02/09/2026
"Kleintransporter haben Aufträge bekommen, weil sie lange Strecken in kurzer Zeit gefahren sind und billig waren.", sagt uns ein polnischer Fahrer, als wir ihn nach der neuen Tachopflicht fragen, die seit dem 1.Juli dieses Jahres für Kleintransporter gilt. Ob schnell und billig nun vorbei sei? "Ich bin selbstständig und werde pro Fracht, nicht pro Stunde bezahlt. Aber vorher bin ich 120 Km/h gefahren, jetzt muss ich deutlich schneller fahren, um mehr Frachten einsammeln zu können, sonst lohnt es sich nicht." Einige Arbeitgeber hätten deswegen das ausbeuterische Geschäft schon aufgegeben."
Ein anderer Fahrer berichtet, dass sein Arbeitgeber einen alten Tacho verbaut habe, was rechtswidrig ist. Der Tacho habe nicht alle Daten aufgezeichnet und der Fahrer dafür in Österreich eine Strafe über 900 Euro bekommen. "Ob der Arbeitgeber das zahlt, weiß ich nicht. Aber wenn ich ihn jetzt frage, ob er das übernimmt, macht er mir bestimmt andere Probleme." Er war sehr dankbar, dass wir ihm unsere Kontaktdaten hinterlassen haben.
Bei einer Aktion auf dem Rastplatz Fichtenplan bei Berlin sprachen wir neben Fahrern von Kleintransporter auch mit Lkw-Fahrern. Wie häufig trafen wir neben Fahrern aus Rumänien und Polen auch auf Fahrer aus Ukraine, Belarus und Philippinen. Sie berichteten, dass die Bedingungen schwierig sind, sie aber keinen besseren Job fänden. Ein polnischer Fahrer zeigt Verständnis für die Kollegen: "Ich habe Glück, ich fahre immer die gleiche Tour, bin jede Woche zuhause. Die Bedingungen im internationalen Verkehr werden immer schlechter. Das würde ich mir nicht mehr bieten lassen. Die Fahrer tun mir leid, müssen Monate lang in der Kabine schlafen. Aber einen Job mit meinen Bedingungen gibt es in der Branche kaum noch."