08/08/2026
„Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen.“ 🤡
Bundeskanzler Christian Stocker hat sich für diese Aussage mittlerweile entschuldigt. Aber warum hat uns diese Wortmeldung so bewegt – und warum können wir jetzt keinesfalls zur Tagesordnung übergehen?
Diese Aussage ist nicht irgendein persönliches Hirngespinst – sie ist hoch politisch. Sie zeigt die politische Grundhaltung des österreichischen Bundeskanzlers und seiner ÖVP.
Dahinter offenbart sich das Familienbild der ÖVP: Familien- und Care-Arbeit, die auch heute in Österreich immer noch überwiegend Frauen leisten, wird kleingeredet, romantisiert und damit unsichtbar gemacht.
Das hat politische Konsequenzen.
Denn wer Kinderbetreuung nicht als Arbeit sieht, schafft auch keine Politik für Familien, Frauen, Gleichstellung – oder schlichtweg für ein faires Miteinander in unserer Gesellschaft. Wer Kinderbetreuung nicht als Arbeit sieht, macht aus familiärer Verantwortung ein ausschließlich individuelles Problem.
Wir erwarten von einem Mann im Alter Christian Stockers nicht, dass er in Karenz war oder sich um Jause, saubere Kleidung und Wutausbrüche der Kinder gekümmert hat.
Von einem Bundeskanzler Christian Stocker erwarten wir aber Respekt für die Arbeit, die tagtäglich für Kinder und Familien geleistet wird – und vor allem erwarten wir politische Antworten.
Wir erwarten eine Politik, die für ein faires Miteinander, für Gleichstellung und Chancengerechtigkeit arbeitet. Dazu gehört auch, care-Arbeit als eine Grundlage unserer Gesellschaft anzuerkennen und Rahmenbedingungen zu verbessern.
Denn vielleicht liegt genau hier ein Teil der Antwort auf die Frage, warum sich heute viele junge Menschen gegen Kinder entscheiden.
Nicht, weil ihnen Familie egal wäre. Oder weil sie keine „Freude“ hätten, wie eine andere ÖVP-Politikerin unlängst proklamierte.
Sondern weil sie sehen, was es bedeutet, wenn die Gesellschaft von ihnen Kinder erwartet, aber die Politik die Bedingungen dafür nicht schafft.
Familienpolitik darf deshalb nicht darin bestehen, ein Familienbild aus vergangenen Jahrzehnten zu verklären.
Moderne Familienpolitik bedeutet: echte Wahlfreiheit, faire Verteilung von Care-Arbeit, wirtschaftliche Sicherheit für Eltern und gute Kinderbetreuung.
Das wäre eine Politik, die Familien stärkt.
Und das wäre auch eine Politik, die jungen Menschen wieder mehr Vertrauen darauf gibt, dass Familie und ein selbstbestimmtes Leben miteinander vereinbar sind.