Bündnis gegen Antisemitismus - BgA Köln

Bündnis gegen Antisemitismus - BgA Köln Fighting Antisemitism in Cologne (Germany)

10/07/2026

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Hand in Hand gegen Rassismus und Antisemitismus? Zu den jüngsten Aktivitäten des AStA Uni Köln an der Universität zu Köl...
05/07/2026

Hand in Hand gegen Rassismus und Antisemitismus? Zu den jüngsten Aktivitäten des AStA Uni Köln an der Universität zu Köln

“Der AStA bringt den Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus Hand in Hand voran” [1] heißt es im AStA-Programm 2026. Dies sei ferner einer der Maßstäbe für Aktivitäten und Kooperationen des AStAs. Das anstehende festival contre le racisme (fclr) (06.07-10.07.26) sowie die weiteren Aktivitäten des aktuellen AStAs nehmen wir zum Anlass für eine Kritik.

In diesem Jahr sollen “Antirassismus, Antikolonialismus, Antiimperialismus und Feminismus” die Schwerpunkte des Programms bilden und der Campus auf diesem Weg “repolitisiert” werden. Angesichts der globalen Welle des Autoritarismus und des rassistischen und antisemitischen Normalzustands in der (postnazistischen und postkolonialen) Bundesrepublik sind diese und ähnliche Initiativen dringend geboten. Rassismus, Sexismus und Antisemitismus treten als Diskriminierungsformen und – tendenziell mörderische – Ideologien der Ungleichheit nicht nur oftmals gemeinsam auf. Sie lassen sich ebenso allesamt auch als Ausdruck widersprüchlicher gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse begreifen, die durch jene Ideologien verdeckt und gerechtfertigt werden. Trotz dieser engen (strukturellen wie empirischen) Verbindung können Kritiker:innen von Antisemitismus rassistisch und sexistisch denken und handeln wie auch überzeugte Antirassist:innen Antisemitismus verbreiten. Demnach fallen Antisemitismus und Rassismus nicht in eins und müssen – eingedenk ihrer Verschränkungen – als eigenständige Problemfelder anerkannt und bearbeitet werden.

Insbesondere im Falle des israelisch-palästinensischen Konflikts bilden Rassismuskritik und Antisemitismuskritik (scheinbar) eine starre Dichotomie: Während antisemitismuskritische Positionen darauf hinweisen, dass nahezu alle Strömungen des Zionismus eine Reaktion auf den (europäischen, arabischen und islamischen) Antisemitismus darstellen und den Zionismus als (emanzipatorischen und antikolonialen) Befreiungsnationalismus verstehen, wird in postkolonial-antirassistischen Kritiken der Zionismus als europäisches (siedler-)koloniales und imperialistisches Projekt grundlegend delegitimiert. Die Komplexität des Konflikts wird so vereindeutigt: Auch wenn zionistische Strömungen in unterschiedlichen Ausprägungen von kolonialen Vorstellungen beeinflusst waren, stellt die Etablierung (und Verteidigung) eines jüdischen Nationalstaats die Antwort auf über 2000 Jahre Verfolgung und ihre Kulmination in der Shoa dar. Allerdings bleibt der Zionismus – wie jede andere nationale Befreiungsbewegung und jedes Nationskonzept – in Widersprüche verstrickt und auch der israelische Staat gründete – wie alle anderen Staaten weltweit – auf Gewalt und Souveränität.
Doch angesichts einer nationalstaatlich verfassten Welt – deren Überwindung durch eine emanzipatorische Bewegung aktuell leider nicht in Sicht ist – und des globalen Antisemitismus halten wir die Solidarität mit Israel, als jüdischem Staat, für unverzichtbar, ohne die Ambivalenzen des zionistischen Projekts (u.a. dessen koloniale, antikoloniale und postkoloniale Elemente) zu leugnen. Auch Diskriminierung und Rassismus gegen arabische Israelis, Palästinenser:innen, Beta Israel oder etwa Mizrachim müssen – wie im Falle anderer Nationalstaaten – kritisiert werden, ohne dabei die Legitimität Israels in Zweifel zu ziehen oder Israel mit dem südafrikanischen Apartheidssystem gleichzusetzen. Eine solche Verbindung von Rassismus- und Antisemitismuskritik bleibt nicht ohne Widersprüche und Ambivalenzen, ist aber für eine emanzipatorische Gesellschaftskritik unabdingbar.

