Bürger für Dreieich

Bürger für Dreieich Wir sind eine unabhängige Vertretung aus Dreieich, die die Zukunft der Stadt mitgestalten möchten. Im April 2017 wurde Bürger für Dreieich gegründet.

Auch bei der Kommunalwahl 2026 errangen wir ein Mandat in Dreieich und einen Vertreter im Magistrat. Natascha Bingenheimer wurde 2011 als Einzelmandatsträgerin in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. 2016 wurde sie erneut gewählt, und Tino Schumann kam mit einem zweiten Mandat hinzu. Beide Abgeordnete gründeten im April 2017 die Fraktion Bürger für Dreieich, die fortan parteilos und neutral in

der Dreieicher STVV agiert. Henry Schmidt betreut den Bereich Social Media. Bei der Kommunalwahl 2021 zogen wir erneut ins Parlament und erhielten 5,52 Prozent in Dreieich.

Vom Geist der blauen Fluten und der Magie des Zwetschgenkuchens: Das große Abschiednehmen im Parkschwimmbad Henry Schmid...
06/09/2026

Vom Geist der blauen Fluten und der Magie des Zwetschgenkuchens: Das große Abschiednehmen im Parkschwimmbad
Henry Schmidt
Wenn der Spätsommer seine goldenen Fühler ausstreckt und die Tage beginnen, sich in die Länge zu ziehen wie ein müder Badegast auf einer Liegewiese, schlägt im Parkschwimmbad zu Sprendlingen die Stunde der Wahrheit. Es ist die Stunde des traditionellen Abschwimmens – ein feierlicher Akt, der weniger mit sportlicher Ertüchtigung zu tun hat als vielmehr mit der hohen Kunst des gemeinschaftlichen Genießens.
Man verabschiedet sich von der Freibadsaison, nicht mit lautem Wehklagen, sondern so, wie es sich für zivilisierte Menschen gehört: Man rückt die Tische auf der ehrwürdigen Schwimmbadterrasse zusammen und bittet zu Tisch.

Der unbestrittene König dieses nachmittäglichen Kaffeekränzchens war ohne Zweifel der Zwetschgenkuchen. Brigitta aus Dreieichhain hatte sich ein Herz gefasst und gleich zwei monumentale Bleche frisch gebacken – eines kühn mit Streuseln bedeckt, das andere in puristischer Nacktheit. Die Zwetschgen, durch die Hitze des Ofens in einen Zustand vollkommener, saftiger Weichheit versetzt, verströmten eine fruchtige Säure, die den süßen Teig auf das Trefflichste herausforderte. Der Boden selbst – dezent süß, mit einer noblen Butternote und einem flüchtigen Hauch von Vanille und Zitrone – war von jener idealen Beschaffenheit, die saftig-feucht ist, ohne jemals in die Gefilde des Matschigen abzugleiten. Ein absolutes Meisterwerk der Backkunst!

Als wäre dies nicht genug des Guten, gesellten sich frisch gebackenes Brot mit einer verwegenen Knoblauchbutter und jene feinen Rosinenbrötchen hinzu, die Brigittas Freundin spendiert hatte. Man kann mit Fug und Recht behaupten: Es war ein Festmahl für die Götter, oder zumindest für jene, die den Sommer zu schätzen wissen.

Inmitten dieser fröhlichen Runde thronte Brigitta. Mit ihren 90 Jahren ist sie der lebende Beweis dafür, dass das Sprendlinger Nass ein veritabler Jungbrunnen sein muss. Seit über sechs Jahrzehnten pilgert sie in den Sommermonaten fast täglich an diesen Ort. Wenn man sie so betrachtet, glaubt man gerne, dass das Geheimnis des langen Lebens nicht in obskuren Elixieren liegt, sondern im täglichen Sprung ins kühle Nass und einem anschließenden Stück Kuchen.

