26/02/2026
Die Fraktion
Zukunftssichere Wärme für Braubach: FBL forciert Machbarkeitsstudie für Nahwärmenetz
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) setzt klare Fristen: Bis Ende 2044 müssen Heizungssysteme auf erneuerbare Energien umgestellt sein, ab 2045 gilt ein striktes Verbot fossiler Brennstoffe. Auch die Abschaffung des alten Heizungsgesetzes vom 24. Feb.2026, die den Vermietern und Verbrauchern damit vorgegaukelt, dass sie sich nicht um eine neue Heiztechnik kümmern müssten, die Energieversorger würden das mit dem Klimaschutz schon machen – hat leider noch zu viele offene Fragen nicht gelöst! Zwar sollen Heizungen z. B. künftig mit einem wachsenden Anteil klimafreundlicher Kraftstoffe betrieben werden, der ab 2029 bei mindestens 10 Prozent liegen soll. Von da an soll der Anteil wachsen, aber wie genau ist unklar. Für viele Hauseigentümer in Braubach, insbesondere in der historischen Altstadt, stellt dies eine enorme Herausforderung dar. Die Freie Bürgerliste (FBL) sieht in einem kommunalen Nahwärmenetz den entscheidenden Ausweg, um Klimaschutz, Denkmalschutz und Kosteneffizienz zu vereinen.
Potenziale vor der Haustür: Ecobat, Stadtwald und Grubenwasser
Die erste Phase der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) hat bereits konkrete Fokusgebiete identifiziert: Die Vorplanung erstreckt sich von ECOBAT über die Brunnenstraße und die Marksburgschule bis hin zur Altstadt und der Philippsburg.„Wir müssen jetzt den zweiten Schritt gehen und eine detaillierte Machbarkeitsstudie beauftragen“, forderte FBL-Stadtrat Florian Gerkens bei der Vorstellung seiner weitergehenden Recherche und Ausarbeitung in der FBL-Fraktion. Im Mittelpunkt stehen dabei lokale Ressourcen:
- Industrielle Abwärme: Allein aus den Kaminen von Ecobat entweichen jährlich ca. 6,4 GWh (Gigawattstunden) Wärme. Die FBL schätzt, dass rund 30 % davon effizient in ein Netz eingespeist werden könnten.
- Heimisches Energieholz: Laut aktueller Information des Forstamtes Lahnstein beträgt der jährliche Zuwachs an Energieholz im Stadtwald ca. 1.600 Festmeter (etwa 4,25 Gigawattstunden pro Jahr).
- Grubenwasser der Grube Rosenberg: Eine Tiefenbohrung im Bereich der Kreuzung Dachsenhäuser-/Emser Straße könnte das konstant warme Wasser der 6. und 7. Tiefbausohle erschließen. Gerkens schätzt das Potenzial für die Grundlast auf ca. 1 GWh pro Jahr.
Unabhängigkeit als Sicherheitsfaktor
In Zeiten globaler Krisen und gezielter Angriffe auf Energieinfrastrukturen gewinnt die lokale Versorgungssicherheit an Bedeutung. Ein autarkes Nahwärmenetz, gestützt durch regionale Energieträger wie Holz und Geothermie, macht Braubach unabhängig von Weltmarktpreisen und instabilen Lieferketten. Notstromaggregate könnten den Heizkreislauf selbst bei großflächigen Stromausfällen aufrechterhalten.
Kritik an Landesplanung: Widersprüche im Rheintal
Kritisch sieht die FBL die Haltung des Landes Rheinland-Pfalz. Während der Bund Klimaneutralität fordert, untersagt der Raumordnungsplan „Mittelrhein-Westerwald“ der Stadt Braubach eigene Windkraft- und Flächen-Photovoltaikanlagen.
„Das ist widersprüchlich“, so die FBL-Fraktion. „Ein autarkes Wärmenetz benötigt Strom für Umwälz-und Wärmepumpen. Wenn uns die eigene Stromerzeugung untersagt wird, erschwert das die Umsetzung massiv.“ Zudem stellt sich die Frage der Ästhetik: Was stört das Welterbe-Landschaftsbild mehr? Maßvoll platzierte Erneuerbare-Energien-Anlagen oder ein Wald aus Wärmepumpen-Außengeräten auf den Dächern der historischen Altstadt?
Nächste Schritte
Ziel der Machbarkeitsstudie muss ein Energiemix sein, der dem Endverbraucher konkurrenzfähige Heizkosten garantiert. Die FBL wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass für die Bürgerinnen und Bürger eine technisch machbare und bezahlbare Lösung geschaffen wird, bevor der Modernisierungsdruck durch das GEG weiter steigt. „Wir haben ein extrem großes Potential an kombinierbaren Möglichkeiten, das damit evtl. große Chancen für ein förderfähiges Pilotprojekt haben könnte. Es gilt nun im Stadtrat zeitnah entsprechende Anträge zu diskutieren und zu beschließen“, so Fraktionssprecher Heinz Scholl in seinen Dankesworten an Florian Gerkens für die geleistete Vorarbeit.