13/07/2026
Das goldene Schotter-Filet von Büdingen
Man muss der neuen Koalition aus CDU und FWG im Büdinger Rathaus eines lassen: Sie verstehen es, echte Meilensteine zu setzen. Ein „Impuls“ für die Innenstadt soll es werden, ein waschechter „Mobilitätsknotenpunkt“, wie das Papier der Koalition verheißungsvoll flötet. Klingt nach Zukunft, nach Metropole, nach der großen weiten Welt. In der Büdinger Realität ist es dann aber doch nur: ein Schotterplatz. Für fast eine Million Euro.
Wenn man die rund 892.500 Euro Gesamtkosten auf die 40 geplanten Stellplätze umlegt, kostet ein einziger neuer Parkplatz schlappe 22.300 Euro. Die unfassbaren Kosten stehen jedenfalls in absolut keinem Verhältnis zu den erhofften Vorteilen. Aber hey, wer braucht schon eine sanierte Brücke in Rinderbügen, wenn man in der Kernstadt sein Auto standesgemäß auf einem städtischen Premium-Schotterbett abstellen kann?
Das Timing dieses Geniestreichs spricht derweil Bände. In neun Monaten, im April 2027, öffnet die Landesgartenschau ihre Tore. Und plötzlich – welch Blitzgedanke! – fällt manchen im Rathaus auf, dass die erwarteten Gäste ihre Fahrzeuge vielleicht nicht einfach am Stadtrand in Luft auflösen können. Dass man das Parkplatzproblem erst neun Monate vor der Eröffnung mit einer panischen Kaufaktion angeht, entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik. Vom ominösen Shuttle-Betrieb, der eigentlich von zentraler, geradezu überlebenswichtiger Bedeutung für eine funktionierende LGS wäre, redet merkwürdigerweise kaum noch jemand.
Dabei bräuchte es für die Lenkung der LGS-Touristen zu diesem hochmodernen „Mobilitätsknoten“ zwingend ein funktionierendes digitales Verkehrsleitsystem. Ohne ein solches wird niemand das versteckte Millionen-Filetstück finden. Doch seien wir ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches System pünktlich zur LGS installiert, geschweige denn fehlerfrei nutzbar sein wird, geht in unserer schönen Stadt verlässlich gegen null. Bis die Schilder digital blinken, ist die Gartenschau längst verblüht.
Der absolute Treppenwitz dieser städtebaulichen Meisterleistung offenbart sich jedoch erst am Schluss, wenn man sich die reale Belegung der Fläche vor Augen führt. 40 Plätze sollen es werden. Ein Segen für den Einzelhandel? Von wegen. Die neuen Parkplätze werden nämlich zielsicher von der neuen Gastronomie der SG Büdingen aufgefressen werden. Um überhaupt an den Start gehen zu dürfen, benötigt diese bekanntermaßen mindestens 20 Stellplätze.
Damit ist die Hälfte des sündhaft teuren Areals quasi schon exklusiv für Schnitzel- und Bierkonsumenten des Vereins reserviert. Die Schildbürger, man muss es der Opposition an dieser Stelle lassen, hätten es wirklich nicht schöner planen können.