So saßen wir alle beieinander – Herta, Ursula, Brigitta, ich, Elli, der Sänger, Frau Haas, Christa, Uschi und die ganze illustre Schar der Stammgäste. Zwischen Kaffeetassen und Kuchen wurde gelacht, geschlemmt und ein feierliches Gelöbnis abgelegt: Im nächsten Jahr, wenn das wunderschöne Freibad sein stolzes hundertjähriges Bestehen feiert, wollen wir alle wieder frisch und munter an Ort und Stelle sein. Denn ein solches Jubiläum lässt sich kein echter Badegast entgehen – und der Zwetschgenkuchen im nächsten Spätsommer schmeckt garantiert noch einmal so gut.
Fotos. Schmidt

Vom erhabenen Nutzen alter Steine und der Kunst, sein Auto im Wohnzimmer zu parken: Eine Dreieichenhainer BetrachtungKom...
04/09/2026

Vom erhabenen Nutzen alter Steine und der Kunst, sein Auto im Wohnzimmer zu parken: Eine Dreieichenhainer Betrachtung
Kommentar Henry Schmidt
Es gehört zu den amüsantesten Eigenheiten des Menschen, dass er die Geschichte über alles verehrt, solange sie ihm nicht den Blick aus dem Küchenfenster versperrt oder vorschreibt, wo er seinen Schuppen hinzustellen hat. Im beschaulichen Dreieichenhain lässt sich dieses Schauspiel derzeit an zwei Schauplätzen beobachten, die auf den ersten Blick so verschieden sind wie eine schwere Ritterrüstung und ein moderner Spazierstock, im Kern aber die exakt selbe menschliche Komödie aufführen: der historischen Erbsengasse und der zukunftsorientierten Fahrgasse.

Die Gemeinsamkeit dieser beiden Straßen liegt nicht im Pflaster, sondern im ewigen und unerbittlichen Clinch zwischen dem Gesetzbuch, dem Denkmalschutz und dem gesunden, bisweilen sturköpfigen Egoismus der lebenden Generation. In der Erbsengasse haben sich die Anwohner über Jahrzehnte hinweg häuslich an die mittelalterliche Stadtmauer geschmiegt. Man zimmerte Schuppen, zog Zäune und pflanzte Terrassen dorthin, wo einst die Stadtwache nach dem Feind Ausschau hielt – allesamt illegal nach modernem Recht, aber urgemütlich. Ein paar Straßen weiter, in der Fahrgasse, spielt sich das Drama spiegelverkehrt, aber mit derselben Leidenschaft ab. Dort wehrt sich die Kaufmannschaft mit Händen und Füßen gegen eine dauerhafte Autofreiheit. Die Angst, dass der moderne Bürger das Gehen verlernt und ein Geschäft nicht mehr betritt, wenn er nicht direkt mit der Stoßstange an der Ladentheke parken kann, sitzt tief.

Hier wie dort stehen sich die Fraktionen unversöhnlich gegenüber: Die Hüter der reinen Lehre – seien es Denkmalschützer oder radikale Verkehrsplaner – fordern die Durchsetzung des Prinzips. Die Betroffenen hingegen fordern Bestandsschutz für ihre liebgewonnenen Gewohnheiten. Und dazwischen laviert die städtische Politik, stets auf der Suche nach einer Mehrheit, die niemanden allzu sehr verärgert.

Wie also soll die Zukunft aussehen, wenn die Vernunft über die Paragraphen siegt? In einer idealen Welt – oder zumindest in einer gut verwalteten hessischen Kleinstadt – wird Dreieichenhain ein Ort der klugen Kompromisse sein. Die Erbsengasse wird das Kunststück vollbringen, Geschichte und privaten Lebensraum legal zu verschmelzen. Durch Pachtverträge und großzügige Übergangsregelungen dürfen die urigen Gärten bleiben, während die historische Wehranlage als Gesamtkunstwerk für Spaziergänger sichtbar und erlebbar wird. Die Fahrgasse wiederum wird sich in eine lebendige Bummelmeile verwandeln, die nicht an Sonntagen zu einer Geisterstadt aus Immobilienmaklerbüros verödet. Sie wird durch einen cleveren Branchenmix belebt und öffnet sich schrittweise – vielleicht zunächst an schönen Sonntagen – ganz ohne Motorenlärm für die flanierende Menschheit, während unter der Woche der geschäftige Lieferverkehr das Überleben der Händler sichert.

