24/08/2026
Neue Straßen bedeuten mehr Verkehr
Straßenbau gilt oft als Antwort auf Staus, doch Experten sehen das kritisch, darunter auch Verkehrsforscher Helmut Holzapfel. „90 Prozent aller Entlastungsstraßen führen am Ende zu mehr Verkehr“, sagt er. Ein entscheidender Grund: Durch den Bau neuer Straßen würden mehr Menschen mit dem Auto fahren, weil es für sie attraktiver sei. Es gehe schneller. Der öffentliche Nahverkehr werde weniger genutzt.
Man lege im Auto automatisch auch weitere Strecken zurück. Das habe Folgen für die Stadt: Wer bequem ins nächste größere Geschäft fahren könne, verzichte eher auf den kleinen Laden um die Ecke.
Auch die Wirtschaft nutzt die neuen Kapazitäten sofort. Holzapfel verweist auf die Logistikbranche: Wenn Straßen schneller seien, lohne es sich weniger, Waren zwischenzulagern. Am Ende bedeute das: noch mehr Verkehr.
„Wir nennen das als Fachleute Teufelskreis der Verkehrsplanung. Damit muss ein Ende sein“, so Holzapfel. Jede neue Autobahn produziere ein neues Nadelöhr – nämlich dort, wo sie ende. „Insofern müssten wir dann immer weiterbauen.“ Neben den Kosten der Neubauten komme auch die Wartung dieses riesigen Verkehrsnetzes an Straßen hinzu. Der Verkehrsforscher kritisiert daher auch den Ausbau der A100 in Berlin und bezeichnet dies als „ein Konzept der 50er Jahre.“
Auch internationale Forschung bestätigt diesen Mechanismus des sogenannten induzierten Verkehrs, zum Beispiel eine Analyse der University of California: Autofahrer unternehmen bei dem Ausbau neuer Straßen mehr Fahrten, legen längere Strecken zurück und wählen häufiger das Auto.
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