05/05/2020
Am 5. Mai 1945 wurde das Konzentrationslager Mauthausen von US-Truppen befreit. Von den insgesamt etwa 190.000 Gefangenen des KZ Mauthausen und seiner Außenlager waren in sieben Jahren mindestens 90.000 zu Tode gekommen. Mauthausen steht für das nationalsozialistische System des Massenmordes, das Millionen ihre Menschlichkeit und ihr Leben geraubt hat. Ermöglicht wurde das durch eine menschenverachtende Ideologie der Ungleichheit, die sich tief in die Gesellschaft hineingefressen hatte.
Zu gedenken bedeutet nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Gedenken bedeutet, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Denn heute sind menschenfeindliche Ideen wieder mitten in der Gesellschaft. Rechtsextreme werden immer lauter und unverschämter. Die Würde und die Rechte von Menschen werden missachtet und gebrochen, so wie wir es an den EU-Außengrenzen beobachten können.
Weil wir nicht wollen, dass Mauthausen sich jemals wiederholen kann, müssen wir jeden Tag für eine bessere Welt kämpfen, in der solche Verbrechen unmöglich sind.
Bei einer Feier am Appellplatz am 16. Mai 1945 schworen sich die Vertreter des internationalen Häftlingskomitees mit folgenden Worten auf diesen Kampf ein:
„Es öffnen sich die Tore eines der schwersten und blutigsten Lager: des Lagers Mauthausen. Nach allen Himmelsrichtungen werden wir in freie und vom Faschismus befreite Länder zurückkehren. Die befreiten Häftlinge – denen noch gestern der Tod aus den Händen der Henker der nazistischen Bestie drohte – danken aus tiefstem Herzen den siegreichen alliierten Nationen für die Befreiung und grüßen alle Völker mit dem Rufe der wiedererlangten Freiheit.
Der vieljährige Aufenthalt im Lager hat in uns das Verständnis für die Werte einer Verbrüderung der Völker vertieft. Treu diesen Idealen schwören wir, solidarisch und im gemeinsamen Einverständnis, den weiteren Kampf gegen Imperialismus und nationale Verhetzung zu führen. So, wie die Welt durch die gemeinsame Anstrengung aller Völker von der Bedrohung durch die hitlerische Übermacht befreit wurde, so müssen wir diese erkämpfte Freiheit als das gemeinsame Gut aller Völker betrachten.
Der Friede und die Freiheit sind die Garantien des Glückes der Völker, und der Aufbau der Welt auf neuen Grundlagen sozialer und nationaler Gerechtigkeit ist der einzige Weg zur friedlichen Zusammenarbeit der Staaten und Völker. Wir wollen nach erlangter eigener Freiheit und nach Erkämpfung der Freiheit unserer Nationen die internationale Solidarität des Lagers in unserem Gedächtnis bewahren und daraus die Lehren ziehen:
Wir werden einen gemeinsamen Weg beschreiten, den Weg der unteilbaren Freiheit aller Völker, den Weg der gegenseitigen Achtung, den Weg der Zusammenarbeit am großen Werk des Aufbaues einer neuen, für alle gerechten, freien Welt.
Wir werden immer gedenken, mit welch großen blutigen Opfern aller Nationen diese neue Welt erkämpft wurde.
Im Gedenken an das vergossene Blut aller Völker, im Gedenken an die Millionen, durch den Nazifaschismus gemordeten Brüder geloben wir, dass wir diesen Weg nie verlassen werden. Auf den sicheren Grundlagen internationaler Gemeinschaft wollen wir das schönste Denkmal, das wir den gefallenen Soldaten der Freiheit setzen können, errichten:
DIE WELT DES FREIEN MENSCHEN. Wir wenden uns an die ganze Welt mit dem Ruf: Helft uns bei dieser Arbeit! Es lebe die internationale Solidarität! Es lebe die Freiheit!“