27/06/2025
Echte Begegnung!
Echte Begegnung leben, spüren, sein, erforschen und ergründen! Was bedeutet das genau? Ist es nicht das, was wir alle im tiefsten Grunde möchten?
Ein Ereignis, das sich gestern vor meinen Augen abspielte, hat mich zu tiefst berührt - aber in einer Form der inneren Erschütterung! Die Ampel war rot, ca 200 m vorne, war die nächste Ampel mit einer "Traube" von Fußgängern, die gerade von links nach rechts die Straße überquerten. Ich sah wie sie alle den Gehsteig erreichten, bis auf eine! Eine sehr langsam gehende, gebrächliche Pensionistin, mit ihrer rollenden Gehhilfe blieb aus dieser Menschen-Traube zurück und hatte "Eile" den Gehsteig zu erreichen, bevor die Autos auf dieser Straße entlang fuhren. Den Gehsteig hat sie nun fast erreicht! Sie hatte sichtlich Probleme ihre Gehhilfe über die Gehsteigkante zu heben und haderte damit.
An meiner Ampel wurde es bereits grün, sowie in der zweiten Spur links von mir. Die Autos in der zweiten Spur fuhren los, beschleunigten - es fühlte sich für mich so an, als ob diese Menschen darin zu ihrem Termin hetzten und "Egomanios" als Beifahrer dabei hatten. Auch ich fuhr los, langsam, beobachtend, ... ich wollte schon die Warnblickanlage einschalten, weil diese Pensionistin noch immer nicht am sicheren Gehsteig war. Als sich diese Menschen-Traube in allen Richtungen auflöste, sah ich eine helle Gestalt am Gehsteig, genau auf dieser Seite stehen, die rot hatte und fokussiert auf die nächste Grünphase wartete!
"Helle Gestalt" - nein, es war kein Engel, nein es war keine erleuchtende Erscheinung, nein es war auch keine Halluzination! Es war eine ältere Frau in einer weißen Uniform, echt, wahrhaftig und direkt vor dieser gebrächlichen Pensionistin stehend und wartend. Es war eine eine "geistliche", eine Nonne, eine Ordensschwester, oder wie auch immer man das bezeichnen mag. Mein Fahrstil wurde immer zögerlicher, je näher ich dieser zweiten Ampel kam und ich beobachtete ich dieses "Schauspiel" vor meinen Augen mit Entsetzen! Ich war kurz davor die Warnblinkanlage einzuschalten, mitten auf der Fahrbahn mit meinem Auto stehen zu bleiben und rauszuspringen.
Diese Ordensschwester war wie versteinert, rührte keinen einzigen Finger um dieser gebrächlichen Pensionistin mit ihrer Gehhilfe schnell auf den sicheren Gehsteig zu helfen. Keine einzige Zelle ihres Körpers, war in der Absicht eine klitzekleine Bewegung zu tun, um dieser Frau direkt vor ihrer Nase zu helfen - so fühlte sich das für mich an. Die Pensionistin schaffte es schlußendlich am Gehsteig sicher anzukommen, weg von der Straße, wo bereits die Autos ihrem Termin hinterherjagten. Als ich an der Ampel vorbeifuhr und diese Ordensschwester ansah, kam gefühlt der Nordpol zu mir rüber. Bei dieser Hitze von 35 Grad in der Stadt grundsätzlich willkommen.
Jedoch, kam ein Gefühl der Traurigkeit, der Erschütterung und der Entfremdung in mir hoch. Wie sehr diese Ordenschwester von sich selbst entfremdet sein muss, erkühlt in ihrem innersten Wesen, möglicherweise traurig, sich selbst verlassen zu haben. Es liegt mir fert hier eine Be-wertung von einem Menschen abzugeben, den ich nicht kenne. Ich weiß nicht im Geringsten, was in dieser Ordensschwester vorgeht und will es auch nicht wissen.
In diesem Ereignis hab ich "lediglich" von mir selbst wahrgenommen, wieviele Gefühle und Emotionen ich in dieser extrem kurzen Zeit wahrgenommen habe, was ich aus einer Selbstverständlichkeit heraus getan hätte, nicht aus einer "Nächstenliebe" oder eines "Helfersyndroms" heraus, sondern aus dem Gedanken heraus - was wäre, wenn ich diese gebrächliche Pensionistin gewesen wäre!
Ich wäre dankbar gewesen, wenn mir eine junge Frau begegnet wäre, die mir geholfen hätte, was ich nicht erwartet hätte! Ich wäre dankbar gewesen, denn ich weiß jetzt als junge, körperlich aktive Frau nicht, wie es mir in Zukunft ergehen wird, wenn mein Körper nicht mehr das tut, was ich aus jungen Jahren gewohnt war. Es liegt mir auch fern, eine Be-wertung für mich selbst zu machen, um mich ins Rampenlicht als "gute Person" darzustellen! Nein!
Ich habe lediglich eine Gefühl das hier mit dir zu teilen! Und was es mit dir macht, das erforsche du selbst!
Alles Liebe,
Evelyn