19/11/2014
„Wozu Kunst?“ Über diese und andere Fragen diskutierte der Dachauer Landtagsabgeordnete Martin Güll bei einem "Treffpunkt Landtag Spezial" im Rahmen der KVD-Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Dachau“ mit nationalen und internationalen Gästen. Auf dem Roten Sofa nahmen Platz die dänische Künstlerin Inge Jacobsen, der Kunstpädagoge an der Realschule Dachau Stefan Flach und der KVD-Vorsitzende Johannes Karl.
„Als Kind habe ich immer gemalt, es war eine Besessenheit“, erzählt zu Beginn Jacobsen. Sie habe versucht auch anderen Tätigkeiten nachzugehen, aber der Drang Kunst zu machen sei zu groß gewesen.
Auch Johannes Karl habe sehr früh gemerkt, dass er eine künstlerische Ader habe, so dass er nach der Schule an der Akademie der Bildenden Künste München weitergemacht habe. Er versuche auch mit Kunst für seinen Unterhalt zu sorgen, was nicht immer einfach sei.
Im Vergleich zu den beiden Künstlern hat Stefan Flach als Lehrer an der Realschule Dachau ein sicheres Einkommen. Trotzdem gibt er zu, dass auch er als Künstler Einschränkungen in Kauf nehmen müsse.
Überhaupt Kunst machen kostet ein Haufen Geld, berichten die Künstler. Wer nicht zu den Stars der Kunstszene gehört und Millionen für seine Werke kassiert, muss viel Glück haben, um durchzuhalten. Zum Beispiel einen Galeristen, der an einen glaubt. Doch Kunst müsse unabhängig bleiben, beteuert auch Stefan Flach.“Nur dann kann die Gesellschaft durch die Kunst gespiegelt werden.“
In Deutschland gäbe es gute Strukturen. Auch der Landkreis Dachau stehe im Vergleich zu anderen Landkreisen um München gut da. „Auf der andern Seite arbeiten wir sehr viel. Gerade wird über den Mindestlohn geredet. In der Kunst fragt keiner wie viele Stunden notwendig sind um eine Ausstellung vorzubereiten. Für Kunst ist Geld da, wenn Geld da ist, “ meint der KVD- Vorsitzende Karl.
Doch oft wird Kunst hintenangestellt. Ein Schulzeugnis sei ein guter Beweis dafür, ergänzt Lehrer Flach. „Den MINT-Fächern wird eine besonders große Bedeutung beigemessen, diese Fächer stehen ganz vorne in der Urkunde.“ Bildungspolitiker Martin Güll wendete seine Bedenken an dieser Stelle ein, ob die Zeitstrukturierung in 45-Minutentakt bzw. 90-Minuten hier überhaupt ausreiche. „In Bayern bewegen wir uns in der Bildung sehr strukturiert. Man kann auch andere Ansätze machen“, so der ehemalige Hauptschuldirektor Güll.
In der anschließenden Diskussionsrunde mit dem Publikum stellte sich der Wunsch nach mehr Transparenz bei Kunstankäufen gerade durch die Stadt heraus. Außerdem wurde der Vorschlag diskutiert inwiefern das ehemalige MD-Gelände der Papierfabrik sich als Kunsthalle eignet. Die Teilnehmer konnten ihre Forderungen direkt an Oberbürgermeister Florian Hartmann stellen, der die Veranstaltung in der KVD-Galerie als Gast begleitete.