Wie aber verbindet der AStA Rassismuskritik und Antisemitismuskritik bzw. wie zeigt sich der “Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus Hand in Hand” nun im Programm des fclr?

Während sich keine Veranstaltung direkt mit Antisemitismus befasst, fokussieren mindestens zwei Programmpunkte Israel bzw. den jüngsten Gaza-Krieg. Dazu zählt die Veranstaltung “Palestinians and Jews for Peace - Der Weg zum Frieden im Nahen Osten” sowie der Vortrag von Shir Hever mit dem Titel “Deutsche Verantwortung für die Verhinderung von Genozid” [2]. Laut Hever sei Israel 1948 als Apartheidstaat gegründet worden [3]. Er betrachtet Israel als "politisches Instrument für die Kolonisierung Palästinas" [ebd.] bzw. als “koloniale Gesellschaft” und behauptet das Konzept der Staatsräson "richtet sich hauptsächlich gegen Einwanderer" sowie das "[j]ede Israel-Kritik (...) als 'Antisemitismus gerahmt" werde [4]. Ferner unterstellt Hever "Millionen Israelis" genozidale Absichten, denn sie hegten "die Hoffnung: Wenn Gaza vollständig ausgelöscht wird, gibt es keine Überlebenden mehr, die aussagen können" (ebd.). Anstatt die globale Welle des Antisemitismus und die alltägliche Diskriminierung von Jüdinnen:Juden in Deutschland ernst zu nehmen, bagatellisiert Hever Antisemitismus und kritisiert die "Übertreibung des deutschen Antisemitismus" (ebd.). Deutschen und israelischen Medien wirft er vor, "Angst zu verbreiten" und die Bedrohungen jüdischen Lebens in Deutschland zu überhöhen. Tatsächlichen Antisemitismus erkennt Hever dann v.a. bei der deutschen Politik: "Die Regierung und der Bundestag machen offen antisemitische Aussagen, indem sie den Staat Israel als Vertreter des jüdischen Volkes behandeln” (ebd.).

In Hevers Position zeigt sich exemplarisch ein eindimensionaler Blick auf Israel und den Gaza-Krieg, der auf einer starren Täter-Opfer-Dichotomie basiert und daher Antisemitismus als Konfliktdimension sowie das Handeln palästinensischer Akteur:innen ausblenden bzw. derealisieren muss. Eine legitime Kritik an einer (rassistischen) Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs oder der “Staatsräson”, etwa zur Verschärfung des Staatsangehörigkeitsrechts, schlägt um in die Bagatellisierung von Antisemitismus. Die Gleichzeitigkeit von Rassismus und Antisemitismus wird zugunsten von Eindeutigkeit und klarer Orientierung abgewehrt. Ebenso unterbleibt eine antisemitismuskritische Reflexion des Zionismus. Solche Vereindeutigungen und Verzerrungen verschleiern nicht nur die Komplexität des Konflikts, sie ermöglichen ebenso die Konstruktion eines scheinbar widerspruchsfreien antikolonialen und antirassistischen Selbstbildes, das sich durch die Feindschaft gegen das scheinbar eindeutig westliche, koloniale und rassistische Israel konstituiert. Ignoriert wird dabei u.a., dass die Mehrheit der Jüdinnen:Juden in Israel aus arabischen Ländern stammt und die Etablierung der jüdischen Souveränität auch eine Notwehrmaßnahme gegen Antisemitismus darstellt.

Darüber hinaus sind solche Deutungsmuster durchaus anschlussfähig an Antisemitismus. Wenig überraschend unterstützt Hever die BDS-Kampagne, die sich als gewaltfreie Initiative der Zivilgesellschaft präsentiert. Allerdings waren an ihrer Gründung auch terroristische und antisemitische politisch-militärische Organisationen wie die Hamas, die PFLP und der Islamische Dschihad beteiligt. Ebenso zielen die drei Kernforderungen von BDS auf die Zerstörung Israels als jüdischem Staat.

