15/06/2026
Transit oder Ankunft?
Das Anna-Seghers-Museum (ein Teil des Archivs der Akademie der Künste) im Ost-Berliner Stadtteil Adlershof erwartet dreimal in der Woche seine Besucherinnen und Besucher, die sich für das Leben der Schriftstellerin Anna Seghers interessieren. In einer authentischen Umgebung, ihrer ehemaligen Wohnung, erfasst einen der Geist der DDR in einer unerwartet weltoffenen Variation.
Durch ihren ungarischen Ehemann, den Philosophen László Radványi, ist dieses Oeuvre eng mit Ungarn verbunden: Georg Lukács (Lukács György) bildet dabei die Brücke, ebenso sein Sonntagskreis, zu dem auch der junge Radványi gehörte. In dieser Berliner Wohnung lebte das Ehepaar Radványi/Seghers – oder, da sie beide recht viele Namen hatten, Rodi und Netty – mit seinen beiden Kindern. Wie ist es also möglich, ein solches Domizil als ein reines Autorenarchiv zu verstehen? Wieso kann die Wohnung einer Frau aus den ersten Reihen der Partei so faszinierend vielfältig wirken?
Anna Seghers’ berühmter Roman Transit spielt in der Zeit des Nationalsozialismus und erzählt von der Flucht durch Frankreich nach Mexiko. Kann man ihr Leben und vielleicht auch ihr Werk als einen Transit verstehen? Wo ist sie angekommen? Ist sie jemals angekommen? Es gibt im Museum eine Führung, sehr gekonnt, die weit über das hinausgeht, was unsere Schulbildung oder das Studium vermitteln, doch die Antworten muss man selbst finden.
Wir vom Fach Ungarisch der Humboldt-Universität erhielten am Sonntag eine faszinierende Führung durch Leben und Werk von Anna Seghers, die wir nur jedem gern weiterempfehlen können.
Infos:
Anna-Seghers-Museum | Akademie der Künste https://adk.de/archiv-der-kuenste/archiv-museen/anna-seghers-museum
Eine lange Nacht über Anna Seghers im DLF Kultur – Anna Seghers Gesellschaft https://anna-seghers.de/eine-lange-nacht-ueber-anna-seghers-im-dlf-kultur/