07/05/2026
Bezirksrat Herbert Fuxbauer anlässlich der Enthüllung eines Steines der Erinnerung in der Wickenburggasse 15, Wien Josefstadt.
Liebe Anwesende,
wir stehen heute hier in der Wickenburggasse, um an Menschen zu erinnern, die einst an diesem Ort gelebt haben und durch den nationalsozialistischen Terror aus ihrem Leben gerissen wurden.
Wir erinnern heute an Karl Baubelik, kommunistischer Widerstandskämpfer, der wegen seines Engagements gegen das NS-Regime verfolgt, zum Tode verurteilt und am 10. Mai 1944 im Wiener Landesgericht hingerichtet wurde.
Gleichzeitig erinnern wir auch an die Familie Mendl – an Irene Mendl, Johanna Mendl und W***y Mendl –, die ebenfalls hier wohnhaft waren und Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden.
Dieser Stein der Erinnerung macht sichtbar, dass die Verbrechen des Faschismus mitten in unseren Straßen, mitten in unseren Häusern und mitten in unserer Nachbarschaft stattfanden.
Auch die Josefstadt blieb davon nicht verschont. Menschen wurden entrechtet, verfolgt, vertrieben und ermordet – weil sie Juden waren, weil sie Widerstand leisteten oder weil sie nicht in das menschenverachtende Weltbild des Nationalsozialismus passten.
Der Terror des NS-Regimes traf nicht nur die Ermordeten selbst, sondern auch ihre Angehörigen, ihre Familien und ihre gesamte Lebenswelt. Hinter jedem Namen stehen zerstörte Existenzen und unzähliges Leid.
Gerade deshalb sind Orte des Erinnerns so wichtig. Sie geben den Menschen ihre Namen zurück und holen ihre Geschichte dorthin zurück, wo sie gelebt haben.
Ich danke dem Verein „Steine der Erinnerung Josefstadt“ und allen Beteiligten, die dieses würdige Gedenken ermöglicht haben.
Die Erinnerung an Karl Baubelik und die Familie Mendl soll in unserem Bezirk lebendig bleiben.
7.Mai 2026