18/01/2020
Der Schwerpunkt unseres Forschungsprojekts www.wer-wien-praegte.at gilt den Opfern des Nationalsozialismus, jenen Menschen, die sich im Atelier von Franz Xaver Setzer porträtieren ließen und ab 1938 vertrieben und ermordet wurden. Für die Nachfahren dieser Familien sind es manchmal die einzigen fotografischen Zeugnisse, die sie von Ihren Vorfahren haben. Die Situation, unbekannte Bilder seiner Familie zu finden schildert Jérôme Segal in seinem Buch "Wie ein roter Faden. Eine Familie in den Katastrophen des 20. Jahrundert" http://www.konturen.cc/segal_wie-ein-roter-faden.html
Im Jänner 2015 konnten wir ihm im Archiv des Photoateliers Setzer-Tschiedel Porträts seines Großvaters und dessen Schwester und Bruder zeigen, die genau 90 Jahre zuvor hier entstanden waren. Im Buch beschreibt Jérôme Segal eindringlich seine Gefühle bei diesem Besuch: "Nach nur wenigen Minuten aufmerksamer Durchsicht des Originalkatalogs, in dem alle Bilder chronologisch geordnet verzeichnet sind, hielt Gerald Piffl das Negativ mit der Nummer 13274 in den Händen, das meine Großtante vor dem grauen Himmel an diesem Januartag 2015 zeigte, Kurz darauf konnte ich meinen Großvater auf dem Negativ sehen, das ihn etwas teuflisch erscheinen ließ mit seinem maliziösen Lächeln."