05/09/2026
Der heutige Leserbrief von Honorarkonsul Martin Panosch an die Salzburger Nachrichten:
Liebes Leserbrief-Team der SN,
Keine Zeit zum Spionieren
Mit einiger Verwunderung habe ich die Titelgeschichte über den russischen Generalkonsul in Salzburg gelesen. „Wir haben keine Zeit zum Spionieren“, darf Dmitry Cherkashin den Lesern der Salzburger Nachrichten versichern. Das klingt beruhigend.
Etwas weniger beruhigend liest sich der österreichische Verfassungsschutzbericht. Dort wird ausdrücklich festgehalten, dass russische Nachrichtendienste auch am Generalkonsulat in Salzburg operieren. Im aktuellen Bericht bezeichnet der Verfassungsschutz die russischen Vertretungen einschließlich Salzburg sogar als Teil einer der größten russischen „Legalresidenturen“ weltweit. Also eine nachrichtendienstliche Struktur, deren Mitarbeiter offiziell und mit diplomatischem Status im Gastland tätig sind. 2022 wurde zudem ein Angehöriger eben dieses Salzburger Generalkonsulats wegen mit seinem diplomatischen Status unvereinbarer Tätigkeiten des Landes verwiesen.
Natürlich darf ein russischer Generalkonsul all das bestreiten. Diplomatie lebt schließlich auch von unterschiedlichen Sichtweisen. Ob man einem Vertreter eines Staates, der einen Angriffskrieg gegen ein europäisches Nachbarland führt, Desinformation als Instrument hybrider Kriegsführung einsetzt und von unserem eigenen Verfassungsschutz als erhebliche Spionagebedrohung eingestuft wird, dafür die Titelseite einer angesehenen österreichischen Tageszeitung zur Verfügung stellen muss, ist eine andere Frage.
Bei einem politischen Kampfblatt vom äußersten rechten oder linken Rand hätte mich eine derart freundliche Bühne für die Selbstdarstellung des Kremls kaum überrascht.
Bei den Salzburger Nachrichten schon.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Panosch
Dr. Martin Panosch
Honorarkonsul der Ukraine