15/05/2026
🚨Erholung beginnt hinter dem Stauende 🛣️
Endlich langes Wochenende. Zeit für die Lieben, für sich selbst, für eine Pause vom Job oder einfach dafür, die Seele baumeln zu lassen. Also: rein ins Auto, rauf auf die Autobahn – und dann leuchten sie schon, die roten Rücklichter. Willkommen im Stau. Willkommen in NRW.
Gerade im Ruhrgebiet ist das längst kein Ausnahmezustand mehr, sondern fast schon regionale Folklore. Die WDR-Verkehrsredaktion erwartet Staus von bis zu 700 Kilometern. Das ist mehr als die Strecke von Berlin nach München. Wer also am Wochenende „mal eben weg“ will, bekommt die große Deutschlandreise manchmal schon zwischen Recklinghausen und Essen geliefert.
Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort ist leider weniger lustig als der Stau absurd ist. Jahrzehntelang wurde Infrastruktur auf Verschleiß gefahren. Straßen, Schienen und vor allem Brücken wurden behandelt, als hätten sie kein technisches Lebensende. Doch viele Brücken aus den 1960er Jahren kommen nach rund 50 Jahren eben an ihre Grenzen. Beton ist geduldig, aber nicht unsterblich.
Dann vielleicht doch lieber mit der Bahn? Auch das klingt besser, als es vielerorts funktioniert. Marode Schienen, überlastete Knotenpunkte und dauerhafte Baustellen sorgen dafür, dass selbst ein ursprünglich für 2025 geplantes RRX-Netz noch lange nicht so fährt, wie es Bürgerinnen und Bürger brauchen. Bis 2040 soll weiter gebaut werden. Das ist immerhin eine Perspektive – nur leider keine besonders tröstliche für alle, die heute pendeln müssen.
Am Geld allein liegt es nicht. Trotz Sondervermögen kommt NRW nicht automatisch aus dem Verkehrsstau heraus. Wer durchs Land fährt, sieht zwar erstaunlich viele neue Straßendecken. An den Brücken aber passiert oft zu wenig. Der Grund ist naheliegend: Eine Fahrbahndecke ist schnell erneuert. Eine Brücke zu planen, zu genehmigen und zu bauen dauert dagegen lange. Und wenn niemand weiß, wie lange der Bund noch welche Mittel bereitstellt, wird lieber dort gebaut, wo man rasch sichtbare Ergebnisse zeigen kann.
Doch genau diese Politik fährt an ihre Grenze. Nicht nur Pendlerinnen und Pendler stehen im Stau, sondern auch die Verkehrspolitik von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer. Wer den Verkehrsinfarkt verhindern will, braucht mehr als frischen Asphalt. Wir brauchen schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, eine bessere Bündelung in maximal zwei Planungsstellen bei Bund, Land/Kommunen sowie finanzielle Anreize für Bauunternehmen, die zügig, zuverlässig und mit fairen Arbeitsbedingungen arbeiten.
Wir wünschen allen ein schönes langes Wochenende. Nur bitte kein zu langes auf der Autobahn.