09/05/2026
"Ich wünsche euch Mut, der bereit ist, anderen eine Chance zu geben und euch selbst eine Chance zu geben." (Zitat: Renate Welsh; gestern; wir, die 2CHL, bei ihr zu Besuch)
Mit unserer Deutschlehrenden Mag. Barbara Hüller-Lichtenegger beschäftigen wir uns seit einigen Wochen mit Frauen in der österreichischen Literatur. Einen ganzen Tag haben wir nun Renate Welsh gewidmet, einer der berühmtesten österreichischen Jugendbuchautorinnen.
Im Unterricht lesen und interpretieren wir eines ihrer berühmtesten Werke - 'Johanna' - die bewegende Lebensgeschichte eines jungen Dienstmädchens im ländlichen Österreich der 1920er und 30er Jahre, das gegen soziale Ausgrenzung, Armut, Sexismus und die schonungslose Hierarchie der damaligen Zeit ankämpft.
Welshs Zeilen erzählen uns davon, wie geistige Wachheit und das Hinterfragen von Autoritäten in jungem Alter der erste Schritt sind, um sich aus (scheinbaren) Alternativlosigkeiten zu befreien.
Wir treffen einander am Morgen des 8. Mais im Filmcasino, wo eine eigene für unsere Klasse gespielte Vorführung der beeindruckenden Biographieverfilmung 'Renate' stattfindet. Wir erfahren von Renate Welshs Leben, davon, wie sie schreibt, wie sie andere zum Schreiben anleitet, was ihr wichtig war und ist und von ihrem kraftvollen Kampf um die eigene Sprache und Mobilität nach einem schweren Schlaganfall.
Direkt vom Kino aus geht es zu Renate Welsh selbst, die uns als unglaublich nahbarer, authentischer und inspirierender Mensch zu sich nach Hause einlädt. Sie begegnet den Schüler*innen mit einer Offenheit, Unbefangenheit und Lebensfreude, die uns in den Bann zieht. Als Dankeschön bringt der Klassenverband einen Blumenstock, eine eigens kreierte Karte und zwei selbst gebackene Kuchen mit.
Es werden Selfies mit der berühmten Autorin gemacht und auch die Romane werden von ihr signiert.
Danach lädt das sonnige Wien zu einer Mittagspause ein. Wir treffen einander am Abend wieder vor dem Theater Spielraum in der Kaiserstraße. Hier wird die Fortsetzungsgeschichte des rezipierten Romans 'Die alte Johanna' inszeniert.
Die alte Johanna blickt auf ein Leben voller Entbehrungen, aber auch unbändiger Widerstandskraft zurück.
Die Regie setzt auf eine reduzierte, fast karge Ästhetik, die den harten Alltag auf dem Land und in den Herrschaftshäusern widerspiegelt. Diese Schlichtheit lässt den Raum für das Wesentliche: die Sprache und die emotionale Wucht der Erinnerung.
Das Fazit einer Schülerin am Ende dieses eindrucksvollen Tages: "Wir sollten alle ein bisschen mehr wie Renate denken."
Der gelesene Roman, die Biographieverfilmung, das Gespräch mit der Autorin und die Inszenierung im Theater Spielraum waren für uns allesamt zutiefst berührende Hommagen an Frauen, die sich weigern, Opfer ihrer Umstände zu bleiben.