10/02/2026
Laut Kronenzeitung plant Bildungsminister Wiederkehr ab dem Schuljahr 2027/28 zwei neue Schulfächer – „Demokratiebildung“ und „Künstliche Intelligenz“ – einzuführen. Die dafür benötigten Stunden sollen durch „ein bisschen weniger Latein“ gewonnen werden. Hinter dieser scheinbar harmlosen Formulierung verbergen sich jedoch tiefgreifende Einschnitte in die Allgemeinbildung an den Gymnasien mit weitreichenden Folgen für deren Absolventen.
Bereits Wiederkehrs Vorgehensweise, seine Pläne über Medien statt direkt mit den Betroffenen zu kommunizieren, zeigt eines deutlich: Von gelebter Demokratiebildung ist er selbst am weitesten entfernt. Eine wertschätzende und transparente Kommunikation mit den Schulpartnern sieht definitiv anders aus.
Ob dem Minister die Tragweite seiner Pläne bewusst ist oder er sie bewusst in Kauf nimmt – die Auswirkungen sind jedenfalls gravierend:
• Kürzungen in Latein und lebenden Fremdsprachen:
In der Oberstufe der Gymnasien sollen von 12 Lateinstunden vier gestrichen werden – also jede dritte. In der Oberstufe an Realgymnasien, wo zwischen Latein und einer zweiten lebenden Fremdsprache gewählt wird, betrifft die Kürzung somit auch die lebenden Fremdsprachen. Sprachen sind kein Auslaufmodell! Sie fördern kritisches Denken, Textkompetenz, Argumentationsfähigkeit und sind essenziell für demokratisches Verständnis, besonders im Umgang mit digitalen Medien und KI.
• Schulautonome Schwerpunkte geraten unter Druck:
Viele Schulen haben schon heute von 12 auf 10 Fremdsprachenstunden in der Oberstufe reduziert, um schulautonome Schwerpunkte anbieten zu können – weil das Ministerium dafür seit Jahren keine zusätzlichen Ressourcen bereitstellt. Die neuen Kürzungen verschärfen diesen Druck.
• Nachteile bei Studienzulassungen:
Für Medizin, Rechtswissenschaften und 45 weitere Studienrichtungen sind mindestens 10 Wochenstunden Latein Voraussetzung. AHS-Maturanten würden diese trotz vier Jahre Latein künftig nicht erfüllen – ein klarer Nachteil im weiteren Bildungsweg.
• Unklare bildungspolitische Perspektive:
Entscheidungen dieser Tragweite brauchen fachliche Expertise, Evidenz und breiten Konsens. Stattdessen erzeugt ein Schnellschuss Verunsicherung: Welcher Gegenstand steht als Nächstes zur Disposition?
Digitale und demokratische Bildung sind wichtig, dürfen jedoch nicht durch die Schwächung der Allgemeinbildung und der Vorbereitung auf die Universität erkauft werden!