Was ist nun richtig in diesem Streit? Es ist eine alte Wahrheit, dass eine Stadt, die ihre Vergangenheit vergisst, ihre Seele verliert – eine Stadt, die die Gegenwart ignoriert, verliert jedoch ihre Einwohner. Es wäre blanker Irrsinn, die über Generationen gewachsenen Gärten der Erbsengasse mit der Abrissbirne der Bürokratie zu überrollen.

Der Magistratsweg der Verpachtung mit Augenmaß ist hier der einzig richtige Pfad, um Rechtssicherheit zu schaffen, ohne Leben zu zerstören Soweit ich als Außenstehender es richtig verstanden habe. Ebenso verhält es sich mit der Fahrgasse: Ein radikales, dauerhaftes Autoverbot würde den Händlern das wirtschaftliche Rückgrat brechen; ein stures Festhalten am Status quo wird die historische Gasse im Abgasrauch ersticken lassen. Die schrittweise Einführung autofreier Sonntage und eine gezielte Ansiedlung von echtem Einzelhandel ist die Medizin, die dieses Kleinod braucht. Denn am Ende des Tages wollen die Menschen in Dreieichenhain vor allem eines: die Vorzüge des Mittelalters genießen, ohne auf die Bequemlichkeiten der Moderne zu verzichten.
Foto: Schmidt Über ein paar Fotos würde ich mich freuen.

Letzte Sommervorboten: Genießen Sie die Sonnentage in Dreieich!Der meteorologische Herbst hat zwar begonnen, doch der So...
04/09/2026

Letzte Sommervorboten: Genießen Sie die Sonnentage in Dreieich!

Der meteorologische Herbst hat zwar begonnen, doch der Sommer verabschiedet sich mit einem glanzvollen Finale! Ab Samstag klettern die Temperaturen in Hessen und Dreieich noch einmal auf 20 bis 25 Grad. Nutzen Sie die kommende Woche für herrliche Spaziergänge, Fahrradtouren und um kräftig Sonne zu tanken. Ein besonderer Tipp für Kurzentschlossene: Am 6. September endet die Freibadsaison in Sprendlingen. Nutzen Sie die Chance für ein letztes, erfrischendes Bad im Freien – das Bäderteam freut sich auf Ihren Besuch, bevor es danach im Hallenbad weitergeht! Beitrag und Foto Schmidt

Ausschuss für Soziales, Sport und Kultur.: Ein dreieichischer Geniestreich auf tönernen FüßenKommentar von Henry Schmidt...
03/09/2026

Ausschuss für Soziales, Sport und Kultur.: Ein dreieichischer Geniestreich auf tönernen Füßen
Kommentar von Henry Schmidt
Da ist er also wieder, Alexander Kowalski. Die politische Zwangsentwässerung hat ihm sichtlich gutgetan – die Wangen schmaler, der Blick frischer. Man möchte fast meinen, die Politik zehre nur an den Nerven, während der Ruhestand die Kilos purzeln lässt. Doch statt wie ein anständiger Pensionär die Garage zu fegen oder den Rasen mit der Nagelschere zu trimmen, leidet der ehemalige FDP-Frontmann an einer unheilbaren Krankheit: Tatendrang.

Sein neuester PR-Feldzug, den er im Ausschuss vorstellte zielt auf das Herz der Stadt: das lahme Vereinsleben. Ehrenamt soll wieder sexy werden, vermarktet von einem Profi, flankiert von drei treuen Jüngern. Ein edler Plan. Die Teilnahme ist völlig schmerzfrei und garantiert laktosefrei, doch der Haken ist so groß wie die Finanzlücke der Stadt. Wer trommeln will, braucht eine dicke Trommel, und Kowalskis Vision verlangt nach einem Budget, das verdächtig sechsstellig riecht.

