11/01/2022
Prominente über Aufstieg
16 Buchautoren, darunter der Bundestagsabgeordnete Gero Hocker, entwickeln Visionen
Achim. "Aufstieg" ist der Titel eines Buches, in dem 16 prominente Autoren vom Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Kubicki und weiteren Liberalen wie dem Achimer FDP-Bundestagsabgeordneten Gero Hocker bis zur Bundesvorsitzenden Junger Unternehmer und Familienunternehmer Sarna Röser und dem Ex-Profifußballer Ingo Anderbrügge Vorschläge für die Zukunft Deutschlands entwickeln. Es geht um ein weites Feld zwischen Chancengleichheit, Förderung, Leistung, Erfolg, die individuelle wie gesellschaftliche Zukunft. Den gemeinsamen Nenner formuliert Wolfgang Kubicki prägnant: "Die wichtigste Aufgabe des freiheitlichen Staates ist die Verwirklichung de Chancengleichheit am Start und die Ermöglichung von Ungleichheit am Ziel."
Der Achimer Bundestagsabgeordnete Gero Hocker schildert anhand seiner Biografie, dass gleiche Chancen für alle formal verwirklicht seien ganz im Unterschied zur Generation seines Vaters, der als 17-Jähriger noch Soldat der Wehrmacht wurde und dann zum Glück in amerikanische statt russische Gefangenschaft kam und nicht in der sowjetisch besetzten Zone, der späteren DDR, landete, in der die politische Gesinnung der Familie über die Entwicklungsmöglichkeiten des Individuums entschied.
Auch wenn Bildung nicht mehr vom Portemonnaie der Eltern abhänge, ist es für Hocker unstrittig, dass die Sozialisation, Vorstellungen, Vorbilder in Elternhaus und Freundeskreis noch stark den Bildungs- und Berufsweg der Kinder prägten, dass es eine große Rolle spiele, ob Eltern Akademiker, Handwerker oder Arbeiter seien. Der Staat könne dies nicht ändern, sondern nur Anreize und Möglichkeiten zu auch anderen Lebensentwürfen bieten.
Dass Gero Hocker als Sohn eines Vertrieblers zunächst nur die Empfehlung zur Realschule bekommen hatte, hat ihn nicht verletzt, weil er nach eigenen Worten kein überdurchschnittlich guter Schüler war. Bis heute verstört ihn die Begründung allerdings, er komme aus einem bildungsfernen Milieu. Hocker dazu: " Es konterkariert individuellen Ehrgeiz und Leistungswillen, zementiert die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht und konserviert den geselllschaftlichen Status quo, wenn das gesellschaftliche Milieu und nicht die individuelle Befähigung und Leistung den Ausschlag für die Empfehlung über die künftige schulische Laufbahn gibt."
Gero Hocker machte dennoch seinen Weg auch durch den Appell eines Lehrers, er müsse für seine Berufswünsche aufs Gymnasium, und so wurde aus dem Jungen aus dem angeblich bildungsfernen Milieu noch ein promovierter Volkswirt und Politiker.
Für den Erfolg oder auch das Versagen von Schule ist für Hocker nicht primär entscheidend, wieviel Geld in sie investiert werde oder in welchem schlechten Zustand Toiletten hier und da seien. Entscheidend sei, ob Schule ein Spiegelbild der Gesellschaft sei und eine Komforthaltung vermittle ohne Noten in den ersten Schuljahren, mit sinkenden Leistungsanforderungen und geschönten Noten fürs Abitur oder ob sie ermuntere zu Leistungsbereitschaft und Wagemut, eventuell auch im Konflikt zum Elternhaus. Pädagogen sollten Potenziale der Schüler erkennen, fördern und Wege öffnen.
Hocker beklagt weiter, dass gesellschaftliche Vorbilder und Akzeptanz für Wagemut, Leistungswillen, Fleiß, Disziplin, Neugier und Aufstieg fehlten. Wenn Prominente vom Unternehmer bis zum Politiker schon bei kleinsten Fehltritten öffentlich mit Häme und Neid bedacht würden, sei es kein Wunder, dass viele sich lieber in der ruhigen Komfortzone aufhalten möchten und ihre mögliche persönliche Karriere vorzeitig beendeten.
Anstatt Kindern und Jugendlichen höhere Ambitionen wegen der Risiken auszureden sollte laut Hocker " ein gesellschaftlicher Geist entstehen, dass Scheitern keine Katastrophe, sondern Teil des Alltags ist. So sollte Schule wirklich vorbereiten auf die statistisch gesehen etwa 65 Lebensjahre nach der Schule.
Da liegt der ganz auf einer Linie mit dem Bundestagsvizepräsidenten Kubicki, der es sportlich formuliert:
"In der Fußballbundesliga wird das Ringen um den Aufstieg zelebriert. Der Absteiger bekommt in der kommenden Saison eine faire Chance, wieder aufzusteigen.Warum sollte diese Fairness nicht auch im Berufs- und Geschäftsleben gelten?
Das 283 Seiten starke Buch "Aufstieg, 16 Vorschläge für die Zukunft Deutschlands" ist im Finanzbuchverlag, München, erschienen.