16/04/2026
Stellungnahme des SLÖ Graz
Investitionsstopp im Grazer Schulbau gefährdet Unterrichtsqualität, Arbeitsbedingungen und Bildungsgerechtigkeit
Der SLÖ-Graz äußert große Sorge über den aktuellen Stopp von Investitionen im Bereich des Grazer Schulbaus. Zahlreiche betroffene Schulen haben sich bereits auf Sanierung- und Umbauarbeiten vorbereitet und teilweise mit organisatorischen Maßnahmen begonnen. Das plötzliche Aussetzen dringend notwendiger Bau‑ und Sanierungsprojekte stellt Schulen, Pädagog:innen und Familien vor erhebliche Herausforderungen.
Österreich zählt zu den wirtschaftlich stärksten Ländern Europas. Vor diesem Hintergrund ist es für viele Lehrkräfte nur schwer nachvollziehbar, dass dringend notwendige Investitionen in Bildungsinfrastruktur – insbesondere in bestehenden Pflichtschulen – nicht umgesetzt werden können. Schulgebäude sind kein Nebenaspekt, sondern elementare Arbeits‑ und Lernorte. Ihr Zustand beeinflusst unmittelbar Unterrichtsqualität, Sicherheit, Inklusion und pädagogische Entwicklungsmöglichkeiten.
Auswirkungen auf die Arbeitssituation der Lehrerinnen und Lehrer
Der Investitionsstopp verschärft die ohnehin belastende primäre Arbeitssituation von Lehrerinnen und Lehrern dramatisch. Pädagog:innen unterrichten vielfach in sanierungsbedürftigen Gebäuden, in überfüllten Klassenräumen, ohne ausreichende Gruppen‑, Ruhe‑ oder Differenzierungsräume. Fehlende Nebenräume erschweren Förderunterricht, Teamteaching, Elterngespräche sowie Vor‑ und Nachbereitung.
Lehrerinnen und Lehrer sind tagtäglich mit zusätzlichen organisatorischen, sozialen und administrativen Aufgaben konfrontiert, ohne dass die räumlichen und strukturellen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Provisorische Lösungen, Lärmbelastung, fehlende Barrierefreiheit, mangelhafte technische Ausstattung und beengte Pausen‑ und Arbeitsbereiche gehören an vielen Standorten zum Alltag. Diese Bedingungen wirken sich direkt auf die Gesundheit, Motivation und langfristige Berufszufriedenheit der Lehrkräfte aus.
Gerade im Bereich der Inklusion sind verlässliche räumliche Rahmenbedingungen, multiprofessionelle Zusammenarbeit und ausreichend Platz unabdingbar. Der Rückbau inklusiver Strukturen bei gleichzeitigem Anstieg von Sonderklassen ohne entsprechende personelle und bauliche Ressourcen erhöht den Druck auf Lehrerinnen und Lehrer massiv und erschwert pädagogisch sinnvolle Arbeit.
Föderale Verantwortung und Prioritätensetzung
Das SLÖ-Graz weist darauf hin, dass im föderalen Bildungssystem Verantwortung bewusst übernommen werden muss. Schulbau und Schulerhaltung sind Kernaufgaben der öffentlichen Hand. Die Weitergabe von Verantwortung zwischen Bund, Land und Gemeinden löst keine Probleme, wenn notwendige Investitionen ausbleiben.
Viele Lehrkräfte nehmen mit Unverständnis wahr, dass für andere Projekte Mittel zur Verfügung stehen, während an grundlegender Bildungsinfrastruktur gespart wird. Diese Prioritätensetzung wird im Schulalltag unmittelbar spürbar und untergräbt das Vertrauen in langfristige Bildungsplanung.
In neu entstehenden Stadtteilen wie Reininghaus zeigt sich der Mangel besonders deutlich. Trotz bestehender Beschlüsse des Gemeinderates ist der neue Schulstandort nicht für allen Kindern offen. Viele Kinder müssen auf weit entfernte Mittelschulen ausweichen, doch Mittelschulen sind überlaufen. Die Folge sind größere Klassen, steigende Belastung für Lehrkräfte und eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen an bestehenden Schulen.
Bildungsgerechtigkeit und langfristige Folgen
Nach Jahren massiver Einsparungen im Pflichtschulbereich und eines strukturellen Rückbaus wird Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder zunehmend unwahrscheinlicher. Während Bundesschulen weiterhin finanziert sind, entsteht im Grazer Pflichtschulbereich faktisch ein Zwei‑Klassen‑System. Schülerinnen und Schüler mit erhöhtem Unterstützungsbedarf lernen unter schlechteren Bedingungen – und Lehrkräfte müssen diese Defizite mit persönlichem Mehraufwand kompensieren.
Der SLÖ-Graz betont: Gute Bildung braucht nicht nur engagierte Pädagog:innen, sondern auch angemessene Arbeitsbedingungen. Investitionen in Schulbau, Sanierung und Ausstattung sind Investitionen in Unterrichtsqualität, Lehrer:innengesundheit und gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit. Wer heute im Bildungsbereich spart, verschiebt Kosten und Probleme in die Zukunft.
Der SLÖ-Graz appelliert daher an alle verantwortlichen Stellen, Bildung wieder als zentrale Zukunftsaufgabe zu behandeln und notwendige Investitionen in Schulbau, Inklusion und schulische Arbeitsbedingungen umgehend sicherzustellen. Der derzeitige Sparkurs trifft Schulen, Lehrkräfte und Kinder – und damit die Zukunft der Stadt.
Schulausbau-Projekte in Graz werden aufgrund der finanziellen Lage verschoben. Betroffen sind mehrere Schulen und die Zinzendorfgasse mit Investitionen von insgesamt 120 Millionen Euro.