Die Skepsis der Ausschuss-Hüter Ingo Klaus Peter und Ullrich Ziffer war daher kein Spielverderber-Tum, sondern pure Mathematik. Wenn 95 Prozent des städtischen Geldes bereits für die unumgänglichen Pflichten des Alltags draufgehen, bleibt für die Träume von der großen Vereins-Wiederbelebung nur ein kümmerlicher Rest von fünf Prozent. Wir müssen sparen, bis es quietscht – daran führt kein Weg vorbei. Kowalskis Idee ist glänzend, doch Dreieichs Taschen sind tiefer als ein ausgetrockneter Brunnen. Man darf gespannt sein, ob aus der teuren PR-Seifenblase am Ende echter Bürgersinn erwächst.

Mehr Info:
https://www.op-online.de/region/dreieich/ehemaliger-stadtverordneter-stellt-dream-vor-sieben-bausteine-fuer-mehr-ehrenamt-94472924.html

Der langsame Tod unserer Fahrgasse: Wenn Büros das Herz unserer Altstadt verdrängenKommentar: Henry SchmidtDreieichenhai...
03/09/2026

Der langsame Tod unserer Fahrgasse: Wenn Büros das Herz unserer Altstadt verdrängen
Kommentar: Henry Schmidt
Dreieichenhain – Jedes Mal, wenn ich durch die Fahrgasse gehe und sehe, wie ein kleiner Laden verschwindet und durch das Schild eines Immobilienmaklers ersetzt wird, macht mich das traurig und wütend. Ich beobachte diese Entwicklung nun schon seit Jahren. Unsere wunderschöne, historische Altstadt verliert Stück für Stück ihr Gesicht. Wo früher Leben, Handwerk und Vielfalt herrschten, breiten sich heute sterile Büros aus.

Für mich ist die Dreieichenhainer Altstadt das absolute Filetstück unserer Stadt. Es ist ein Ort mit echter Geschichte und Charakter – etwas ganz Besonderes, das wir schützen müssen. Wie sehr wir Bürger uns nach so einem lebendigen Ort sehnen, zeigt die Wiederbelebung des Fasestalls: Wir gehen gerne dorthin, flanieren durch das Fachwerk und genießen das Grün. Doch genau diese Idylle wird gerade schleichend zerstört.

Ein Sterben, das man erst auf den zweiten Blick sieht

Das Gefährliche an dieser Situation ist, dass die Fahrgasse auf den ersten Blick gar nicht schlecht aussieht. Es gibt kaum leere Schaufenster, weil fast jedes Ladenlokal schnell wieder vermietet wird. Aber die Art der Mieter hat sich drastisch verändert: Statt Einzelhandel oder gemütlicher Gastronomie ziehen immer mehr Makler, Anwälte und andere Dienstleister ein.

Das ist genau die Fehlentwicklung, die wir schon aus Frankfurt kennen: Lebendige Wohn- und Kulturviertel werden „entlebt“. Sie verlieren ihren natürlichen Charakter. Eine Altstadt braucht das Kommen und Gehen von Kunden, Gästen und Nachbarn. Ein Maklerbüro oder eine Kanzlei bringt abends um acht Uhr kein Leben mehr auf die Straße – da brennt kein Licht mehr, und die Jalousien sind unten. Wenn wir jetzt nicht eingreifen, haben wir hier morgen keine inhabergeführten Läden mehr, sondern Wettbüros, Versicherungen und reine Verwaltungsstellen. Das kann und darf nicht das neue Stadtbild von Dreieichenhain werden!

Mein Vorwurf an die Wirtschaftsförderung
Dass es so weit kommen konnte, liegt für mich auch am Versagen unserer Wirtschaftsförderung. Melanie Großmann hat die Lage meiner Meinung nach völlig verkannt. Wenn ich Zitate lese wie „Wir können beraten und Kontakte herstellen. Wir stehen bereit, wenn wir rechtzeitig die Information bekommen“, dann frage ich mich ernsthaft, worauf hier gewartet wird.

