12/12/2022
Die seltsamen Argumente der Stadt Wien bzgl. Umbenennung einer Straße in Ottakring.
Fritz Fink und Sidal Keskin, die LINKS-KPÖ Bezirksräte in Ottakring, brachten vor einigen Monaten in der Bezirksvertretung Ottakring die Forderung nach Umbenennung der Pschorngasse ein.
Der Mundartdichter Karl Pschorn war schon 1923 der illegalen NSDAP beigetreten. Anlässlich der Volksabstimmung 1938 bejahte er freudig den „Anschluss“. 1944 erhielt Pschorn das „Kriegsverdienstkreuz II. Klasse“.
Nun erreichte Bezirksrat Fritz Fink ein Schreiben der zuständigen Magistratsabteilung: "Die Stadt Wien Kultur möchte Ihnen mitteilen, dass der Unterausschuss für Verkehrsflächenbenennungen in seiner letzten Sitzung die Umbenennung der Pschorngasse in „Helene-Neuhaus-Gasse“ abgelehnt hat."*
Begründung: "Gemäß den derzeit gültigen Richtlinien für Verkehrsflächenbenennungen sind Umbenennungen nicht vorgesehen. Sie sind nur aus zwingenden Orientierungsgründen, nie aus Ehrungsgründen möglich."
KPÖ-Bezirksrat Fritz Fink: "Die Begründung der Stadt ist eine unglaubliche Provokation für alle Demokrat:innen und Antifaschist:innen. Bürgermeister Ludwig sollte raschest eine Überarbeitung der Richtlinien veranlassen, denn solch dummer Formalismus konterkariert alle Beteuerungen der Stadt und der SPÖ sich mit aller Kraft gegen NS-Wiederbetätigung zu stellen."
* Helene Neuhaus, geb. 1922, war Anfang April 1945 maßgeblich an der kampflosen Übergabe von Teilen des 16. und 17. Bezirkes an die Truppen der anrückenden Roten Armee beteiligt. Neuhaus war Mitglied einer Gruppe des Kommunistischen Jugendverbandes, die Zivilkleidung an deutsche Armeesoldaten ausgegeben und Leute des Volkssturms zur Aufgabe überredet hat, so dass Kampfhandlungen vermieden werden konnten, womit der Tod von Menschen und sinnlose Zerstörung verhindert wurde.