12/06/2026
Fotoausstellung „Gesichter des Lebens“ macht Menschen in Uniform sichtbar
Landrat eröffnete zum „Veteranentag 2026“ die beeindruckende Präsentation im Atrium des Gesundheitsgebäudes.
Kreis Kleve – Hinter jedem Portrait steht eine Geschichte: Soldatinnen und Soldaten, Veteraninnen und Veteranen der Bundeswehr haben einen gemeinsamen Wunsch: von der Gesellschaft stärker wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Sie sind Menschen in Uniform. Oft bleibt der Mensch hinter der Uniform im Verborgenen. Zum „Nationalen Veteranentag 2026“ zeigt der Kreis Kleve die Fotoausstellung „Gesichter des Lebens“ und macht sie mit ihren Geschichten in Wort und Bild sichtbar.
Fotografin Daniela Skrzypczak betont: „Ich sehe den Menschen, nicht die Uniform“. Fotografieren heißt erzählen. Erzählen von den Menschen auf unserer bunten Welt. Dabei braucht Kommunikation nicht immer Worte. Mit der Fotografie schaffe ich Begegnung und Gespräche, die Verständnis schaffen. Dieses Verständnis führt zum ‚Wir‘. Und dieses ‚Wir‘ führt zu dieser Ausstellung ‚Gesichter des Lebens‘.“ Die Ausstellung mit den großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos wird damit zu einem „Leuchtturm“ gegen das Vergessen und für die Würdigung der Lebensleistung der aktiven und ehemaligen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.
Bei einem so genannten „Tischgespräch“ konnten die Gäste der Ausstellungseröffnung mit einigen „Gesichtern des Lebens“ ins Gespräch kommen und so mehr über ihre persönlichen Geschichten erfahren.
Mit dabei war Jürgen Görlich, den Fotografin Daniela Skrzypczak im Rahmen des Projekts „Gesichter des Lebens“ porträtiert hatte. Der Oberstabsfeldwebel a.D. und ehemalige stellvertretende Bundesvorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbands ist Mitbegründer und Unterstützer des Projekts, der sich leidenschaftlich für die Wertschätzung und Sichtbarkeit von Soldaten, Soldatinnen, Veteranen und Veteraninnen der Bundeswehr stark macht. „Ich bin als Soldat auf meine Mitmenschen angewiesen und muss mich voll auf sie einlassen. In keinem anderen Beruf lebt man Kameradschaft so intensiv wie als Soldat“, so Görlich.
Landrat Christoph Gerwers zeigte sich bewegt von den einzelnen Erfahrungen und Schicksalen: „In den Bildern und Interviews können Sie erkennen, mit welchen Risiken und manchmal auch Opfern der Dienst der Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr verbunden ist. Mein Dank gilt Ihnen allen wie auch der Fotografin Daniela Skrzypczak, die mit ihren einfühlsamen Fotos diese ‚Gesichter des Lebens‘ ins Licht der Öffentlichkeit gestellt hat.“
Zur Unterstützung der Arbeit der Soldaten- und Veteranenstiftung standen Spendendosen in Form der Gelben Schleife auf den Tischen. Diese Stiftung setzt sich dafür ein, dass die Bundeswehr und ihre Menschen als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden und Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren. „Jeder Cent hilft der Stiftung dabei, das Band zwischen der Bundeswehr und der Gesellschaft zu stärken. Ich würde mich freuen, wenn Sie dieses wichtige Anliegen unterstützen“, so der Landrat.
Die Fotoausstellung „Gesichter des Lebens“ ist noch bis Donnerstag, 02. Juli 2026, zu den üblichen Öffnungszeiten der Kreisverwaltung Kleve im Atrium des Gesundheitsgebäudes (Nassauerallee 16) zu sehen.
Ein besonderer Gast des Abends war Hagen „Vocko“ Vockerodt, der insgesamt 1.638 Tage im Auslandseinsatz verbracht hat. Kaum jemand versteht so gut wie er, was es bedeutet, wenn Familien ihre Angehörigen in den Einsatz verabschieden — und wie viel Mut, Unsicherheit und Hoffnung in diesen Momenten mitschwingt.
2022 vertrat Vockerodt als Teamcaptain das deutsche Team bei den Invictus Games in Den Haag. Für ihn war diese Zeit mehr als ein sportliches Ereignis — sie war ein Wendepunkt. Er beschreibt die Atmosphäre im Team so: „Bei uns respektiert jeder jeden, genau so wie er ist. Niemand wird wegen seiner Narben, seiner Macken oder seiner Geschichte abgestempelt. Wir tragen uns gegenseitig. Wir müssen keine Masken tragen. Wir dürfen einfach wir selbst sein.“
Diese Erfahrung prägt ihn bis heute. Sie zeigt, was Kameradschaft wirklich bedeutet: nicht Stärke zur Schau zu stellen, sondern Verletzlichkeit zuzulassen — und trotzdem weiterzugehen. Auch beim Projekt „Gesichter des Lebens“ engagierte sich Vockerodt, weil es ihm wichtig ist, Soldatinnen und Soldaten sichtbar zu machen und die Brücke zur Gesellschaft zu stärken: „Wir müssen Menschen zusammenbringen, die sonst nie miteinander sprechen würden.“
Heute ist Hagen „Vocko“ Vockerodt nicht nur Veteran, sondern auch Speaker, der bundesweit über Verantwortung, mentale Stärke und die Realität von Einsätzen spricht. Seine Erfahrungen teilt er zudem in seinen Büchern, in denen er offen über Dienst, Verwundung, Heimkehr und die leisen Folgen des Einsatzes schreibt — und damit vielen eine Stimme gibt, die oft keine haben.