Diese Entwicklung ist doch nicht neu – sie läuft seit über einem Jahrzehnt! Es ist der Job einer vorausschauenden Wirtschaftsförderung, solche Probleme rechtzeitig zu erkennen, Pläne zu machen und aktiv gegenzusteuern, anstatt die Verantwortung auf die Eigentümer oder die Werbegemeinschaft abzuwälzen. Wenn das Kind erst im Brunnen liegt, nützt auch ein Beratungsangebot nichts mehr.

Ich stehe voll und ganz hinter der Werbegemeinschaft, die sich völlig zu Recht fragt, wie solche reinen Dienstleister überhaupt zur Belebung einer historischen Fachwerkstraße beitragen sollen. Meine Antwort ist eindeutig: Gar nicht. Unsere Stadt muss jetzt endlich politisch handeln und den Zuzug von Büros in den Erdgeschosszonen der Fahrgasse stoppen, bevor von unserer historischen Altstadt nur noch eine leblose Kulisse übrig bleibt.
Foto: Schmidt
Mehr Info: https://www.op-online.de/region/dreieich/fuenftes-maklerbuero-eroeffnet-in-der-fahrgasse-werbegemeinschaft-schlaegt-alarm-94470844.html

Die Chronik der letzten Wellen: Warum das Parkschwimmbad die wahrste Republik der Welt istvon Henry SchmidtDer Spätsomme...
02/09/2026

Die Chronik der letzten Wellen: Warum das Parkschwimmbad die wahrste Republik der Welt ist
von Henry Schmidt
Der Spätsommer in Dreieich ist kein bloßes Datum im Kalender. Er ist ein akustischer Umschwung. Wer in diesen Tagen das Parkschwimmbad betritt, hört es sofort: Das satte, grüne Rauschen des Hochsommers ist gewichen. Die Blätter haben ihre Feuchtigkeit an die kühler werdenden Nächte verloren. Wenn der Wind jetzt durch die Baumkronen fährt, klingt das nicht mehr nach saftigem Leben, sondern nach einem trockenen, harten Rasseln.

Am Sonntag lag ein Teppich aus Mücken auf dem Spiegel des Beckens – die Quittung einer Nacht, die unmissverständlich klarstellte, dass der Herbst im Anmarsch ist. Und doch trotzt das Wasser mit seinen 22 bis 23 Grad der Jahreszeit. Es lädt ein zu jener Sorte erholsamem Schwimmen, die man nur versteht, wenn man das Freibad nicht als Vergnügungspark, sondern als Heimat begreift.

Die Republik in Badehosen

Ein Freibad im September ist die letzte Bastion einer wahrhaft klassenlosen Gesellschaft. Vor dem großen Abschwimmen verliert der Status seine Wirkung. Hier zählt kein Titel und kein Bankkonto. Die einzige Währung ist die Badehose oder der Badeanzug. Es ist eine offene Gesellschaft im Miniaturformat, getragen von einem stillen Verständnis füreinander.
Man kennt sich seit Jahren. Die verbliebenen Badegäste sind die eingeschworene Gemeinschaft der Stammgäste. Hier werden keine flüchtigen Sommerbekanntschaften gemacht, hier werden Fundamente gegossen.

Lebendige Geschichte auf zwei Rädern

Wenn ein Ort achtzig Jahre Erinnerung in einer einzigen Person vereinen kann, dann hat er Seele. Das Parkschwimmbad hat Ursula. Sie ist ein echtes Sprendlinger Original. Vor genau acht Jahrzehnten hat sie hier, in diesem Becken, ihre ersten Schwimmzüge gewagt. Später brachte sie ihrem eigenen Sohn an Ort und Stelle das Schwimmen bei. Generationen vergehen, die Welt verändert sich, doch eines bleibt: Auch heute noch schwingt sich Ursula fast täglich auf ihr Fahrrad, um treu ihre Bahnen zu ziehen. Sie ist das lebendige Fundament dieses Bades.

