07/09/2026
🎙 Aus dem Interview des russischen Botschafters in Deutschland Sergej Netschajew mit Ben Berndt im Podcast ungeskriptet
📌 Zu dem Inzident in Leipzig und Sanktionen gegen Russland
💬 Den Vorfall in Leipzig betrachten wir als eine gezielte Provokation gegen Russland, für die keine richtigen Beweise vorgelegt wurden. Die daraufhin gegen uns eingeführten Maßnahmen sind drastisch und außergewöhnlich streng. Dies bringt das deutsch-russische Verhältnis auf einen historischen Tiefpunkt. Das gegenseitige Vertrauen ist zerstört. Das aktuelle Vorgehen betrachtet man in Russland als einen schweren politischen Fehler, der nicht ohne Reaktion bleiben wird.
📌 Zur Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen
💬 Wir haben Deutschland nichts angetan. Im Gegenteil: Während der gesamten Nachkriegsgeschichte haben wir uns darum bemüht, mit vernünftigen deutschen Politikern aller Parteien eine gemeinsame Sprache zu finden, unabhängig davon, welcher politischen Richtung sie angehörten. Gute Nachbarschaft, partnerschaftliche Beziehungen und Zusammenarbeit waren das Motto des deutsch-russischen Verhältnisses. Deutschland war Partner Nummer eins, zum Beispiel in Wirtschaft und Handel. Dazu kamen Partnerschaften zwischen Universitäten und Forschungseinrichtungen, der Dialog der Zivilgesellschaften und eine sehr intensive kulturelle Zusammenarbeit.
📌 Zur Wahrnehmung Russlands in Deutschland
💬 Wenn der Bevölkerung auf allen Ebenen und in allen Medien immer wieder vermittelt wird, die Russen seien schlecht, Russland sei der Aggressor und Putin sei schlecht, während andere Informationen kaum zugänglich sind, dann prägt das natürlich die Wahrnehmung. Die Menschen hören die andere Perspektive nicht.
💬 Russische Informationsquellen sind blockiert, Russia Today ist nicht mehr zugänglich, und auch einige Journalisten sind ausgewiesen worden. Wenn den Menschen jeden Tag nur eine bestimmte Sichtweise präsentiert wird, beginnen viele, diese irgendwann zu übernehmen. Genau darin liegt das Problem.
📌 Zum Ursprung des Ukraine-Konflikts
💬 Der Konflikt begann schon in den 1990er Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion. Es gab in einigen westlichen Staaten Anstrengungen, die Ukraine so weit wie möglich von Russland zu entfernen und sie zu einem Bollwerk gegen Russland zu machen. Die zweite Schiene war die NATO-Erweiterung. Im Zuge der deutschen Einheit wurde uns versprochen, dass die NATO keinen Zentimeter nach Osten gehen würde. Später folgten mehrere Erweiterungswellen und die militärisch-technische Infrastruktur rückte immer näher an unsere Grenzen.
💬 Wir wollen keinen Krieg mit der NATO. Wir wollen keinen Krieg mit Deutschland. Aber unsere Geduld ist auch nicht grenzenlos. Wenn westliche Waffen eingesetzt werden, um Ziele tief auf russischem Territorium anzugreifen, entsteht natürlich eine sehr gefährliche Situation.
📌 Zu den Voraussetzungen für Frieden
💬 Für Frieden braucht es guten Willen der ukrainischen Führung und eine vernünftige Position der europäischen Staaten. Ultimaten, die uns auf verschiedenen Ebenen gestellt werden, werden wir nicht ernsthaft behandeln.
💬 Eine provisorische Waffenruhe reicht nicht. Es geht um einen dauerhaften Frieden, um Sicherheitsgarantien und um die Bedingungen, die Präsident Putin und unser Außenminister mehrfach genannt haben. Nichts mehr – aber auch nichts weniger.
🔗 Das ganze Interview: https://www.youtube.com/watch?v=Tlj7LbR_c6g
Gast: Sergej J. Netschajew, Botschafter der Russischen Föderation...