und begibt sich auf den Weg zur Rezeptioin.
Hier dann geduldiges Warten auf die Omi, die fragt, ob der Platz auch Fußpflege anbietet sowie auf einen weiteren Neuankömmling, der bereits seit 5 Tagen auf dem gesamten CP herumirrt und seinen Stellplatz trotz Wegeplan und eindeutiger Nummerierung nicht findet,
Mittlerweile wütendes Gehupe von draußen....meine Güte, sind Camper ungeduldig.
Nachdem man dann erfahren hat, dass der vorreservierte Platz leider noch belegt ist, weil der Vo*******en von Vormieter einen Platten an seinem WoWa hat und es nicht geschissen bekommt, seinen Ersatzreifen endlich mal draufzuziehen, hat man sich dann nach einer Auswahl unter 15 Alternativplätzen, die man ausführlich diskutiert und pro und contra abwägt, auf einen schnuckeligen Eckplatz in der Nähe eines Sanitärgebäudes geeinigt. FATALER FEHLER....aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Nach erfolgter Anmeldung verlässt man die Rezeption, schlängelt sich durch mindestens 15 Fahrzeuge vor zur Schranke, setzt sich hinters Steuer und stellt fest: Schrankenkarte funktioniert nicht, weil man sie auf dem Weg zum Auto einfach in die Hosentasche gestopft hat und nun der Magnetstreifen einen Knick hat.
Also nochmal aussteigen und zurück zur Rezeption. Fröhlich den anderen Wartenden an der Schranke winken und dem ersten hinter dir in ein kurzes Gespräch verwickeln, weil sein Nummernschild besagt, er kommt aus dem Nachbarkreis. Man hat sich so als Quasi-Heimatnachbarn halt viel zu erzählen.
Nachdem die Schranke durchfahren ist und man seinen Platz endlich gefunden hat, kennt mittlerweile jeder 2. Dein Nummernschild und droht mit Worten wie "man sieht sich immer zweimal im Leben" sowie "du bist tot, du weißt es nur noch nicht".....meine Güte, sind Camper unfreundlich.
2. Der Campingladen
Hier wird Not und Elend von vergesslichen Campern zur waren Profitgrube des Campingplatzbetreibers. Neben Tampons zu 16,50 EUR im Sechserpack, Zeltstangen, Campinggeschirr, diversen überteuerten Lebensmitteln, horrend teuren Sonnencremes und Sonnenbrillen wird besonders auf die kleinen Camper ein großes Augenmerk gelegt. Drachen in allen Farben und Formen, Bälle für Groß und Klein, Wellenbrettern, bunten Frisbees und Ping Pong-Sets für den Strand erfreut sich besonders das Sandkasten-Set mit Eimerchen und Wassermühle für 27,90 EUR großer Beliebtheit.
Einziger Vorteil: Morgens gibts 20 Sorten frisch gebackene Brötchen, 10 Stck. für nur 17,30 EUR im Familienpack, noch warm! Heureka.....da spart man sich doch das Anziehen und Zurechtmachen, denn in den CP-Laden kann man auch ungekämmt, mit Gummischlappen und 80er-Jahre-Jogger, schließlich sehen hier alle so aus. Da macht es auch nichts, dass man 30 Min. in der Schlange steht und wenn man bei den Brötchen angekommen ist, diese entweder kalt sind oder aber.....alle. Die nächste Backladung dauert aber auch nur 20 Minuten.
3. Kinderanimation
Etwas irritierend ist die morgendliche Musik, die die Kleinsten unter den Campern zum Mitmachen auffordert. Die Holländern sind da echt komisch. Da 78% aller CP-Insassen Deutsche sind, hat man sich für einen Superhit entschieden, den wohl jeder kennt. Ich zumindest kenn ihn aus dem Jahre 1978 aus dem ZDF-Ferienprogramm: "Ferien, Leute es sind Ferien, alle machen blau von Flensburg bis nach Oberammergau, denn es sind Ferien, Leute es sind Ferien und mit viel Tammtamm beginnt heute unser Ferienprogramm".......nunja, die Kids des 21. Jahrhunderts scheinen den Hit auch zu kennen und stürmen wie besessen den Platz der Begierde.