Und sie ist in bester Gesellschaft. Das Bad schreibt Lebensgeschichten, wie sie kein Roman besser erfinden könnte. Nehmen wir Willi und Christa. Vor genau 25 Jahren kreuzten sich ihre Wege hier zum ersten Mal. Er kam erschöpft aus der Nachtschicht, sehnsüchtig nach Abkühlung. Sie hatte einfach einen freien Tag. Das Freibad wurde zum Heiratsvermittler. Aus zwei Schwimmern wurde ein Paar, aus dem Paar eine Ehe. Noch heute ziehen sie hier gemeinsam ihre Bahnen.

Und was wäre dieses Becken ohne seine Originale?
Jeder kennt Joachim, den alle nur liebevoll „Balu“ nennen. Wie der gemächliche Bär aus dem Dschungelbuch tänzelt er gutgelaunt um den Beckenrand. Immer bereit für einen Scherz, immer das Herz auf der Zunge. Er verkörpert den Geist dieses Ortes: die Kunst, das Leben leicht zu nehmen, solange das Wasser trägt.

Nun neigt sich die Saison dem Ende zu. Der Wettergott schenkt uns ein gnädiges Finale. Wir verabschieden uns nicht nur vom Sommer – wir feiern Ursula, Joachim, Willi, Christa und all die Menschen, die diesen Ort zu dem machen, was er ist.
Foto: Henry Schmidt Jahr 2008

In dankbarem Gedenken: Posthume Ehrung für Fatma Nur Kızılok mit dem Integrationspreis 2026Der schmerzhafte Verlust von ...
01/09/2026

In dankbarem Gedenken: Posthume Ehrung für Fatma Nur Kızılok mit dem Integrationspreis 2026

Der schmerzhafte Verlust von Fatma Nur Kızılok hinterlässt eine tiefe Lücke in unserer Mitte. Viele von uns kannten sie gut und schätzten sie sehr. Auch meine Frau und ich durften viele tiefgründige Gespräche mit ihr führen. Sie war eine außergewöhnlich verständnisvolle, herzliche und feinfühlige Gesprächspartnerin – ein wunderbarer Mensch, von dem es in Dreieich viel zu wenige gibt.

Umso tiefer bewegt uns die Entscheidung der Stadt Dreieich, ihr bleibendes Erbe nun auf besondere Weise zu ehren. Unter dem Leitmotiv „Miteinander – Füreinander – Integration ist Teilhabe“ würdigt die Stadt seit 2019 herausragenden Einsatz für den Zusammenhalt.

Diese Auszeichnung ist ein Zeichen des tiefen Dankes für ihre jahrelange, nachhaltige Arbeit für unsere Stadtgemeinschaft. Fatma Nur Kızılok bleibt unvergessen. Ihr Engagement wird uns auch in Zukunft ein Vorbild für ein friedliches Miteinander sein.
Beitrag und Foto. Henry Schmidt

Rücksichtslos, faul, asozial: Der Müll vor unserer HaustürEs könnte in Dreieich so einfach sein. Wir haben eine zuverläs...
01/09/2026

Rücksichtslos, faul, asozial: Der Müll vor unserer Haustür
Es könnte in Dreieich so einfach sein. Wir haben eine zuverlässige Nummer, um alte Möbel und Sperrmüll kostenlos abholen zu lassen. Jeder kennt sie. Jeder kann sie anrufen. Und trotzdem gibt es Menschen in unserer Nachbarschaft, denen selbst diese minimale Denkleistung zu viel ist. Nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ wird der private Unrat einfach auf die Straße geworfen. Sollen sich doch die anderen darum kümmern. Wer so handelt, zeigt nicht nur Faulheit, sondern pure Verachtung für die eigene Nachbarschaft.

