28/08/2026
Wunderbar beschrieben, Franz Hackl, in einem Nachruf der Mauthausen Memorial / KZ-Gedenkstätte.
Danke dafür.
🖤♥️🖤♥️
NACHRUF
Franz Hackl ist am 12. August 2026 im 100. Lebensjahr verstorben.
Mit ihm verliert die Region einen engagierten Zeitzeugen, der die Geschichte der Konzentrationslager Gusen und Mauthausen nicht nur aus Büchern kannte. Als Jugendlicher erlebte er die nationalsozialistische Gewaltherrschaft unmittelbar und trug diese Erinnerungen sein Leben lang mit sich.
1927 in Langenstein geboren, wuchs Franz Hackl in einer sozialdemokratisch geprägten Familie auf. Bereits 1934 wurde sein Vater, ein Sozialdemokrat, von der Heimwehr verhaftet. Nach dem „Anschluss“ arbeitete sein Vater im Steinbruch Wiener Graben des KZ Mauthausen.
1942 begann der damals 15-jährige Franz Hackl eine Lehre als Schlosser bei der Deutschen Erd- und Steinwerke (DESt.) im KZ Gusen. Von der Lehrwerkstätte aus wurde er Zeuge der unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen der Häftlinge. Besonders die Gewalt und der Tod sowjetischer Kriegsgefangener prägten ihn nachhaltig.
Später erinnerte er sich im Interview mit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen:
„Die sind umgefallen, vor Schwäche, wahrscheinlich zu wenig zum Essen.“
Auch während seiner Lehrzeit entstanden Kontakte zu Häftlingen. Mit dem polnischen Häftling Czeslaw Levandowski entwickelte sich ein besonderes Vertrauensverhältnis, das auch nach dem Krieg bestehen blieb.
Nach dem Krieg arbeitete Franz Hackl zunächst in Gusen und später bei der VÖEST in Linz als Lokführer. Viele Jahre engagierte er sich zudem kommunalpolitisch für die SPÖ in Mauthausen.
Eine besondere Bedeutung bekam in seinem späteren Leben seine Tätigkeit als Zeitzeuge. In Interviews mit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen berichtete er 2010 und 2014 über seine Erlebnisse und machte deutlich, dass die nationalsozialistischen Verbrechen auch im Alltag der Menschen in der Region unmittelbar sichtbar waren.
Mit seinem Tod ist eine Stimme verstummt, die aus eigener Erfahrung von dieser Zeit erzählen konnte. Umso wichtiger bleiben seine Erinnerungen und sein Zeugnis.
Wir werden Franz Hackl als engagierten Zeitzeugen und als Menschen, der seine Geschichte weitergegeben hat, in dankbarer Erinnerung behalten.