Das Manifest der Grünen Stadtguerilla
Alle bisherige Geschichte war eine Geschichte vom Kampf zwischen Wildwuchs, französischen Gärten und grauen Stadtwüsten. Doch der Kampf hat sich zugespitzt und reduziert sich in heutiger Zeit auf den blanken Kampf Pflanze gegen Mensch. Die Wurzel dieses Konflikts ist aber der Mensch selbst. Die Stadtguerilla verheimlicht ihre Absichten nicht. Wir haben keine
blumige Sprache. Doch unsere Blumen sprechen eine deutliche. Sie reden von dem bedingunslosen Untergang des menschlichen Vernichtungsapparats: Krieg den Hütten, Frieden den Ästen. Das wahre Unkraut läuft auf zwei Beinen. Jeder König muss daran gemessen werden, wie er sich um die Schwächeren kümmert. Doch auf Erden wird die Krone der Schöpfung von der erbärmlichsten Kreatur getragen. Mensch... wie stolz das klingt. Doch kaum eine Pflanze würde dieses Unwesen Mensch nennen wollen. Die sogenannten Vernunftbegabten haben versucht, sich durch Vernunft von der übrigen Natur zu trennen. Doch der Preis war die Gleichgültigkeit gegenüber dem Ursprung, das Ausbeuten der Ressourcen als bloßer Bestand zum Zwecke der Unzweckmäßigkeit. Dieser Unzweck ist die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen selbst. Die Gattung Mensch hat zwar Bewusstsein, aber kein bewusstes Leben als Gattung. Die Blumen sind das Lächeln der Erde. Doch dieses Gesicht weicht der Grimasse des unharmonisch vor sich hin treibenden "Menschen". Sollten die Gesichtszüge weiter entgleisen, werden alle Bewohner gemeinsam zur Hölle fahren. Die Menschen schaufeln sich ihr eigenes Grab, sind ihre eigenen Totengräber. Ihre letzten Nutzpflanzen werden Friedhofsblumen und Kränze sein. Die Pflanzen sind noch nicht als internationale Macht anerkannt. Sie haben keine Lobby und sprechen für viele in unverständlicher Weise. Die Notwendigkeit einer botanischen Revolution ist daher klar, aber scheint auf Grundlage der Vorraussetzungen nicht möglich. Auch wenn der Kampf gegen die Vernichtung der Lungen der Erde von hier aus hoffnungslos scheint, kann an jedem Ort auf der Welt etwas für die Revolution getan werden. Wir fordern daher:
Parks statt Parkhäuser, denn wer nichts sät, wird Beton ernten.
Öffnet die Festungen aus Glas, Stahl und Beton für einwandernde Gewächse. Kein Kraut ist illegal! Versöhnung mit jungem Gemüse und Stiefmütterchen, sowie mit Frauenschuhen und Männertreu. Mehr Baumschulen und Bäume an Schulen. Reißt die Zäune in den Köpfen ein! Nur gemeinschaftliche Bewirtschaftung schafft auch echte Gemeinschaft. Grau ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum. Aber die Theorie sagt, dass wir bei weiterer Umweltzerstörung bald an den "point of ro return" ankommen. Daher ist eine Grüne Stadtguerilla in jeder Stadt zwingend notwendig. Die Urbanisierung hat die Kämpfe auf die Städte verschoben und die pflanzlichen Landbewohner in monokulturistischem Idiotismus zurückgelassen. Aber wir haben sie nicht vergessen, denn das Land ist abhängig von den Städten und wird folgen, wenn die Städte erst erobert sind. Dies ist das Manifest der Grünen Stadtguerilla. Es wird die Grundlage unseres Handelns sein. Wir solidarisieren uns mit allen anderen Gruppen, die das Ziel eines grüneren Planeten und einer gemeinschaftlichen Arbeit teilen. Nicht an unseren Worten, an unseren Spaten sollt ihr uns erkennen! Wir haben nichts zu verlieren als unsere Billig-Gartengeräte von Obi, Hornbach und Toom. Wir haben eine Welt zu gewinnen. Aber nicht nur für uns selbst, sondern für alle. Die grauen Tage sind vorbei!