20/09/2021
Heute ist Weltkindertag! Wie steht es um die Kinderrechte? Und wie geht es nach der Pandemie weiter?
Am Weltkindertag lohnt es sich einen Blick auf die Umsetzung der Kinderrechte zu werfen. Diese stehen noch immer nicht im Grundgesetz. Die große Koalition hat es auch in dieser Legislatur nicht geschafft, einen vernünftigen Entwurf für eine Grundgesetzänderung vorzulegen. Nachdem der erste Entwurf unzureichend war und nicht einmal die Kinderrechte nicht gestärkt hätte, auch weil er hinter der UN-Kinderrechtskonvention geblieben wäre, konnte sich die Koalition nicht auf einen neuen Entwurf einigen. https://www.dbjr.de/artikel/grundgesetz-bleibt-ohne-kinderrechte
Dabei hat die Pandemie bisher gezeigt, Kinderrechte im Grundgesetz sind wichtiger denn je. Während der Pandemie wurden Kinder politisch nur als Infektionsrisiko für ihre Eltern und damit als Gefährdung für die Wirtschaft verhandelt. Kinder und Kinderrechte sind aber keine Verhandlungsmasse, die gegen Profite aufgerechnet werden können. Kindern muss ihre Eigenständigkeit zugestanden werden und dafür braucht es die Kinderrechte im Grundgesetz.
Wir fordern die kommende Regierung auf: Kinderrechte ins Grundgesetz – sofort und vernünftig!
Die Folgen der Pandemie
Die Pandemie hat auch noch einmal deutlich gemacht, wie groß die Schere zwischen denen ist, die den Wohlstand in Deutschland erwirtschaften und denen, die ihn sich abgreifen. Die Unterschiede wurden vor allem beim Home-Schooling deutlich. Vielen Kindern war es aus verschiedenen Gründen nicht möglich vernünftig am Unterricht teilzunehmen. Einige konnten sich nicht die technischen Voraussetzungen für den Online-Unterricht leisten, andere mussten zuhause auf ihre Geschwister aufpassen, den Haushalt schmeißen oder haben schlicht keine Ruhe in der zu kleinen Wohnung gefunden, um sich zu konzentrieren. Das bedeutet, dass die Unterschiede im praktischen Wissensstand zwischen den Klassen in der Corona-Zeit gewaltig angewachsen sind.
Nun kehren die meisten Schulen zum Präsenzunterricht zurück, an der Armut der Kinder und Familien von tausenden Menschen in Deutschland ändert das nichts. Die Folgen der Pandemie sind noch lange nicht abzusehen, es lässt sich allerdings schon erkennen, dass sie eine große Herausforderung insbesondere für Kinder und Jugendliche in den nächsten Jahren sein werden. Jetzt schon ist zu sehen, dass psychische sowie körperliche Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen stark zugenommen haben (https://www.uke.de/allgemein/presse/pressemitteilungen/detailseite_104081.html).
Die Folgen der Pandemie müssen bekämpft werden! Kinder müssen vor Armut und Vereinzelung geschützt werden! Wir brauchen Erhöhungen in den Haushalten für die Kinder- und Jugendhilfe und eine echte soziale Absicherung für Kinder und Familien. Wir brauchen nicht bloß eine Erhöhung des Hartz IV-Satzes, sondern eine Abkehr vom unmenschlichen Hartz-IV-System. Wir brauchen eine Perspektive für die Kinder auf eine Rückkehr zum sicheren gemeinschaftlichen Leben und auf eine Überwindung der durch Corona noch einmal verschärften Benachteiligung.
Die Corona-Pandemie ist dabei nur die erste, aber sicher nicht die letzte Menschheitskrise, dieser Art, die vor allem Kinder der arbeitenden Klasse betreffen wird. Die Auswirkungen der menschengemachten Klimakatastrophe werden die Menschen, die jetzt Kinder sind, besonders hart treffen, und zwar umso stärker, je schlechter ihr gesellschaftlicher Status ist.
Egal ob für Corona oder die Klimakatastrophe gilt deshalb: „Kinderrechte Jetzt!“ heißt: Kampf für das Ende der Ausbeutung!