Bereits nach zwei Minuten schreit der kleine Kevin wie ein Berserker nach seiner Mama. Der Finn-Justin hat ihm nämlich juste mal eins mit ner Sandschüppe übergebraten, weil er das Schäufelchen haben wollte. Drei Minuten später weiteres Gebrüll aus Richtung Pool. Die kleine Clara ist an den Zöpfen gezogen worden und verlangt nach ihrem großen Bruder, der dem Täter den Hintern versohlen soll. Währenddessen steht Marvin mit dem Daumen im Mund verlegen in der Ecke. Leider hat er P**i in die Hose gemacht, weil er sich nicht getraut hat, die Betreuungsperson zu fragen, ob sie ihm Knopf und Hosenstall aufmachen kann. Den Rest hätte er alleine gekonnt.
Apropos Betreuungsperson: Chapeau!!!!! Sowas von! In diesem Job altert man schneller, als einem lieb ist. Und da es meist junge Damen sind, die diesen Knochenjob erledigen, bekommen sie auch direkt eine akurate Vorfreude auf das eigene Familienleben, was da mal kommen mag.
4. Der Fahrrad- und Bollerwagenverleih
Da nur einmal in Anspruch genommen, und zwar in Holland, weiß ich leider nicht, wie sich das in anderen Ländern so verhält.
Aber in Holland z.B. findet man auf fast jedem CP das große Schild: "Te huur! Fietsen en Karren" So what???? Ja genau. "Te huur! Fietsen en Karren".
Jawoll meine Herren, da stolpern wir doch als erstes mal über das Wort "huur". Heißt übersetzt: "vermieten, verleihen". Eine gewisse Assoziazion des Wortes "huur" zum horozontalen Gewerbe hat hier durchaus seinen Ursprung in der holländischen Sprache. Und was zum Henker sind Fietsen und Karren? Na Fahrräder und Bollerwagen! Die Holländer haben eine lustige Sprache. Dazu fällt mir ein Schmankerl ein. Bei einem Festival in Hellendoorn, tiefstes Hinterholland, wollte ich mich mal ins Gras setzen und der neben mir stehende Holländer meinte Erschrocken "Let oop! Naaksnagger!!!!" So what????? Dass er mich vor einem Rudel Nacktschnecken bewahren wollte, in den ich meinen zarten Hintern dann in Missachtung seiner Warnung platziert habe, ist mir erst dann aufgefallen, als ich gesessen habe. Naaksnagger - Nacktschnecke ist seitdem mein holländisches Lieblingswort. Aber das nur am Rande, zurück zu den Fietsen.
Wir alle kennen das legendäre Hollandrad, welches seine höchste Population in den 70er/80er Jahren hatte und derzeit wieder auf dem Vormarsch ist. In Holland heißen die Dinger - kein Witz - "Omafietsen". An jedem CP kann man sich diese Omafietsen ausleihen, in allen erdenklichen Farben. Standard ist der obligatorische Kartoffelkorb vorn am Lenkrad, geschmückt mit bunten Plastikblumen, Federn und sonstigem Gedöns. Aber es passt halt ein ganzer Einkauf da rein, echt praktisch. Da hat man sich nun auf die beiden quietschpinkfarbenen Fietsen samit Kartoffelkorb und Deko geeinigt und fährt frohen Mutes los, die Gegend rund um die Kuhweiden sowie Schaf- und Blumenwiesen zu erkunden. Und da stolpern wir über das nächste Hindernis: Welche Straße ist bloß meine??? Denn in Holland ist es so, dass die Fietsen einen hohen Stellenwert haben und die Städtlebauer für diese Fietsen eigene Straßen bauen. Man erkennt diese eindeutig an der sechsspurigen Fahrbahnmarkierung, welche sich in der Breit deutlich von der eigentliche Straße, auf der sich die Autos bewegen, abhebt. Denn parallel zu jedem Straßenverlauf gibt es diese extra gesonderte Straße für Fietsen. Und nicht so einen abgehumpelten, huckeligen und mit Rollsplitt bestückten Gammelweg, der dafür sorgt, dass in Deutschland vielen Radrennfahrern, die diese Wege meiden, auf den Bundesstraßen der A***h abgefahren wird...nööööö! Eine richtig schön geteerte Straße mit mehreren Fahrspuren! In eleganteren Gegenden befindet sich alle 500 m so eine seltsame Tonne, die zylinderförmig nach oben geweitet ausläuft. Ich weiß mittlerweile, dass das spezielle Mülltonnen sind, in denen man während der Fahrt seine Bananenschalen, Frikandelreste und auch Tampons ganz bequem, ohne anzuhalten entsorgen kann. Praktisch!
