24/08/2026
„Verminderung der Bandgeschwindigkeiten, Senkung des Arbeitstempos, Verbesserung der Arbeitsbedingungen, sechs Wochen Urlaub, eine Mark mehr für alle, Wiedereinstellung der Entlassenen, Bezahlung der Streikstunden.“
So lauteten die Forderungen der rund 10.000 Beschäftigten des Kölner Ford-Werks, die Ende August 1973 die Arbeit niederlegten. Es handelte sich um türkeistämmige Arbeitsmigrant*innen, die zu diesem Zeitpunkt ein Drittel der Belegschaft bei Ford ausmachten. Da die IG Metall und der Betriebsrat die Unterstützung verweigert hatten, besetzten die Streikenden die Fabrik und wählten eine eigene Streikleitung.
Der spontane Streik dauerte sieben Tage an und sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Grund für den Unmut der Streikenden war, dass sie bei Ford meist die am schlechtesten bezahlten und gleichzeitig schwersten Arbeiten am Fließband und in der Endmontage ausüben mussten. Auch war ihrer Forderung nach unbezahltem Urlaub nicht entsprochen worden, sodass nun rund 300 türkische Arbeiter, die zu spät aus dem Urlaub zurückgekehrt waren, entlassen werden sollten.
Nachdem manche deutschen Arbeiter zunächst mit den türkeistämmigen Kollegen sympathisiert hatten, distanzierten sie sich zunehmend. Der spontane Streik endete letztlich in einer Niederlage. Gegen die Streikenden gingen Schlägertrupps vor, sogar der Verfassungsschutz schaltete sich ein, Baha Targün, Sprecher des Streikkomitees, wurde in die Türkei ausgewiesen.
Der Streik bei Ford 1973 war der Höhepunkt der bis heute größten Welle unkontrollierter Arbeitskämpfe in der Geschichte der Bundesrepublik. Im Jahr 1973 nahmen etwa 275.000 Beschäftigte an über 300 nicht genehmigten Streiks teil. Der Ford-Streik war der erste große Arbeitskampf in der BRD, der vorwiegend von Migranten getragen wurde.