21/06/2024
Wir müssen Klartext reden❗️
Geld für Bauwerke aber nicht für die Menschen❓
In den zurückliegenden Jahren haben sich in der Verbandsgemeinde wesentliche Eckpfeiler eines ausgewogenen Sozialraumes nur wenig zufriedenstellend entwickelt. In diesem Beitrag will ich neben der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit auch einen Fokus auf die Gemeindeschwester und die Thematik Versorgungssicherheit im Alter legen. Der Beitrag ist wieder etwas umfangreicher (und am Anfang etwas technisch) – ich würde mich jedoch sehr über eure Meinung dazu am Ende freuen.
Kinder-, Jugend- und Familienarbeit 👨👩👧👦👧👲
Vor mehr als anderthalb Jahren wurde im Kreistag eine besorgniserregende Sozialraumanalyse vorgestellt. Ein Blick auf die Fallzahlen und Eckwerte der Hilfen zur Erziehung zeigt, dass der Sozialraum Hermeskeil in allen Kategorien trauriger Spitzenreiter und Werte weit über dem Kreisdurchschnitt aufweist. Aus der Analyse ging beispielsweise hervor, dass die „Hilfe zur Erziehung“ (HzE)-Maßnahmen fast beim Doppelten vom Kreisdurchschnitt liegen. Noch alarmierender sind 9,9 stationäre Hilfen pro 1.000 Jugendliche gegenüber 5,4 im Kreis.
➡️ Nur um das zu verdeutlichen: Die Kosten für Unterbringung und Hilfe eines/einer Jugendlichen belaufen sich auf rund 72.000 Euro pro Jahr. Die Gesamtkosten für eine Jugendpfleger-Stelle belaufen sich auf genauso viel – allerdings würde sich der Restanteil der VG durch fixe Förderungen des Landkreises und des Landes über Programme wie "Dezentrale Jugendarbeit" und "Mobile Jugendarbeit" auf etwa 37.199,96 Euro reduzieren.
Der Antrag der SPD-Fraktion im Verbandsgemeinderat auf eine zweite Jugendpflegerstelle wurde von CDU/FWG leider abgelehnt. Das ist umso bedauerlicher, als die derzeitige Stelle ab dem 1.10. unbesetzt sein wird. Nicht nur hat man die Chance einer Einarbeitung grandios vertan, geschweige Sorge getragen, Jugendarbeit in einer großen Verbandsgemeinde mit immerhin 13 Einzelgemeinden angemessen wirksam werden zu lassen.
➡️ Warum sehen wir eine solche Stelle als elementar wichtig an?
Die Pandemie hat eines erneut sehr deutlich gezeigt: Jugendverbandsarbeit, kommunale Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit brauchen eine deutlich stärkere strukturelle Absicherung. Leistungen und Angebote der Jugendarbeit eröffnen elementar wichtige, non-formale und informelle Bildungs- und Lernorte und schaffen Gelegenheitsstrukturen und Räume, damit Jugendliche und junge Erwachsene jugendtypische Interessen ausleben und entsprechend neue und andere Formen gesellschaftlicher Handlungsmöglichkeiten entwickeln können. Teilhabe ist hierbei das zentrale Thema und spielt mit Blick auf unsere Sozialraumstruktur eine umso wichtigere Rolle: Wir haben in unserer Region – speziell in der Verbandsgemeinde Hermeskeil – ein Problem mit (versteckter) Armut. Umso wertvoller ist hierbei auch die Arbeit der Pfarrei und des Mehrgenerationenhauses mit ihren meist kostenfreien Angeboten. Demnach muss auch das MGH künftig eine stetigere und stärkere Unterstützung erhalten. Eine stärkere Bündelung unserer (gemeinsamen) Angebotsstruktur sollte hierbei unser Ziel sein. ❤️
Die GemeindeschwesterPlus 💓
🔸Kurze Definition vorneweg: Das Angebot "GemeindeschwesterPlus" richtet sich an hochbetagte Menschen, die noch keine Pflege brauchen, sondern Unterstützung und Beratung in ihrem aktuellen Lebensabschnitt. Die GemeindeschwesterPlus besucht die Menschen nach deren vorheriger Zustimmung zu Hause und berät sie kostenlos und individuell.🔸
Mit Hilfe der Landesregierung konnte in der VG das Projekt „GemeindeschwesterPlus“ umgesetzt werden, das eine sehr erfolgreiche Anlaufstelle für ältere Bürgerinnen und Bürger darstellt und mit rund 2.000 (!) Anfragen im Jahr mehr als gut angenommen wurde. Das Angebot soll bis zum Jahr 2026 flächendeckend eingeführt werden, aber in der VG Hermeskeil steht zu befürchten, dass die Finanzierung des Angebots nicht gegeben ist. Die Weiterfinanzierung sicherzustellen, sehe ich den Verbandsbürgermeister in der Pflicht. Ein einfacher Ausdruck des Bedauerns ist tatsächlich nicht ausreichend und führt nicht weiter. Statt hier zu handeln und Perspektiven zu schaffen, wird das Thema jedes Jahr aufs Neue zur Debatte gestellt. Schade!
Versorgung im Alter 👩🦳👴
In der hervorragenden Veranstaltung mit dem Minister für Arbeit und Soziales, Alexander Schweitzer, zum Thema „Rente gestern, heute und morgen“ hatte sich die SPD in der VG Hermeskeil intensiv mit der Lohnentwicklung in den Ortsgemeinden auseinandergesetzt. In der Konsequenz sind auch die Rentenbezüge nicht ausreichend; vor allem die Einkommen und Renten von Frauen sind erschreckend gering. Ein wesentliches Argument dafür sind die geringen Durchschnittslöhne aus Minijobs und nicht tarifgebundenen Arbeitsverhältnissen in Teilzeit und in Vollzeit. Deshalb werde ich im Falle einer Wahl als Bürgermeisterin besondere Aufmerksamkeit auf das rheinland-pfälzische Tariftreuegesetz legen und die Räte in den Ortsgemeinden und der Stadt entsprechend beraten. Was aber darüber hinaus erforderlich sein wird, ist die Einrichtung einer Beraterrolle mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkstrukturen in der Verbandsgemeinde, die den Bürgerinnen und Bürgern hilft, finanzielle Unterstützungen durch die Deutsche Rentenversicherung, den Landkreis Trier-Saarburg oder die Bundesagentur für Arbeit zu erhalten. Ganz viele Menschen unter uns wissen oft gar nicht, dass ihnen Hilfen zustehen. Hier gilt es, Scheu oder Scham zu beheben und Unterstützungsleistungen als das zu offerieren, was sie sind: Selbstverständlich.