Und nachdem man dann die Gegend so quasi total entspannt erkundet hat - denn in Holland gibt es keine Steigungen, der höchste Berg ist der Sttrandübergang an Düne 24 in der Nähe von Burgh-Haamstede, den man ja mit Fahrrad eh nicht nutzt, da Fahrräder auf Strandübergängen verboten sind, radelt man mit seinem Kartoffelkorb-Omafietsen ganz locker flockig zurück zum CP und freut sich seines Lebens, weil man wieder mal ein schönes Stück Kultur eines fremden Landes kennengelernt hat.
5. Die Spülküche - Treffpunkt der Gesellschaft
Früher oder später lernt sie jeder Camper einmal kennen: Die Spülküche. Auf vielen CPs vereint mit Klo, Dusche, Waschhaus, beheizter Wickelstube sowie Kindertoiletten auf Zwergenniveau, fügt sich die Spülküche optisch harmonisch in das Gesamtbild des CPs ein. An dieser Stelle möchte ich nochmal auf Punkt 1. Die Rezeption zurückkommen. Dieser Vollspacken von saisonalem Fachangestellten hat mir den nun bewohnten Stellplatz wärmstens empfohlen. Wie oben bereits erwähnt: FATALER FEHLER! Jetzt nun nicht nur wegen der Spülküche, das Klappern der mit Spüleimer bewaffneten Hausfrauen, das Scheppern der mit schmutzigem Geschirr von drei Wochen beladenen Bollerwagen und die sonstige mit den Sturm- und Drangzeiten automatisch verbundene Geräuschkulisse stört mich nicht mehr wirklich. Aber was man da alles an Menschen zu sehen bekommt, was die grundstückseigenen Grenzen passiert, lässt mich den Glauben an die Menschheit verlieren. Das reinste Kuriositätenkabinett der menschlichen Spezies. Ehrlich! Denn jeder Mitbewohner des CPs muss über kurz oder lang an unserem Platz vorbei. Nach drei Tagen ausführlichster Observierung lassen sich die Bewohner in mehrere Kategorien einstufen:
a) Die Peniblen
Man erkennt sie an ihren hochwertigen Spüleimern, erworben bei Berger Camping zu einem Preis von 27,39 EUR. Bestückt mit bestem Porzellangeschirr, edlen Kristall-Weingläsern sowie feinstem Silberbesteck, natürlich hochglanzpoliert, stolzieren hochbehackte, schmuckbehangene und im Gesicht komplettsanierte Damen mit Seidenschal in fein auftoupierten Haaren Richtung Spülküche. Das sind im Übrigen auch die, die zusätzlich zu Fairy Ultra - im Campingladen für 9,99 EUR erworben, noch mehrere Flaschen Reinigungsmittel mit sich führen, um nach dem Spülgang das Becken einer gründlichen Generalüberhollung zu unterziehen, damit auch ja kein Schatten auf den wohlverdienten Ruf der feinen Dame fällt. Getrocknet wird das Geschirr mit feinster Kaschmeerwolle, versetzt mit einem Hauch neuseeländischem Schaf-Fell.
