06/07/2026
Dieser Beitrag muss ohne symbolträchtiges Foto auskommen. Kehren wir zurück in die Zeit, in der man noch Zeit für Inhalte hatte.
W11 - Das Windvorranggebiet am Hetzeberg. Die rechtliche Lage ist komplex, die Stimmung aufgeheizt, die Antwort allerdings dann doch kurz: Wer in der derzeitigen rechtlichen Lage gegen Windkraft im Wald ist, muss für die Stellungnahme der Stadt Bad Salzungen zum Regionalplan sein. Klingt zwar komisch, ist aber so.
Wir hatten unsere Haltung bereits umfangreich in einer Pressemitteilung dargelegt. Gerne fügen wir diese auch nochmals bei. Wer sich zu dem Thema in der Tiefe austauschen möchte, ist herzlich zu einem unserer nächsten Stammtische eingeladen! Denn so einfach die obige Schlussfolgerung ist - tatsächlich hängt dann doch wesentlich mehr dran. Zu viel, um es über Facebook auszutragen, wie es nun an anderer Stelle stattfindet. Wir sehen uns zum ordentlichen Gespräch!
Bad Salzungen, 25.06.2026
Die CDU Salzunger Land sieht das geplante Windvorranggebiet W-11 „Hetzeberg" im 2. Entwurf des Regionalplans Südwestthüringen in der vorliegenden Form kritisch. Nach der Einwohnerversammlung möchte die CDU ihre Position mit Blick auf die berechtigten Bedenken vor Ort einordnen.
Worum geht es überhaupt? Der Regionalplan Südwestthüringen ist ein übergeordnetes Planwerk, das festlegt, wie der Raum in unserer Region genutzt werden soll. Hier wird beispielsweise geplant, wo gesiedelt, wo Landwirtschaft betrieben und wo Windenergie gebündelt werden soll. Ein sogenanntes Vorranggebiet Windenergie weist Flächen aus, auf denen die Windkraft Vorrang vor anderen Nutzungen haben soll. Bevor ein solcher Plan beschlossen wird, dürfen sich Städte, Behörden und Bürger im Rahmen einer öffentlichen Auslegung dazu äußern.
Wichtig zum Verständnis ist, dass es sich um ein zweistufiges Verfahren handelt. Auf dieser ersten Stufe – dem Regionalplan – geht es allein um die Frage, wo Windenergie grundsätzlich Vorrang haben soll. Ein Baurecht für konkrete Windräder entsteht dadurch noch nicht. Erst auf einer zweiten Stufe, im späteren Genehmigungsverfahren, wird über einzelne Anlagen entschieden – über Standort, Höhe und Zahl. Selbst wenn das Vorranggebiet also beschlossen wird, ist über die konkreten Anlagen noch nichts entschieden, und auch an diesem nachgelagerten Verfahren ist die Stadt beteiligt.
„Wir reden hier über Raumordnung, nicht über fertige Baupläne", erklärt Enrico Demski, Vorsitzender der CDU Salzunger Land. „Der Regionalplan bringt zunächst Ordnung in die Frage, wo Windenergie überhaupt Vorrang haben soll. Ein Baurecht für konkrete Anlagen entsteht dadurch noch nicht. Das ist eine zweite, eigene Stufe, an der auch die kommunale Ebene mitwirkt. So funktioniert ein Rechtsstaat. Die vorgelagerte, überregionale Raumordnung für Südwestthüringen ist ein wichtiger Bestandteil der zukunftsfähigen Entwicklung unserer Heimat. Sie berücksichtigt eine Vielzahl fachlicher Kriterien. Der Blick in die Unterlagen lohnt sich für jede Bürgerin und jeden Bürger."
Dass sich dieser Einblick lohnt, zeigt der umfangreiche Inhalt über das Thema Windkraft hinaus: Für Bad Salzungen enthält der Regionalplan an anderer Stelle ausdrücklich positive Festlegungen. Die Stadt wird als Mittelzentrum bestätigt, also als Versorgungs- und Entwicklungsschwerpunkt für das gesamte Umland. Zugleich hebt der Plan Bad Salzungen als staatlich anerkannten Kurort und Sole-Heilbad hervor und benennt als Ziel, die Heilbadfunktion mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Einklang zu bringen, das Kur- und Bäderwesen weiter auszubauen und die überörtlich bedeutsame Tourismusfunktion unter Nutzung der Werraaue zu stärken. Auch als Gemeinde mit überörtlich bedeutsamer Tourismusfunktion ist Bad Salzungen ausdrücklich ausgewiesen. Hinzu kommen Ziele für eine bessere Anbindung an das Autobahnnetz. Der Plan eröffnet unserer Region wichtige Entwicklungschancen, weshalb es sich lohnt, ihn als Ganzes ernst zu nehmen und nur dort nachzubessern, wo es nötig ist.
Grundsätzlich ist eine sichere und von anderen Ländern unabhängige Energieversorgung dabei ein wichtiges Ziel, das die CDU Salzunger Land ausdrücklich anerkennt. Das entbindet aber nicht von der Pflicht den vorliegen Planentwurf sorgfältig zu prüfen und sachlich zu hinterfragen, ob ein einzelner Standort dafür wirklich geeignet ist. Genau hier setzt die Kritik der CDU Salzunger Land an.
Das aktuell ausgewiesene und rund 200 Hektar große Gebiet liegt in einem bislang nicht durch Windkraft geprägten, nahezu vollständig bewaldeten Raum. Rund 40 Prozent der Fläche liegen in einem amtlich ausgewiesenen Subrosionsgebiet und damit einem Bereich mit bekannten Senkungs- und Erdfallrisiken, wie sie an der Bahnstrecke bei Oberrohn seit Jahrzehnten dokumentiert sind. Mehrere Ortschaften wie Unterrohn, Oberrohn, Röhrigshof, Hüttenhof, Weißendiez und Tiefenort liegen im näheren Umfeld. Auch für das Landschaftsbild, die Naherholung und die Funktion Bad Salzungens als Kurstadt sieht die CDU Salzunger Land erhebliche Konflikte. Das sind legitime, fachlich belegte Gründe, die geplante Abgrenzung im Stadtgebiet kritisch zu sehen.
Stadtratsmitglied Elisa Scholz betont: „Verantwortungsbewusst zu handeln heißt für uns aufzuklären, nicht aufzuheizen. Dass es die Raumordnung braucht, stellen wir nicht infrage, aber sie muss am richtigen Ort ansetzen und das ist unserer Ansicht nach beim Gebiet W-11 nicht der Fall."
Daher fordert die CDU Salzunger Land von der Planungsgemeinschaft eine erneute Prüfung und eine deutliche Reduzierung der ausgewiesenen Fläche.