• Zuständigkeit: Dienstleistungsbetrieb Stadt Dreieich (DLB).
• Kosten: Für Privathaushalte komplett kostenfrei.
• Pflicht: Die Abholung muss vorab angemeldet werden.
• Telefonnummer: 06102 37020.

Wer seinen Müll illegal entsorgt, schadet uns allen. Ruf an, melde den Sperrmüll an und lass uns unsere Straße sauber halten.
Beitrag und Foto: henry Schmidt

Aschersleben – Meine unvergessene Heimat in Sachsen AnhaltWenn ein Mann alt genug wird, stellt er fest, dass die Welt si...
31/08/2026

Aschersleben – Meine unvergessene Heimat in Sachsen Anhalt

Wenn ein Mann alt genug wird, stellt er fest, dass die Welt sich dreht und wendet, um alles neu zu gestalten – außer den Straßenkarten seiner Jugend. Die großen Herren im Westen mögen heute über Wirtschaft und Kriege verhandeln, aber in meiner Siedlung in Aschersleben, dieser uralten Stadt in Sachsen-Anhalt, weigert sich die Zeit beharrlich, Schritt zu halten. Sie ist historisch gesehen eine sehr alte Stadt, tief verwurzelt im geschichtsträchtigen Boden Sachsen-Anhalts. Wenn ich heute auf die Stadtkarte blicke, thront dort immer noch die Clara-Zetkin-Straße auf ihrem Schild. Und auch Rosa Luxemburg und Maxim Gorki haben sich gehalten. Kein Helmut Kohl und kein Konrad Adenauer haben es geschafft, sie von ihrem Posten zu vertreiben. Die DDR mag zu einem bloßen Kapitel in den Geschichtsbüchern geschrumpft sein, aber die Straßennamen meiner Kindheit steht felsenfest.

Es war im Jahr 1956, als meine Eltern beschlossen, der DDR den Rücken zu kehren. Sie gingen über die Grenze und ließen mich zurück – einen kleinen Passagier, der kurzerhand im sicheren Hafen bei den Großeltern einquartiert wurde. Ihr Einfamilienhaus in der Siedlung wurde mein ganzes Universum, ein Ort voller Geborgenheit und Liebe. Mein unvergessenes Paradies im Osten.

Aschersleben im Winter – das war kein Spaß für zarte Gemüter, denn in Sachsen-Anhalt kann es bei klirrender Kälte unbarmherzig frostig werden. Wenn der Frost einzog, kroch ein ganz besonderes Schauspiel durch alle Ritzen unserer Fensterscheiben. Die alte Zuckerrübenfabrik der Stadt mahlte Tag und Nacht, und ihr schwerer, süßlicher Dunst vermischte sich mit den winzigen Eispartikeln in der Luft zu einem unvergesslichen Gestank. Es war ein Geruch, so dick, dass man ihn fast mit dem Messer schneiden konnte. Und als wäre das nicht genug, lagen auf den Feldern rings um Aschersleben, an denen ich Tag für Tag vorbeiging, die Kohlköpfe schläfrig unter dicken Strohdecken verpackt. Wenn Kohl in der Kälte lagert, erzeugt er ganz eigene Duftmarken, die man niemals vergisst. Mancher Stadtmensch würde heute schreiend Reißaus nehmen, aber für mich war es der vertraute Duft der Heimat.

Wir waren zu viert in unserer Straße: Rolf-Dieter, Gerlinde, Monika und ich. Vier kleine Entdecker, für die es kein Gestern und kein Morgen gab, sondern nur das große Abenteuer des Augenblicks. Unsere Siedlung war ein ganz besonderes Refugium. Wenn das Frühjahr kam, fielen die Maikäfer zu Tausenden über das kleine Wäldchen nebenan her. Wir fingen sie ein, bestaunten ihre trägen Bewegungen und fühlten uns wie die Könige der Wildnis.

Unser ganz persönliches Strandbad im Umfeld war der Junkerssee. Dort lernten wir schwimmen, tauchten in das kühle Nass und sammelten am Ufer stolz die „Bummskeulen“ – jene dicken, braunen Rohrkolben, die in unseren Händen zu prächtigen Keulen im Kampf gegen imaginäre Piraten wurden.