b) Die Profis
Hier erkennt man den Preis des Spüleimers an einer etwas geminderten Wertigkeit. Oftmals ist dieser auch nicht rund, sondern eckig und im tiefsten Standard-Blau. Aber der Profi hat nicht nur einen Eimer...nein! Er schleppt gleicih drei dieser Eimer zum Spülhaus. In einem befindet sich hoch aufgetürmt das robuste, aber dreckige Melanin-Campinggeschirr, der weitere dient als Abtropfbehälter und im dritten wird dann das saubere, getrocknete Geschirr gestapelt. Diese Spezies hinterlässt seinen Spülplatz akkurat und ordentlich, nur minimale Schaumreste sind manchmal noch am Abfluss zu finden.
c) Der gutgelaunte Optimist
Ein Eimer, bei Amazon für 11,24 EUR erworben, Trockentuch lässig über die Schulter geworfen, Paella Pfanne des Cadac Grills unterm Arm klemmend begibt er sich zum Ort des Geschehens. Er strahlt eine optimistische Gelassenheit aus, die man einfach liebhaben muss, auch wenn er mit seiner 25 qm-Pfanne drei weitere Spülplätze einnimmt und laut pfeifend die Titelmelodie von "Dirty Dancing" anstimmt. Diese Spezies hinterlässt den Spülplatz im Grunde genommen sauber, mit nur minimalen Gebrauchsspuren.
d) Die Flodders
Das dreckige Plastikgeschirr von Magowskys Sonderposten nachlässig in diverse Aldi-Tüten gestopft, im Mundwinkel eine selbstgedrehte Kippe, schlurft er missmutig Richtung Spülhaus. Angefressen von der Notwendigkeit des Spülaktes, benutzt auch er gleich die ganze Reihe Spülbecken, indem er seine Alditüte an den unteren Zipfeln fasst und sie einfach auskippt. Dinge wie Spülschwamm, Spülmittel oder Handtuch sind ihm völlig fremd, so dass er dich auch gleich mal anpumpt und sich eine halbe Flasche deines hochwertigen Lidl-Spülmittels ins Becken kippt. Das Kinn auf den sich auftürmenden Schaum gestützt, rührt er ein bißchen in der Geschirr-Wasser-Spüli-Brühe rum und zieht dann einfach den Stöpsel. Das Geschirr wird aus dem Schaum genommen, zurück in die Aldi-Tüte gestopft und weg ist er wieder. Das Ganze hat keine 2 Minuten gedauert. Zurück bleiben 5 Spülbecken, aufgetürmt mit dreckigen Schaumresten sowie Wasserlachen, bei denen jedes Kind aufgeregt nach seinem Matschanzug verlangt, um sich voller Freude reinzustürzen.
Ja, die Spülküche: Der Tummelplatz menschlicher Kuriositäten. Natürlich gibt es auch CP-Bewohner, die sieht man dort nie. Das sind dann die Introvertierten, die ein psychisches Problem mit dieser Art Rudelspülung haben und sich lieber 20 x den 500 ml-Wasserkocher anmachen, um am heimischen Platz den Estrich-Boy-Eimer mit Spülwasser zu füllen. Oder aber die, die ausschließlich Pappteller, Plastikbecher, Plastikbesteck und essbare Schüsseln aus Waffelteig verwenden. Die Schüsseln werden praktischerweise gleich mitgegessen und dienen so als Dessert und der Rest wird einfach auf die noch glühenden Kohlen geworfen. Das hinterlässt in der näheren Umgebung auch gleich so ein duftiges Waldbrandaroma, gemischt mit schwarzen Wolken plastikgeschwängerten Rauches.
Dass man in der Spülküche auch gleich die neusten CP-News erfährt, brauch ich ja wohl nicht erwähnen. Ich glaube, die besten Bekanntschaften meines Lebens habe ich in der Spülküche eines Campingplatztes geschlossen. Frustierte Frauen, die beim Schnick-Schnack-Schnuck verloren haben und nur aus diesem Grunde hier sind, heldenhafte Männer, die zum 3. Mal im Leben einen Spülschwamm in der Hand haben oder fleissige Kinder, die nen Fünfer für ein Eis in die Hand gedrückt bekommen haben, wenn sie den gesamten Familienrotz wegspülen, all diese Menschen haben doch eins gemeinsam: Dreckiges Geschirr.