21/04/2023
«Wenn es dich tief im Herzen trifft, bist du an der Basis!» 💗
Diese Erkenntnis durfte ich während einer Kinesiologie-Sitzung mit der wunderbaren Andrea Freund erlangen.
Es ging um meine Beziehung und die Tatsache, dass wir grossartige Zeiten miteinander haben, wenn wir zusammen sind. Wenn wir zusammen sind und Muster aufkommen, kann ich diese besser wahrnehmen und damit umgehen.
Doch wenn wir uns nicht sehen, kommen stets Trigger-Themen auf. Konflikte und Zweifel beherrschten dann meine Tage. Jede Woche... Mittlerweile seit knapp zwei Jahren. Manch einer wird sich jetzt fragen, weshalb wir diese Beziehung nicht beenden. Es gab Zeiten, da stellte ich mir diese Frage auch.
An dem Tag, als ich bei Andrea war wurde mir bewusst, wie sehr ich diesen Mann an meiner Seite schätze und liebe! Bereits ein paar Wochen zuvor konnte ich klar sagen, dass ich mit diesem Mann mein Leben verbringen will. Es sind (nur) gewisse Verhaltensweisen, die wir an den Tag legen, mit denen ich nicht einverstanden bin. Es geht nicht darum, mir zu überlegen, ob ich die Beziehung beende oder nicht. Viel mehr dreht es sich Woche um Woche um meine tiefen Schattenthemen, die durch ihn an die Oberfläche gelangen. Das passiert niemals mit «Absicht» oder bewusst. Es passiert einfach. Dann habe ich meine Emotionen, Gedanken und Handlungen nicht mehr im Griff. Schwanke zwischen meinem inneren, verletzten Kind und dem jugendlichen, rebellischen Kind hin und her. Irgendwann während dem Prozess wird mir klar, was da passiert. Dann gehe ich in Rückzug und versuche zu reflektieren, was da gerade vor sich geht. Daraufhin rutsche ich zunächst erstmal noch tiefer in meine «unangenehmen» Gefühle und Gedanken. Vor allem das alleine sein und die Frustration fordern mich enorm heraus.
Sätze wie:
«Komm bitte vorbei, es geht mir schlecht.»
«Ich wäre froh, wenn du bei mir bist.»
«Ich brauche dich jetzt an meiner Seite!»
schaffe ich dann nicht zu sagen oder zu schreiben. Alles in mir blockiert. Es fühlt sich an, als müsste ich darum «betteln», dass er für mich da ist. Obwohl ich weiss, dass er jederzeit für mich da sein will, wenn er kann. So prallen unsere Themen und Muster aufeinander. Wir sind beides «Kämpferpersönlichkeiten». Jedoch tragen wir unsere «Kämpfe» unterschiedlich aus. Während ich den Eindruck habe, dass er auf «Angriff» eingestellt ist, bin ich im Rückzug, um meine persönliche Strategie herauszufinden, anstatt wild drauf los zu schiessen. Ausserdem macht mich der Kampf müde. Ich gehe lieber mit Leichtigkeit und «tänzelnd» durch meine Konflikte. Das hat zur Folge, dass wir uns beide nicht mehr verstehen. Es ist, als würden wir eine andere Sprache sprechen. Er sagt was er denkt und wahrnimmt... Ich habe den Eindruck, ich werde für mein SEIN verurteilt und nicht wirklich gesehen. Das Schlachtfeld ist eröffnet...
Glücklicher Weise konnten wir uns mittlerweile diesbezüglich schon etwas kennenlernen. Er sieht meine Muster und ich sehe seine. Das heisst zwar nicht, dass wir es immer schaffen direkt auszusteigen oder «die Kurve kriegen», aber wir können besser Einfluss auf die Situation nehmen. Für mich bedeutet es, dass ich sagen kann, wenn ich den Eindruck habe, dass er auf mich «einschiesst» oder zumindest merke, dass ich den Schüssen gut ausweiche oder sie abprallen. Früher habe ich vieles davon sehr persönlich genommen. Heute sorge ich dafür, dass ich mich abgrenze und auch mal sage, dass ich so gerade nicht sprechen kann.
Damit ich aus meinem «Erwachsenen-ICH» reagieren kann, benötige ich Zeit zum Reflektieren. Ich will stets verstehen, weshalb ich bin wie ich bin und warum ein Mensch gewisse Gedanken und Emotionen in mir auslöst.
In den letzten Tagen durfte ich durch Prozesse gehen, die sich alles andere als angenehm anfühlten. Wieder fühlte ich mich alleingelassen und nicht wahrgenommen.
Letzte Nacht kam plötzlich die Erkenntnis. Jahrelang hatte ich versucht die Beziehung zu meinem Vater aufrecht zu erhalten. Das war mir bereits bewusst. Doch wieviel es mit meiner aktuellen Beziehung zutun hat ist mir erst jetzt klar. Das traf so tief ins Herz, dass ich nur noch weinen konnte. Bitterlich weinen... Es war nicht mehr aufzuhalten. Endlich kam ALLES ans Licht!
Als Jugendliche kam ich zu einer Familie. Anscheinend sollte ich für zwei Wochen dort bleiben. Während er mit seiner neuen Frau beruflich unterwegs war. Wie bereits in meinem letzten Post erwähnt, ist mein Vater Zauberkünstler... Als Kind war ich es gewohnt mehrheitlich von Aupairmädchen und meiner Grossmutter umgeben zu sein. Zunächst dachte ich mir nichts dabei, als ich in die Familie kam und freute mich über diese neue Erfahrung. Doch Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr vergingen... Zwischendurch nahm ich immer wieder Kontakt zu meinem Vater auf. Jedoch ohne grossen Erfolg. Das letzte Mal sah ich ihn vor 12 Jahren, als Lorena zur Welt kam. Leider endete dieses Treffen mit Schuldzuweisungen und Verurteilungen.
Heute bin ich der Meinung, dass Erwachsene zu 100% die Verantwortung dafür tragen, wie ihre Beziehung zu Kindern ist. Für mich spielt es dabei keine Rolle, ob es die eigenen Kinder oder fremde Kinder sind. Diese Verantwortung hat mein Vater nicht wahrgenommen. Vermutlich wusste er auch nicht wie und war unsicher. Ich mache ihm keinen Vorwurf. Ich liebe ihn für alles, wofür ich ihn früher gehasst habe. Ich bin dankbar, dass ich mein Leben auf diese Weise erfahren durfte.
Mir ist jetzt bewusst, dass ich in den Eindruck habe, ich wäre dafür verantwortlich die Verbindung und Beziehung zu meinem Partner zu halten. Ich fühle mich enttäuscht und «links liegen gelassen» wenn es mir schlecht geht und er nicht bei mir ist. Obwohl ich (aus meinem Muster heraus) kommuniziere, dass ich alleine klar komme.
Den Schmerz, den ich im Herzen trage, darf ich annehmen. So wie ich annehmen darf, dass mein Partner für mich da sein möchte. Wie mir das gelingen wird, weiss ich jetzt noch nicht. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass es mir gelingen wird!
Ich wünsche dir einen fantastischen Tag voller selbstwirksamer Momente.
Deine Sandy Kinnigkeit