Natürlich war mein Leben damals nicht nur aus Abenteuern gewebt. Es besaß eine raue, ehrliche Praktikabilität. Ein modernes Badezimmer mit Wasserspülung kannten wir nur vom Hörensagen; wir hatten ein ehrwürdiges Plumpsklo im Hof, das uns lehrte, im Winter nicht zu lange zu trödeln. Und wenn der Müll voll war, gab es keine städtische Abfuhr, die mit großem Getöse um die Ecke bog. Nein, da hieß es anpacken. Ich spannte mich selbst mit den anderen vor den hölzernen Handkarren, wir luden den Unrat auf und zogen wie eine kleine Karawane zur nahegelegenen Müllhalde. Es war harte Arbeit, gewiss, aber in meiner Erinnerung wird selbst der Weg zur Müllhalde zu einem Triumphzug.

Dieses feine Band der Erinnerung verbindet mich für immer mit meiner Heimat. Es erinnert mich daran, wer wir sind, woher wir kommen und welche Kraft in uns steckt. Wenn die Menschen in Sachsen-Anhalt nun an die Wahlurnen treten, tun sie das im vollen Bewusstsein ihrer eigenen Geschichte, ihrer hart erkämpften Freiheit und mit dem aufrechten Blick nach vorn. Es ist ihre Stimme, ihr Land und ihre Zukunft – geformt aus der eigenen Identität, die keine Belehrung von außen, dem Westen braucht, sondern ganz auf die eigene Stärke vertraut.
Beitrag und Foto Henry Schmidt PS. (Junkerssee im Volksmund heißt aber Wilslebener See )

Die flatterhaften Luftakrobaten von der Baierhasenwiese – Warum das vermeintliche Trudeln meisterhafte Flugkunst istvon ...
31/08/2026

Die flatterhaften Luftakrobaten von der Baierhasenwiese – Warum das vermeintliche Trudeln meisterhafte Flugkunst ist
von Henry Schmidt

Rund um die Baierhasenwiese flattern die Jäger der Nacht. Wer am frühen Abend zur Dämmerung spazieren geht, kann die faszinierenden Tiere am Himmel entdecken. Sie fallen sofort ins Auge: Im Gegensatz zu Schwalben oder Greifvögeln gleiten Fledermäuse nicht elegant und sie können auch nicht majestätisch in der Luft stehen. Stattdessen schlagen sie kunstvolle Kapriolen.

Dass der Flug von Fledermäusen auf uns Menschen oft unbeholfen, „flatterig“ oder unkoordiniert wirkt, hat handfeste biologische und aerodynamische Gründe. Was wie ein ungeschicktes Trudeln aussieht, ist in Wirklichkeit eine hocheffiziente und extrem präzise Flugtechnik. Fledermäuse sind keineswegs schlechte Flieger. Ihr Flug wirkt nur deshalb so unruhig, weil sie sich wie ein Schwimmer im Wasser bewegen: Sie verdrängen die Luft aktiv mit ihren Händen, anstatt passiv auf ihr zu segeln.

Hier ist ein guter Rat für Entdecker: Setzen Sie sich auf eine der Bänke rund um die Baierhasenwiese und warten Sie in aller Ruhe ab. Irgendwann werden die Tiere am Abendhimmel auftauchen. Ein wenig Geduld müssen Sie allerdings mitbringen.

Da Kinder Geschichten über die fliegenden Säugetiere lieben, sind Fledermäuse auch ein beliebtes Thema in Vor- und Grundschulen. Passend dazu ein Buchtipp, der garantiert auch in der Sprendlinger Stadtbücherei zu finden ist: Christine Nöstlingers wunderbares Kinderbuch „Fledermaus und Gruselgraus“ – eine schöne kleine Geschichte zum Vor- und Selberlesen.
Fotos. schmidt

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