21/06/2026
Stellungnahme der AfA NRW zur Schließung von HCP und denangekündigten Einschnitten bei Evonik in WittenPeter Müller und Annette Hülser, Landesvorsitzende der AfA NRWDie Arbeitsgemeinschaft für Arbeit (AfA) Nordrhein-Westfalen verfolgt dieEntwicklungen bei HCP und die nun bekannt gewordene Entscheidung zurSchließung des Evonik-Standortes in Witten mit großer Bestürzung undwachsender Sorge. Innerhalb kurzer Zeit verliert die Region erneut bedeutendeindustrielle Arbeitsplätze. Für die betroffenen Beschäftigten und ihre Familienbedeutet dies erhebliche Unsicherheit und die Sorge um ihre berufliche undpersönliche Zukunft.„Die Beschäftigten dürfen nicht die Leidtragenden unternehmerischerEntscheidungen sein, die häufig das Ergebnis langfristiger wirtschaftlicher undpolitischer Fehlentwicklungen sind“, erklären die Landesvorsitzenden der AfANRW, Peter Müller und Annette Hülser. „Die Arbeitnehmerinnen undArbeitnehmer haben über Jahre und Jahrzehnte hinweg mit Fachwissen,Engagement und hoher Leistungsbereitschaft zum Erfolg ihrer Unternehmenbeigetragen. Sie verdienen Respekt, Anerkennung und vor allem eineverlässliche Perspektive.“Die Schließung von HCP und die geplante Aufgabe des Evonik-Standortes inWitten stehen beispielhaft für die Herausforderungen, vor denen derIndustriestandort Nordrhein-Westfalen derzeit steht. Steigende Energie- undRohstoffkosten, zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck sowieUnsicherheiten bei Investitionen setzen viele Industrieunternehmen unterDruck. Gleichzeitig zeigen diese Entwicklungen, dass Deutschland undNordrhein-Westfalen dringend eine aktive Industriepolitik benötigen, die denErhalt von Wertschöpfung, Innovation und guter Beschäftigung in denMittelpunkt stellt.„Wir erleben seit Jahren eine schleichende Erosion industrieller Strukturen“, so Müller und Hülser weiter. „Wenn Produktionsstandorte geschlossen werden,verschwinden nicht nur Arbeitsplätze. Es gehen Fachwissen, Ausbildungsplätze,Kaufkraft und wirtschaftliche Perspektiven für ganze Regionen verloren. DieFolgen reichen weit über die Werkstore hinaus.“Die AfA NRW erwartet von den Unternehmensleitungen, dass alle Möglichkeitenzur Sicherung von Arbeitsplätzen geprüft werden. Dazu gehören die Entwicklung alternativer Geschäftsmodelle, Investitionen in neue Produkte und
Technologien sowie die ernsthafte Prüfung von Fortführungs- undNachnutzungskonzepten. Betriebsräte und Gewerkschaften müssen dabei frühzeitig und auf Augenhöhe beteiligt werden. Ebenso sind Bund und Land gefordert, die Rahmenbedingungen für die Industrie nachhaltig zu verbessern. Nordrhein-Westfalen benötigt wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren, gezielte Investitionen in Infrastruktur und Innovation sowie eine stärkere Unterstützung bei der Transformation hin zu klimaneutralen Produktionsprozessen. Strukturwandel darf nicht bedeuten, industrielle Arbeitsplätze aufzugeben, sondern muss mit dem Ziel gestaltet werden, bestehende Beschäftigung zu sichern und neue Perspektiven zu schaffen. Besonders wichtig ist aus Sicht der AfA NRW, dass für die betroffenen Beschäftigten soziale Sicherheit gewährleistet wird. Wo Arbeitsplatzverluste nicht verhindert werden können, müssen tarifvertraglich abgesicherte und sozialverträgliche Lösungen gefunden werden. Dazu gehören Qualifizierungsangebote, Transfergesellschaften, Weiterbildungsmaßnahmen und Unterstützung bei der Vermittlung in neue Beschäftigung.„Die Menschen in den Betrieben haben ein Recht auf Sicherheit und Verlässlichkeit“, betonen Peter Müller und Annette Hülser. „Gerade in Zeitengroßer wirtschaftlicher Veränderungen brauchen Beschäftigte die Gewissheit, dass sie mit ihren Sorgen und Herausforderungen nicht allein gelassen werden. “Die AfA NRW erklärt ihre uneingeschränkte Solidarität mit den Beschäftigtenvon HCP und Evonik sowie mit deren Betriebsräten und Gewerkschaften. Gemeinsam werden wir uns dafür einsetzen, dass alle Möglichkeiten zur Sicherung von Arbeitsplätzen ausgeschöpft und die Interessen der Beschäftigten konsequent vertreten werden.Nordrhein-Westfalen braucht eine starke Industrie, gute Arbeit und eine Wirtschaftspolitik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich: Jetzt ist die Zeit zum Handeln – für die Unternehmen, für die Politik und für alle, die Verantwortung für die Zukunft unseres Industriestandortes tragen.Peter Müller und Annette Hülser Landesvorsitzende der AfA Nordrhein-Westfalen