Die Einladung von Shir Hever fügt sich in die weiteren antiisraelischen Aktivitäten des AStAs: So stellt der AStA in seiner “Stellungnahme (...) zur Absage der Veranstaltung “Staats(Räson)Funk” am 06.05. durch das Rektorat” [5] indirekt einen Zusammenhang zwischen einem behaupteten Völkermord in Gaza und der Shoah her. Die Lehre aus der deutschen Geschichte sei demnach nicht "Staatsräson", sondern: "Von deutschem Boden sollte nie wieder Krieg, Völkermord oder Faschismus ausgehen" (ebd.). Die Lehre, die deutsche Hochschulen aus dem Nationalsozialismus und dem Holocaust zu ziehen hätten, sei der Kampf gegen den jüdischen Staat, der heute ähnliche Verbrechen wie die N***s damals begehe. Ein solcher Rekurs auf den NS erfüllt – auch nicht-intendiert - die Funktion der postnazistischen Täter-Opfer-Umkehr und verdrängt in einer solchen universalistischen Deutung die Bedeutung des Antisemitismus für die Shoah und den Nationalsozialismus wie auch dessen Fortwirken.

Mit Blick auf das Programm des fclr wollen wir ergänzend die Einladung der Gruppe Migrantifa Rhein-Main hervorheben, die zum Thema “Was ist die Basis von Faschismus und Rassismus” [6] referieren soll: Diese Gruppe organisierte jüngst – am 14.03.2026 – eine Demonstration mit dem Aufruf “Stoppt den Zionismus, stoppt den Krieg: Von Gaza bis Teheran!” [7] An der Demonstrationen nahmen auch schiitisch-islamistische Gruppierungen teil und antisemitische Parolen (u.a. eine Abwandlung von „Khaybar, Khaybar, ya yahud, Jaish Muhammad soufa yaʿoud“) wurden skandiert [8]. In ihrer Rede solidarisierte sich eine Sprecherin der Migrantifa Rhein-Main bedingungslos mit der islamistischen Hamas wie auch mit der linksterroristischen PFLP und erklärte die Islamische Republik Iran zum antiimperialistischen Akteur, der für die politische Linke beispielhaft praktische Solidarität mit den unterdrückten Völkern übe [9]. Neben der Solidarität mit antisemitischen Akteuren zeugt ein solcher vulgärer Antiimperialismus von einer Tendenz zur Personalisierung und einem manichäischen Weltbild, welches die Welt nationalistisch in Völker aufteilt und diesen schematisch eine objektiv-fortschrittliche oder reaktionäre Funktion zuschreibt. Die Einladung von Migrantifa Rhein-Main macht damit jedes Engagement des AStAs gegen Antisemitismus unglaubwürdig.

Wie steht es um die Kritik des Rassismus beim festival contre le racisme?
Die aktuellen Aktivitäten des AStAs führen vor Augen, wie sich das links-antiimperialistische Spektrum, das den AStA mit einer “Minderheitsregierung” führt, eine “Rassismuskritik” auf Höhe der Zeit vorstellt. Im Programm des fclr findet die tödliche Praxis des Rassismus und Antiziganismus “vor der Haustür” wenig Berücksichtigung. Dabei drängen sich diverse Ereignisse auf, die eine Analyse und Kritik des Rassismus und Antiziganismus auf Höhe der Zeit erfordern. Um nur einige Beispiele zu nennen: Täglich kommt es zu rassistisch motivierten Gewalttaten. Antiziganistische Kampagnen werden aus “der Mitte” der Gesellschaft forciert. Die völkische Remigrationspropaganda der in Wahlumfragen aktuell bei 27% stehenden AfD oder die breit befürwortete tödliche Abschottungspolitik an den Außengrenzen der EU scheint beim fclr keine große Rolle zu spielen. Vom Rassismus in "nicht-westlichen" Weltregionen oder in einigen migrantischen Milieus der BRD (zum Beispiel dem antikurdischen Rassismus) ganz zu schweigen. Erst recht erfährt man im Rahmen des fclr nichts darüber, warum der Rassismus für die modernen Subjekte (psychologisch) attraktiv ist und wie dieser mit Nationalismus, Antisemitismus, Sexismus und Kapitalismus aufs engste ideologisch verknüpft ist. Kurz: Eine dringend notwendige (Ideologie-)Kritik des Rassismus und Antiziganismus findet nicht statt.

