02/07/2026
Meine Gedanken als Feuerwehrkommandant der Feuerwehr Alpnach
Die Feuerwehr Alpnach wurde gestern aufgrund von Meldungen aus der Bevölkerung sowie durch unsere Alarmierungssysteme auf das Ansteigen der Schliere alarmiert. Zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen einer möglichen Sturz- oder Hochwasserwelle verbleibt je nach Situation eine Vorlaufzeit von rund 45 Minuten.
Nach den gestrigen Niederschlagsmengen von rund 75 mm pro Quadratmeter mussten wir davon ausgehen, dass eine massive und unberechenbare Sturzwelle talwärts gelangen könnte. In einer solchen Lage steht für uns einzig und allein der Schutz von Menschenleben im Vordergrund.
Es geht darum, Anwohnerinnen und Anwohner sowie alle Personen in der Gefahrenzone rechtzeitig zu warnen und sie aus einem lebensbedrohlichen Bereich zu bringen. Eine Sturzwelle lässt sich weder genau berechnen noch kontrollieren. Wer sich in diesem Bereich aufhält, begibt sich in akute Lebensgefahr.
Was ich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen jedoch nur schwer nachvollziehen können, ist, dass sich immer wieder Menschen bewusst in diese Gefahrenzone begeben, sei es, um spektakuläre Bilder oder Videos aufzunehmen oder als sogenannte “Leserreporter” Material an Medien zu verkaufen. Solches Verhalten gefährdet nicht nur die eigene Sicherheit, sondern zieht oft weitere Schaulustige an. Diese zusätzlichen Personen erschweren unsere Arbeit erheblich und bringen sich sowie auch die Einsatzkräfte unnötig in Gefahr.
Ich appelliere deshalb eindringlich an alle: Wenn Behörden, Einsatzkräfte oder andere verantwortliche Personen Sie auffordern, einen Bereich zu verlassen oder Absperrungen zu respektieren, dann befolgen Sie diese Anweisungen. Diese Weisungen erfolgen niemals ohne Grund. Sie dienen ausschliesslich Ihrem Schutz.
Als Feuerwehr haben wir kein Interesse daran, Menschen aus Situationen bergen zu müssen, die durch vernünftiges Verhalten hätten vermieden werden können. Bei einer grossen Sturzwelle sind die Überlebenschancen verschwindend gering. Genau deshalb setzen wir alles daran, dass es gar nicht erst so weit kommt.
Bitte helfen Sie mit, indem Sie Absperrungen respektieren, Sicherheitsanweisungen befolgen und gefährdete Bereiche meiden. Damit schützen Sie nicht nur sich selbst, sondern erleichtern auch den Einsatzkräften ihre wichtige Arbeit.
Besten Dank für Ihr Verständnis.
Tobias Stalder
Feuerwehrkommandant Alpnach