20/06/2026
Mit den Recherchen zu unserem Haus Käthe 35 hatte ich 2018/19 das Glück, mit Gaby Heys Guffey die Tochter des Halbbruders von Egon Heysemann ( https://kaethe35.de/38 ) in Florida zu finden.
Wir verdanken ihr einige Aufnahmen von Egon und seiner Mutter Gerta, mit der er um 1939 bei uns im Haus lebte. Nachdem Egon um 1939-41 dann (wie die Enkel unseres Eigentümers, Peter und Werner Gossels) in Quincy-sous-Sénart in Frankreich in Sicherheit war, kehrte er zu seiner Mutter hier im Haus zurück und zog noch mit ihr zu seinem Stiefvater in die Treuchtlingerstr. 4 ( https://treuchtlinger4.de ), bevor dann alle drei 1942 spurlos im Ghetto Piaski verschwanden. Nur eine Postkarte von Egon an seinen Freund Rolf Rotschild in Schweden blieb als letztes Lebenszeichen erhalten.
Wir sind dankbar für jedes Portrait, was wir den 83 Namen unserer Stillen Klingeltafel zuordnen konnten. Im Fall von Egon Heysemann sehen wir den schätzungsweise 10-Jährigen um 1935 mit gestärktem Hemdkragen und im Anzug vor einem Gebäude mit markanter Dachlandschaft. Wo das Foto entstand, war uns bislang nicht bekannt und auch nicht herauszufinden. Nach erneuter (KI-gestützter) Suche fand sich nun die Lösung:
Egon Heysemann stand hier vor dem Kurhaus von Zoppot (heute Sopot), einem Vorort nordwestlich von Danzig (Gdańsk). Hier verbrachte er vermutlich Urlaub mit der Familie, ca. 3 Std. Zugfahrt nordöstlich seiner Heimatstadt Flatow (Złotów). Das Kurhaus an der Seebrücke wurde in dieser Form um 1910 nach Plänen von Karl Weber (geb. 1870 in Berlin, gefallen 1915, Familiengrab Friedhöfe Bergmannstraße) gebaut, Teile der in einen Neubau integrierten Fassade noch heute zu erkennen – damit auch die Stelle, an der Egon Heysemann stand.