Fazit:
Das Programm des fclr konterkariert das behauptete Ziel des AStAs, den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus Hand in Hand voranzutreiben und macht deutlich, dass die Aussage, dies sei einer der “Maßstäbe für Kooperationen und Aktivitäten des AStA” [1] eine hohle Phrase ist. Auch erfährt man im Programm des fclr kaum etwas über den Rassismus und Antiziganismus in der BRD und dessen ideologische Grundlagen. Stattdessen lädt man Akteure ein, die Antisemitismus bagatellisieren, mit islamistischen Akteuren kollaborieren, sich mit Terrorgruppierungen wie der Hamas und der PFLP solidarisieren und ideologisch auf eine Zerstörung Israels als jüdischem Staat hinarbeiten. Der postulierte antirassistische Antiimperialismus teilt die Welt dichotom in Unterdrücker und Unterdrückte bzw. in einen weißen, rassistischen Globalen Norden und einen rassifizierten und kolonialisierten Globalen Süden ein. Eine solche schematische Welterklärung eignet sich durch die klare Täter-Opfer-Dichotomie für ein links-antiimperialistisches Selbstbild, frei von Widersprüchen und Ambivalenzen, wird aber weder dem israelisch-palästinensischen Konflikt noch der globalen Staatenkonkurrenz gerecht: In der real existierenden marxistisch-leninistischen Imperialismustheorie führt eine solche Fokussierung auf die tatsächlichen oder vermeintlichen Aktivitäten “westlicher” Staaten zumeist dazu, dass Akteure wie Russland, China oder die Islamische Republik Iran kaum vorkommen, als vom “Westen” in die Enge getrieben erscheinen oder gar zu objektiv-fortschrittlichen antiimperialistischen Akteuren verklärt werden. Ganz so, als verfolgten die genannten und weitere Staaten bzw. deren extrem autoritären Regime keine eigenen Interessen, als hätten diese keine Entscheidungsmöglichkeiten und als hingen sie keinen expansionistischen und aggressiven Ideologien an.

Ein solches dichotom antiimperialistisches Weltbild scheitert damit nicht nur in der Analyse des israelisch-palästinensischen Konflikts – auch in der Geschichte der Linken hat sich der Nationalismus von links und die Ausrichtung auf nationale Befreiung als gefährliche Sackgasse erwiesen. Dies gilt in widersprüchlicher Weise auch für den Zionismus: Als nationale Befreiungsbewegung ist der Zionismus – so Joachim Bruhn – “die falsche Antwort auf den Antisemitismus”, hat sich allerdings, “grauenhafterweise erst im nachhinein, als die einzige nach dem Zustand der Geschichte vorläufig angemessene erwiesen” [10].

Der AStA wird dem behaupteten Anspruch, Rassismus und Antisemitismus gemeinsam zu bekämpfen, nicht gerecht. Vielmehr droht die angestrebte „Politisierung“ des Campus die Universität für Jüdinnen:Juden noch unsicherer zu machen. Angesichts der massiven Eskalation des globalen Antisemitismus und der prekären Situation an den Bildungsinstitutionen ist das verheerend.

Bündnis gegen Antisemitismus Köln im Juli 2026

Quellen:
[1]https://www.asta.uni-koeln.de/wp-content/uploads/2026/01/AStA_Programmatik-28.1.2026.pdf

[2] https://www.asta.uni-koeln.de/veranstaltungen/?event=3586

[3] Tacheles-Gespräche auf dem Goldenen Sofa mit Dr. Shir Hever https://youtu.be/n27VAi5BFmA?si=CxfTQepdKIzJk_Uj&t=5305 (Stelle ab 1:28:25)
[4] Hever, Shir (2026): Zur Verantwortung Deutschlands für den Völkermord in Gaza. in: Friedensjournal (1), S. 12-14https://www.frieden-und-zukunft.de/pdf/fj/FJ_2026-1_Web.pdf

[5] https://www.asta.uni-koeln.de/2026/05/05/stellungnahme-des-asta-zur-absage-der-veranstaltung-staatsraesonfunk-am-06-05-durch-das-rektorat/

[6] https://www.asta.uni-koeln.de/veranstaltungen/?event=3587

[7] https://www.instagram.com/p/DVrRRxOjEye/?hl=de&img_index=1

[8] https://democ.de/artikel/quds-demo-ffm/

[9]] https://www.instagram.com/p/DWJfpSzjPpF/?hl=de

[10] https://www.ca-ira.net/verein/positionen-und-texte/joachim-bruhn-vom-antizionismus-zum-antisemitismus/

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20/11/2025

Leider muss die Veranstaltung mit Luise Henckel am 20.11.2025 aufgrund von Krankheit abgesagt werden. Wir informieren zeitnah über einen Ersatztermin!

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