16/11/2021
Es sind verstörende Bilder die uns aus Belarus von der Grenze zu Polen erreichen. Hunderte Menschen warten bei Minusgrade und ohne jede Versorgung auf eine Einreise in die EU. Doch die Berichterstattung handelt nicht von Toten in den Wäldern oder den Schicksalen der Betroffenen. Es dreht sich vielmehr um Sanktionen und diskutiert wird, inwiefern der Einsatz von Waffen legitim sei. Natürlich ist es nicht okay, dass Belarus Menschen als Druckmittel einsetzt. Aber ist auch nicht okay, dass wir zulassen, dass weiter Menschen dort erfrieren. Warum wird es medial überhaupt nicht diskutiert, dass wir diese Menschen aufnehmen könnten? Wir würde unsere Werte verteidigen und wären gleichzeitig nicht mehr erpressbar...
Deshalb fordern wir Solidarität und Hilfe und gehen am Sonntag auf die Straße !
Auf den ersten Blick scheint es, als könne die EU nur als Verliererin aus der Sache herausgehen. Entweder sie missachtet die selbst ernannten Menschenrechtsstandards in ihrem Umgang mit PoM, dann riskiert sie weitere Tote und macht ihren Einsatz für Menschenrechte in Belarus unglaubwürdig. Oder sie ignoriert den Erpressungsversuch, lässt die Menschen ungehindert einreisen, ermöglicht ihnen Zugang zu solidarischen Ankunftsgesellschaften … ? Warum bekommt diese Option eigentlich keinen ernsthaften Raum im öffentlichen Diskurs? Die Option Waffen einzusetzen wird realer diskutiert, als die Option Menschen bedingungslos aufzunehmen, damit nicht mehr erpressbar zu sein und ein menschliches Gesicht zu wahren. Wir müssen endlich die Debatte hin zu menschlichen Handlungsoptionen öffnen und dürfen uns nicht in eine Erzählung drängen lassen, die schlussendlich dazu beiträgt, solche Krisen überhaupt zu schaffen.